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Morgengruß von Helmut Harff: Orden putzen

Wie erkläre ich das nur?

Ja, wie erkläre ich den im Westen des Landes sozialisierten Menschen und den heute unter 40-jährigen, was das für merkwürdige Feiertage es da in der DDR gab. Vielleicht erst einmal so viel: Es waren eigentlich keine Feiertage, obwohl viele Menschen an Tagen wie diesen nicht wirklich arbeiteten. Man ging zwar zur Arbeit, schaffte aber - wie die Schwaben sagen würden - nicht.

Von der Partei- und Staatsführung der Deutschen Demokratischen Republik wurden so etwas wie der Tag der Aktivisten und Tag der Seeverkehrswirtschaft vorgegeben. Warum die nun auf den 13. Oktober terminiert wurden - keine Ahnung. Das war auch egal. Solche Tage, mit denen irgendwelche Werktätigen oder andere Berufsgruppen geehrt werden sollten, gab es fast täglich. Es gab den Tag des Lehrers, den Tag der Eisenbahner oder den Tag der Volkspolizisten. Alle Tage hatten eines gemeinsam: Es gab Prämie.

Prämie, das war im besten Fall eine Summe Geldes. Wer weniger Glück hatte, bekam ein Buch, von dem vielfach behauptet wurde, dass das sonst niemand kaufen würde. Wer als DDR-Bürger nach der Wende seine Bücher wieder in Bares umwandeln wollte, weiß wovon ich rede. Es gab nicht mal 10 Pfennig für solche Premienbücher, denn die gab es ja in fast allen Haushalten. Wer allerdings noch mehr Pech hatte, bekam nur eine Urkunde, drei Nelken und einen feuchten Händedruck.

Anders war das mit der Auszeichnung als Aktivist der sozialistischen Arbeit. Bei Wikipedia ist dazu zu lesen: Der Ehrentitel konnte allen Werktätigen in allen Bereichen des betrieblichen wie gesellschaftlichen Lebens auch wiederholt verliehen werden. Einzige Voraussetzung war, dass der Beliehene hervorragende Leistungen beim Aufbau des Sozialismus und bei der Festigung und Stärkung der DDR vollbracht hatte. Das betraf einfachste Dinge bis hin zur Anwendung neuer Arbeitsmethoden oder Überplanerfüllung bei der Produktion. Weiter heißt es: Andererseits standen dahinter oft wirklich überdurchschnittliche Leistungen der mit der Ehrung bedachten Menschen, die einem Beobachter unabhängig von der politischen Wertung Hochachtung abringen konnten. Neben dem Orden gab es (immer?) eine Geldprämie. Ich, nicht gerade der sozialistische Vorzeigemensch, bekam diesen Orden zweimal in meinem Leben. Ich kenne aber Leute, die hatten diverse Aktivisten-Orden in der Schublade.

Vielleicht noch eine Zahl dazu aus dem Wissenschatz von Wikipedia: 1988 wurden von 8.979.700 Werktätigen 4.441 als Verdiente Aktivisten und 284.166 als Aktivisten ausgezeichnet.

Spricht man heute über diese Auszeichnung mit vielen DDR-Bürgern, so haben sie den Orden noch. Einerseits ließ er sich wie die Buchprämien nach der Wende nicht versilbern, andererseits sehen ihn noch immer viele als Anerkennung für ihre Arbeit und Teil ihrer DDR-Biographie. Stimmt ja auch und welcher Westgeborene hat für seine Arbeit schon einen Orden bekommen?

Einen Orden hat die beste Frau der Welt für ihr Frühstück verdient. Was ich da verleihe, bleibt aber ein Geheimnis.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Mein Tipp an alle Aktivisten: Orden putzen.

 


Veröffentlicht am: 13.10.2016

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