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25.07.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Wahrheit oder Lüge

Postfaktisch bestimmt die Politik

Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden hat vor wenigen Tagen „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gekürt. Postfaktisch, das ist vor allem in der Politik die Abkehr von Tatsachen und die Hinwendung zu Meinungen. Das führt dann dazu, dass auch offensichtliche Lügen als Fakt hingenommen werden, wenn sie nur ins eigene (Welt)Bild passen.

Was mit postfaktisch gemeint ist, konnte man gut bei den Diskussionen vor der Volksabstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU beobachten. Es ging nicht mehr um Fakten, sondern nur noch um Meinungen. Nicht zufällig ist der „Brexit“ auch auf Platz zwei der Worte des Jahres gelandet. Wie ein postfaktisch geführter Wahlkampf aussieht, konnte man beim US-Präsidentschaftswahlkampf oder beim Kampf um den Sieg in der österreichischen Bundespräsidentenwahl sehen. Wer die Fernsehduelle sah, dem ist sehr schnell aufgefallen, dass es nicht mehr um Tatsachen und politische Ziele geht, sondern nur noch um postfaktisches – also um Meinungen und Lügen.

Ich erinnere mich noch gut an das letzte Fernsehduell der österreichischen Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl Van der Bellen und Hofer. Beide bezichtigten sich so oft der Lüge, dass man sich kaum noch an eine andere Äußerung erinnert. Übrigens: In Österreich ist das Wort des Jahres „Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung“.

Ja, und bei uns? Da stehen sich die faktischen und die postfaktischen gegenüber. Die sich gern als etablierte Parteien bezeichnen setzen darauf, das Wählervolk mit Fakten zu überzeugen. Immer mehr Bürger  glauben den Politikern, aber auch den Medien nicht mehr die vorgelegten Fakten. Sie setzen mehr auf Meinungen, auf ihre eigene und auf Meinungen von sogenannten Meinungsführern und – machern. Sie setzen darauf, was in den verschiedenen sozialen Medien kolportiert wird.

Ich bin gespannt, wie faktisch oder eben wie postfaktisch der Bundestagswahlkampf 2017 bei uns in Deutschland über die Bühne gehen wird. Werden die Wahlstrategen von CDU, CSU, SPD, Grüne und Die Linke hauptsächlich auf Fakten setzten? Hoffen Sie darauf, dass ihre Klientel so noch zu überzeugen und vor allem zu mobilisieren ist? Wird man so die wohl eher postfaktischen Wählern der AFD davon abhalten, diese Partei zu wählen? Was ist mit den Wählern, die sich zum Teil oder ganz über die sozialen Medien informieren? Sie trauen den sozialen Medien, die aus Sicht vieler postfaktisch sind und zumindest mit dazu beitrugen, dass sich die Britten für den Brexit und die US-Amerikaner für Donald Trump entschieden.

Noch eines geht mir durch den Kopf. Ich meine, wie postfaktisch unser Schulsystem ist. Noch sind wir nicht so weit, dass das Ergebnis von 3 x 9 so in etwa zischen 25 und 30 liegen kann. Noch glauben die Schüler, dass sie mit 27 richtig liegen. Und sonst? Fakten sind schon längst nicht mehr gefragt. Das hat schon zu meiner Schulzeit vor 50 Jahren begonnen. Doch wer keine Fakten lernt, kann später auch nur mit viel Mühe ihnen vertrauen. Der postfaktische Unterricht ist möglicherweise der Grund dafür, dass deutsche Schüler bei den Pisa-Studien nur im Mittelfeld landen. Mit Fakten kann ich das allerdings nicht belegen, aber wir leben ja in postfaktischen Zeiten.

Fakt ist, dass ich jetzt frühstücke.

Fakt und meine Meinung ist, dass ich Ihnen ein genussvolles Frühstück und einen gesegneten dritten Advent wünsche.

 


Veröffentlicht am: 11.12.2016

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