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23.08.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Schilderwahn

Wir haben es ja...

Autofahren ist für mich Entspannung pur. Ich beobachte die Gegend, rege mich über andere Autofahrer auf, freue mich über Störche auf den Wiesen und genieße die Fahrt. Das kann ich alles machen, denn ich bin Beifahrer der sichersten Autofahrerin der Welt, die selbstverständlich auch die beste Frau der Welt ist.

Wie regelmäßige Leser wissen, waren wir gerade unterwegs, einige Hotels der Logis-Gruppe unter die Lupe zu nehmen. 1.600 Kilometer auf der Autobahn, da hatte ich viel Zeit, die Gegend zu beobachten. Dabei fiel mir zum wiederholten Mal auf, wie viele Schilder so an der Autobahn stehen. Viel zu viele, dass meine ganz sicherlich nicht nur ich. Doch ist das nur ein subjektiver Eindruck oder ist die Kritik berechtig?

Ich nahm mir eine Baustelle vor. Mehrfach wurde schon Kilometer zuvor auf diese Baustelle mit Schildern hingewiesen. Dann kam gleich dreimal fast auf Sichtlänge der Hinweis, dass demnächst nur noch zwei Spuren zur Verfügung stehen. In der Baustelle standen dann fast im Minutentakt Tempo-80 und Tempo-60-Schilder. Alle Kilometer wies dann noch ein Schild darauf hin, dass die Baustelle noch lange nicht zu Ende ist. Ach ja, vor der Baustelle stand noch ein  großes Baustellenschild, das nicht einmal aus einem parkenden Auto heraus zu lesen ist und eines, auf dem man sich für die Bauerei entschuldigt. Am Ende konnte man dann noch ein Schild vorbei huschen sehen, auf dem man mitteilte, dass die Baustelle zu Ende sei.

Solche Szenarien kennt ganz sicher jeder Autofahrer. Ich - als Beifahrer hatte ich die Zeit dafür - notierte mal, wie viele Schilder im Umfeld und in der Bausstelle offensichtlich unsinnig oder zumindest überflüssig sind. Ich kam auf 64. Nimmt man mal an, dass so ein Schild nebst Aufsteller 50 Euro kostet, so hat man allein in einer Baustelle Schilder für 3.200 Euro aufgestellt, die niemand braucht. Rechnet man dann noch, dass für die Montage und Demontage zwei Leute je zwanzig Stunden benötigen und die 15 Euro verdienen, so kostet dieser Schilderunsinn 3.800 Euro. Die Kosten für das Lagern der Schilder und deren Transport vernachlässigen wir mal.

Wenn man mal die  Summe von 3.800 Euro nimmt, so kann man damit sicherlich zwei oder drei Kindergartenräume renovieren. Man könnte dafür auch vernünftige Stühle für die Mitarbeiter in meinem Bürgeramt anschaffen. Das Geld sinnvoll auszugeben, wäre sicherlich für niemanden ein Problem. Dafür habe ich noch ein anderes Problem: Die meisten Schilder sind völlig unsinnig, da niemand da ist, der ihre Beachtung beziehungsweise ihre Nichtbeachtung sanktioniert. Wenn sich die beste Frau der Welt an die Geschwindigkeitsvorgabe von sagen wir mal "80" hält, wird  sie nicht nur von Rostlauben mit Wackeldackel auf der Hutablage überholt, sondern auch von jedem Brummi. Wozu also dieser Schilderwald, wenn man den einfach ignorieren kann?

Mich erinnert das an die Mutter, die ihrem ungezogen Kind damit droht, dann man nicht zur Oma fährt, wenn es nicht augenblicklich artig ist. Das weiß ganz sicher, dass die Mama nicht umdreht. Genauso wissen alle Verkehrsteilnehmer, dass da in der Baustelle kein Blitzer steht. Die wissen auch, dass sie keinen Arbeiter in der Baustelle gefährden, denn die sieht man ohnehin nur sehr selten.

Vielleicht, nein, ganz sicher wäre die Beseitigung dieses Schilderunsinns und der vernünftige Umgang mit Steuergeldern ein sinnvolles Wahlkampthema. Statt dessen streitet man sich um ein Burkaverbot, obwohl dessen Trägerinnen in Deutschland so selten sind wie freilebende Elefanten.

Jetzt gehe ich Brötchen holen. Bis ich am Bäcker bin - das sind so 600 Meter - komme ich im Übrigen an 12 Verkehrsschildern vorbei. Nur das Schild "Hier zum Bäcker" fehlt noch.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Vermeiden Sie, demnächst das Schild "Notaufnahme" zu sehen.

 


Veröffentlicht am: 27.08.2016

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