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Implantate: Zahnersatz ein Leben lang?

Wissenswertes rund um die Pflege der „Dritten“

Implantate gelten als gute Lösung, um Gebisslücken zu schließen – weil sie in Ästhetik und Funktion kaum von den echten Zähnen zu unterscheiden sind. Auch ihre sehr lange Lebensdauer ist ein echtes Plus. Die ist allerdings von der richtigen Pflege abhängig.

Worauf bei der Reinigung der „dritten Zähne“ zu achten ist und welche Probleme bei mangelhafter Mundhygiene drohen, erklärt Anke Hartosch, Expertin bei den ERGO Direkt Versicherungen.

Was ist ein Implantat?
Anke Hartosch:
Ein Zahnimplantat ist ein Metallstift, der im Kiefer verankert ist. Er ist schraubenförmig oder zylindrisch, besteht meist aus Titan und ist acht bis 16 Millimeter lang. Auf diese künstliche Zahnwurzel steckt der Zahnarzt ein Verbindungsstück aus Titan oder Keramik, das den sichtbaren Zahnersatz trägt, also eine Krone, Brücke oder Prothese. Bis der Metallstift mit dem Knochen verwachsen ist, dauert es drei bis sechs Monate. Erst dann gliedert der Zahnarzt die Krone ein. Wichtig zu wissen: Nach einer erfolgreichen Behandlung ist eine gute Mundhygiene der Schlüssel zu einem nachhaltigen Erfolg.

Wie sollten Patienten ihre Implantate reinigen?
Anke Hartosch:
Der Patient sollte sich vom Zahnarzt zeigen lassen, wie er sein Implantat am besten reinigt. Unmittelbar nach dem Eingriff besser nicht mit der Zahnbürste an der Implantatstelle putzen, da die Wunde noch empfindlich ist. Es empfiehlt sich, eine antibakterielle Mundspülung zu benutzen. Nach ein paar Tagen sollte sich die Stelle mit einer weichen Bürste sanft reinigen lassen. Wer möglichst lange etwas von dem neuen Zahn haben will, sollte ihn – wie alle anderen auch – zwei Mal am Tag mit einer antibakteriellen Zahnpasta putzen. Das allein reicht aber nicht, da der Bürstenkopf nicht bis in alle Ecken und Nischen gelangt. Um die Zahnzwischenräume zu säubern, ist die Verwendung von Zahnseide und sogenannten Interdental-Bürsten hilfreich. Es gibt eine große Auswahl an unterschiedlichen Bürstengrößen sowie Breiten der Zahnseide, je nach Größe der Zwischenräume. Besonders viel Aufmerksamkeit beim Putzen verdient der Übergang zwischen Zahnersatz und Zahnfleisch: Am besten täglich alle Beläge in diesem Bereich gründlich entfernen!

Warum erfordern Implantate eine besonders intensive Reinigung?
Anke Hartosch:
In unserem Mund wimmelt es von Mikroorganismen: Hunderte verschiedene Bakterien leben zwischen Zunge und Gaumen. Bei gesunden Menschen ist dies kein Grund zur Sorge. Gefährlich wird es erst dann, wenn diese Bakterien durch unzureichende Mundhygiene die Gelegenheit haben, auf den Belägen der Zähne zu siedeln und sich dort zu vermehren. Bei Implantaten ist die Verbindung zum Zahnfleisch lockerer als bei den eigenen Zähnen. Denn es gibt keine natürlichen Haltefasern mehr, die sie befestigen. Diese Schnittstelle kann ein Einfallstor für Keime sein. Deswegen führen manchmal schon geringe Ablagerungen an den Stellen, an denen das Implantat auf das Zahnfleisch trifft, zu schweren Entzündungen. Zunächst kommt es dabei zu einer Mukositis, einer Entzündung der Schleimhaut rund um das Implantat, vergleichbar mit einer Zahnfleischentzündung. Eine Mukositis lässt sich im Anfangsstadium noch gut behandeln, indem die Betroffenen die Beläge gründlich beseitigen. Wer sie ignoriert, riskiert eine Periimplantitis, eine Entzündung des gesamten Implantatbetts. Ähnlich wie bei einer Parodontitis droht hierbei eine Rückbildung der Schleimhaut und des Kieferknochens – schlimmstenfalls lockert sich das Implantat. Periimplantitis ist daher die Hauptursache für den Verlust des Zahnersatzes.

Bei Mukositis oder Periimplantitis ist es wichtig, rasch einen Zahnarzt aufzusuchen. Woran können Patienten erkennen, ob sie daran leiden?
Anke Hartosch:
Diese Entzündungserkrankungen sind tückisch, weil sie im frühen Stadium meist schmerzfrei verlaufen. Ein erstes Anzeichen ist blutendes Zahnfleisch. Wer beim Biss in den Apfel rote Spuren hinterlässt oder beim Zähneputzen rosa Schaum ausspuckt, sollte möglichst schnell seinen Zahnarzt zu Rate ziehen. Auch Schwellungen, Mundgeruch oder ein schlechter Geschmack im Mund können auf eine Mukositis oder Periimplantitis hindeuten. Ist bereits eine Lockerung des Implantats spürbar, sollte der Betroffene sofort seinen Zahnarzt kontaktieren. Denn je eher eine solche Entzündung behandelt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Es ist ratsam, den Zahnarzt in Abständen von drei bis sechs Monaten prüfen zu lassen, ob mit dem Zahnersatz alles in Ordnung ist. Es empfiehlt sich außerdem, in regelmäßigen Abständen eine professionelle Implantatreinigung durchführen zu lassen, zum Beispiel im Zuge der professionellen Zahnreinigung. Hierbei entfernt der Zahnarzt oder Dentalhygieniker alle Beläge, denen mit der täglichen Zahnpflege zuhause nicht beizukommen ist.

Quelle: ERGO Group

 


Veröffentlicht am: 29.08.2016

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