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29.04.2017

 

 

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Aluminiumsalze in Deodorants

Gibt es neue Erkenntnisse?

Für viele Menschen ist ein Deodorant nicht nur während der Sommermonate ein unverzichtbarer Bestandteil der Körperpflege. Um übermäßiges Schwitzen zu verhindern, greifen viele auf Produkte zurück, die Aluminiumsalze enthalten.

Schon vor Jahren haben Experten vor deren gesundheitsschädigenden Auswirkungen gewarnt. Erst kürzlich bewies eine Schweizer Studie, dass die langfristige Exposition gegenüber Aluminium die Bildung von Tumormetastasen begünstigen kann. Im Experteninterview erklärt Beatrice Reichenstein, Apothekerin (Med.-wiss. Dermo Kosmetik, Pierre Fabre Dermo-Kosmetik), welche neuen Erkenntnisse und Alternativen es gibt.
 
Aluminiumsalze und Aluminium-Zirkoniumsalze – was ist der Unterschied?
Beatrice Reichenstein:
Es gibt verschiedene Aluminiumsalze, die sich in der Löslichkeit und Stärke der Schweißhemmung unterscheiden. Seit Anfang der 1960-er Jahre wird vor allem das Aluminiumchlorohydrat (Aluminiumhydroxychlorid) eingesetzt. Aufgrund der ionischen und somit guten Wasserlöslichkeit kann das Aluminium beim Auftragen auf die Haut leicht herausgelöst werden und so in den Körper gelangen. Deshalb wurden komplexere Verbindungen zugesetzt, wie z. B. die Aluminium-Zirkonium-Glycin Komplexe, in denen das Aluminium so fest gebunden sei, dass es nicht in den Körper gelangen soll. Es wird auch von einer stärkeren Schweißhemmung der Komplexe berichtet. Nach der europäischen Kosmetik Verordnung ist die Verwendung der Aluminium-Zirkonium-Komplexe auf max. 20% begrenzt, während die anderen Aluminiumsalze gegenwärtig nicht reguliert sind.
 
Gibt es neue Erkenntnisse zur Wirkung von Aluminium im Körper?
Beatrice Reichenstein:
Hohe Dosen Aluminium über einen längeren Zeitraum vom Körper aufgenommen führen zu Ablagerungen im Immunsystem (in Makrophagen), im Nervensystem (neurologische Ausfallerscheinungen), im Gehirn (Alzheimer) und im Muskel,- und Knochensystem (chronische Entzündungen, Osteoporose, Schwäche). Aluminium konkurriert auch mit dem Eisentransportprotein Transferrin, was eine Anämie mitbegünstigen könnte. Immunologen ist Aluminium als Nervengift und Allergen-erzeugendes Element bekannt und spielt möglicherweise auch eine Rolle bei der Zunahme von Auto-Immunkrankheiten. Es gibt auch Unmengen von Hinweisen eines direkten Zusammenhangs zwischen Aluminium und Brustkrebs, da bei Brustkrebspatienten ein erhöhter Aluminiumgehalt im Brustgewebe nachgewiesen wurde. Nach wie vor fehlen aussagekräftige wissenschaftliche Studien.
 
Einige Hersteller haben pflanzliche Wirkkomplexe mit Schachtelhalmextrakt und Salbeiöl entwickelt, die eine natürliche Alternative zu Alumiuniumsalzen darstellen sollen. Was können Sie zu deren Wirkweise sagen?
Beatrice Reichenstein:
Schachtelhalm enthält adstringierende Inhaltsstoffe, die die Hautporen zusammenziehen und das Schwitzen reduzieren. Weitere Stoffe des Schachtelhalms  verringern die Zahl der schweißabbauenden Bakterien, die an der Entstehung der schlecht riechenden Moleküle im Schweiß beteiligt sind.  Salbeiöl wirkt ebenfalls  antibakteriell und es wird vermutet, dass die ätherischen Öle die Nervenenden der Schweißdrüsen angreifen und so die Schweißproduktion hemmen.
 
Welche Alternativen zu einem Deo gibt es?
Beatrice Reichenstein:
Verbraucher nehmen bereits über Lebensmittel und Trinkwasser hohe Mengen Aluminium auf, und die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI) ist wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung alleine durch die Lebensmittel ausgeschöpft. Wenngleich die Aufnahme von Aluminium durch die Haut wahrscheinlich sehr gering ist, könnte eine langfristige Anwendung aluminiumhaltiger kosmetischer Produkte zur Überschreitung der TWI führen, Aluminium sich im Körper anreichern und zu den evtl. möglichen diskutieren Langzeitproblemen führen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät den Verbrauchern, den übermäßigen Gebrauch von aluminiumhaltigen Antitranspirantien zu vermeiden, um zu hohe Aluminiumaufnahmen zu verhindern.

Mittlerweile gibt es viele Hersteller, die Deos mit alternativen Wirkstoffen anbieten. Solche enthalten antibakterielle und schweißabsorbierende Inhaltsstoffe (Zink und Kupfersalze, basische Mineralien, ätherische Öle, effektive Mikroorganismen u. a.) und verhindern somit die Geruchsbildung, aber nicht die Schweißbildung.

Bei wem Deos ohne Aluminium nichts helfen, der kann ausprobieren, ob er dieses nur alle paar Tage oder nur in konkreten Situationen aufgetragen muss, um die Belastung zu reduzieren.  Da die Achselhaare eine ideale Brutstätte für die schweißzersetzenden Bakterien sind, empfiehlt es sich auch, die Achselhaare zu entfernen. Die Aluminiumaufnahme kann auch reduziert werden, indem z.B. aluminiumhaltige Antitranspirantien nicht unmittelbar nach der Rasur bzw. bei geschädigter Achselhaut auf die Haut aufgebracht werden.
 
Interview: medicalpress.de

 


Veröffentlicht am: 11.02.2017

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