Startseite  

23.03.2017

 

 

Werbung

 

Vorherigen Artikel lesen Nächsten Artikel lesen

 

Die verrücktesten Traditionen von Zürich

Nicht nur ein Spektakel für Einheimische

«Zwänzgerle», «Eis, zwei, Geissebei» und «Schifferstechen» – Was wie Schweizerdeutsch für Fortgeschrittene klingt, sind in Wahrheit die lustigsten Traditionen, die es in und um Zürich gibt.

So witzig wie während den verrücktesten Bräuchen von Zürich kennt man die Schweizer sonst gar nicht: Wagemutig sind die Einheimischen etwa beim «Samichlausschwimmen», wenn sie sich bei eisigen Minustemperaturen in den Fluss Limmat stürzen, verkleidet und stolz während dem Frühlingsfest Sechseläuten, ausgelassen und fröhlich beim Knabenschiessen oder der Badenfahrt.

Eis, Zwei, Geissebei: 28. Februar 2017


Den Fasnachtsdienstag, also den letzten der Karnevalstage, feiern die Kinder von Rapperswil-Jona traditionell auf ganz eigene Art und Weise. An besagtem Dienstag – am Tag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch – versammeln sich hunderte Kinder vor dem Rathaus in Rapperswil, wo sie gespannt darauf warten, dass sich pünktlich um 15.15 Uhr die Fenster des Ratssaals öffnen und die allseits bekannte Fanfare ertönt. Auf die Frage des Ratsherren: «Sind alli mini Buebe doo?», also «sind alle meine Buben hier?», antworten die Kinder lauthals: «Ja! Eis – zwei – Geissebei!», was so viel heisst wie «Eins, zwei, Ziegenbeine». Darauf werden sie mit der Schweizer Rohesswust Cervelat, Brötchen und Lebkuchen, hierzulande «Biberli» genannt, belohnt. Während rund einer halben Stunde geht dieses Spiel zwischen Ratsherren und den Kindern fröhlich weiter, bis alle Kinder mit Leckereien versorgt sind.

Seit wann dieser Brauch gefeiert wird, lässt sich übrigens nicht mehr eruieren. Man geht aber davon aus, dass es mit der Belagerung und Brandschatzung von Rapperswil am 24. Februar 1350 durch Rudolf Brun – dem ersten Bürgermeister von Zürich – zusammenhängt, als wohlgesinnte reiche Stadtbürger den hungernden Kindern und Mitbürgern Nahrungsmittel aus den Fenstern ihrer Häuser gereicht haben sollen.

Zwänzgerle: 17. April 2017

Beim «Zwänzgerle», was so viel bedeutet wie «Zwanziger werfen», handelt es sich um einen Osterbrauch der Stadt Zürich. Konzentriert und ruhig geht es am Morgen des Ostermontags unter den Bögen am Limmatquai und auch auf dem Rüdenplatz mitten in der Zürcher Altstadt zu und her. Dort stehen dicht gedrängt Kinder und Erwachsene, die sich auf Eier und kleine Geldstücke konzentrieren. Beim «Zwänzgerle» geht es nämlich darum, 20-Rappen-Stücke so auf die von Kindern entgegen gehaltenen Eier zu werfen, dass die Münzen darin stecken bleiben. Gelingt das, erhält der erwachsene Werfer das Ei sowie das Geldstück. Ein fast unmögliches Unterfangen, was die Kinder freut: Jede Münze, die zu Boden fällt anstatt im Ei steckenzubleiben, gehört ihnen.

Der Brauch scheint seine Wurzeln bereits im 18. Jahrhundert zu haben und ist ein Osterbrauch wie das Ostereiertitschen.

Das Frühlingsfest Sechseläuten: 24. April 2017

Wenn im April die ersten Blumen und Bäume blühen, die Temperaturen steigen und die Tage länger werden, feiern die Zürcher ihr traditionelles Frühlingsfest: das Sechseläuten, oder «Sächsilüüte», wie es in der Zürcher Mundart heisst. Woher diese Tradition kommt, wer darin die Hauptrolle spielt, was die Zunfthäuser damit zu tun haben und wie das Fest abläuft? Besuchen Sie Zürich.

Chriesisturm: Ende Juni 2017

In Zweiergruppen rennen Kinder und Erwachsene eine Leiter zwischen sich tragend durch Zug. Dem lustig anzusehenden Lauf liegt eine historische Begebenheit zu Grunde. Der Kanton Zug ist in der ganzen Schweiz als der Kirschenkanton bekannt, denn nirgends blühen und gedeihen die Kirschen so prächtig wie hier. Bereits im 17. Jahrhundert kündigte das Geläut der «Chriesigloggä», also der Kirschenglocke, die Reife der Kirschen in der Allmend – einem damals bestehenden öffentlichen Park mit unzähligen Kirschenbäumen – an. Wenn die Glocke im Frühsommer erstmals um 12.00 Uhr erklang, wussten die Zuger, dass die Kirschen nun zur Lese reif waren. Mit Leitern und Körben bewaffnet rannten dann alle zur Allmend, um die süssesten und schönsten Früchte zu pflücken. Das Pflücken vor dem Geläut war übrigens strikt verboten und wurde bestraft.

Im 20. Jahrhundert geriet der Brauch in Vergessenheit, was mit dem Rückgang der Kirschbaumbestände in Zusammenhang liegen könnte. Seit 2009 wird der «Chriesisturm» als spektakuläres Rennen durch die Zuger Altstadt wieder ausgetragen und läutet damit feierlich den Start der Kirschensaison ein.

Schifferstechen: 1. Juli 2017

Nur alle drei Jahre zelebriert die Zunft zur Schiffleute mitten im Fluss Limmat das «Schifferstechen». Das «Schifferstechen» der Zunft zur Schiffleute gleicht einem mittelalterlichen Tjost. Das wiederum waren Ritterturniere, bei welchen zwei mit Lanzen bewaffnete Ritter einander vom Pferd zu stossen versuchten. Beim Schifferstechen sind die Regeln ähnlich, nur eben nicht zu Pferd, sondern auf einem mehr oder weniger wackligen Boot stehend.

Diese Tradition gibt es in Zürich bereits seit dem Spätmittelalter, als dieser Kampfsport als bürgerliche Alternative der adligen Reitturniere in ganz Europa populär wurde. Auf einem von Josias Murer gezeichneten Stadtplan von 1576 sieht man das Schifferstechen in der Limmat genau an der Stelle, wo das Spektakel auch heute noch stattfindet. Das Stechen wurde häufig als Attraktion während der Jahresfeste der einzelnen Zünfte zelebriert oder zu Ehren hoher Gäste. Und während man früher mit Helm, Harnisch, Schild und spitziger Lanze kämpfte – was zu Unfällen und gar Ertrinken führte – begegnen sich die Zunftleute heute ohne schwere Rüstung und mit stumpfer Lanze. Ganz ungefährlich also.

Badenfahrt: 18. – 27. August 2017


Eines der grössten Feste der Schweiz ist das nur alle 10 Jahre stattfindende Volksfest Badenfahrt. Die «Badenfahrt» ist eines der liebsten Feste der Badener Bevölkerung und der angrenzenden Regionen. Kein Wunder, findet es doch nur alle 10 Jahre statt und ist dadurch umso einzigartiger.

Im Vorfeld der «Badenfahrt» wird jeweils die gesamte Innenstadt einem Thema entsprechend geschmückt. Bars, Bühnen und Marktstände werden eigenhändig gezimmert und dekoriert und die gesamte Bevölkerung scheint in das Gelingen des Festivals miteinbezogen zu sein. Während dem mehrtägigen Event finden Spiele statt und Shows, Konzerte und musikalische Darbietungen aller Art sorgen für Unterhaltung. Essensstände, Bars und Marktstände sorgen für das leibliche Wohl der Besuchenden aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland. Die erste grosse «Badenfahrt» fand 1937 statt und seit daher in einem Turnus von 10 Jahren. Und während man im 19. Jahrhundert mit der «Badenfahrt» die Fahrt zur Kur in die Bäder von Baden meinte, geht man heute eher im Gegenteil mit Freunden, Arbeitskollegen und Verwandten nach Baden zum Feiern, tanzen und schlemmen.

Knabenschiessen: 11. September 2017

«Knabenschiessen» hat wenig mit dem zu tun, was man in erster Linie vermuten könnte. Während dem «Knabenschiessen»-Wochenende findet eins der grössten Zürcher Volksfeste statt. Immer wieder sorgt das «Knabenschiessen» für Verwirrung bei Unwissenden. Beim beliebten Volksfest werden aber keine Jungen erschossen, im Gegenteil: Zürcher Knaben – und seit einigen Jahren auch Mädchen – haben bei diesem Schützenfest die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten im Schiessen zu testen und beweisen. Diese Tradition hat ihren Ursprung im 17. Jahrhundert. Erstmals schriftlich erwähnt wird es 1656, als beim damals noch «Knaben Schiesset» genannten Schützenwettbewerb rund 150 Knaben teilnahmen.

Das moderne und jährlich stattfindende «Knabenschiessen» gibt es in der heutigen Form seit 1899 und wird von der Schützengesellschaft der Stadt Zürich im Albisgütli organisiert. Seither ist das Schützenfest gleichzeitig auch das grösste jährliche Volksfest in Zürich und lockt jeweils von Samstag bis und mit Montag mit einem vielfältigen kulinarischen Angebot sowie vielen Marktständen und Jahrmarktbahnen.

Seit dem 700. Geburtstag der Eigenossenschaft 1991 dürfen auch Mädchen an diesem Wettbewerb teilnehmen. Allerdings sind bis heute ausschliesslich Mädchen und Knaben aus der Stadt und dem Kanton Zürich zum Schiessen zugelassen. Der Jahrmarkt rundherum richtet sich selbstverständlich an alle Besucher aus Nah und Fern.

Samichlausschwimmen: 3. Dezember 2017

Rund 300 Teilnehmende schwimmen jährlich Anfang Dezember durch die eiskalte Limmat, um für einen guten Zweck zu sammeln. Seit dem Jahr 2000 stürzen sich jährlich rund 300 unerschrockene Schwimmerinnen und Schwimmer in die eiskalte Limmat, um dieser 111 kalte Meter später beim Frauenbad Stadthausquai wieder zu entsteigen. Doch was soll das Ganze? Was mit rund 65 Teilnehmenden wohl als Spass unter Freunden begann, hat sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem beliebten Sportanlass gemausert. Ausserdem wird seit 2011 jeweils eine gemeinnützige Organisation mit den Einnahmen des Anlasses unterstützt.

Manche behaupten überdies, dass ein eiskaltes Bad gesund sein soll und nehmen aus diesem Grund am «Samichlausschwimmen» teil. Wie auch immer – die Zuschauer freut’s!

 


Veröffentlicht am: 23.02.2017

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

NewsletterNewsletter bestellen und abbestellen

TwitterFolge uns auf Twitter

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Hoch: Hoch zum Seitenanfang

Nächsten Artikel: lesen

Vorherigen Artikel: lesen

 

 


Werbung

 


Werbung

 


Werbung

 


Werbung

Logo yorxs

 

Neu auf genussmaenner.de


 

 
         
             
     
     
     

 

Service
Impressum
Kontakt
Mediadaten
Newsletter
Nutzungshinweise
Presse
Redaktion
RSS 
Sitemap
Suchen

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk
| Börsen-Lexikon
| Geld & Genuss
| gentleman today
| Frauenfinanzseite
| fotomensch berlin - der Fotograf von genussmaenner.de
| geniesserinnen.de
| instock
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

 

Rechtliches
© 2007 - 2017 by genussmaenner.de, Berlin. Alle Rechte vorbehalten.

Lesezeichen:
 Del.icio.us Google Bookmark Reddit