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Morgengruß von Helmut Harff: Sehn'se das ist Berlin

Ja, ich liebe meine Stadt...

Alte Berliner so wie ich können sich sicherlich noch an die Westberliner Kabarettsendung "Die Insulaner" erinnern. In jeder Ausgabe im RIAS ging die Textzeile "Sehn'se das ist Berlin" über den Sender.

Das Kabarett gibt es schon seit Anfang der 1960er Jahre nicht mehr, die Textzeile hat sich so in meinem Kopf eingebrannt, dass sie mir immer wieder einfällt, wenn ich in meiner Heimatstadt unterwegs bin.

Klar, eine Metropole, gerade eine so lebendige wie Berlin, ist nicht so oder so. Das wäre ja auch eine Katastrophe. Und doch, es gibt typisches in der Stadt. Woran erkennen Sie beispielsweise, dass Sie in einem Berliner Theater, in einem Berliner Konzertsaal sind? Keine Ahnung? Das ist ganz einfach: Die am besten angezogenen Menschen sind die Platzanweiserinnen. Das ist kein Kompliment und ich verstehe auch nicht, warum so viele Leute sich für einen Besuch beispielsweise im Friedrichstadtpalast oder in der Philharmonie schlechter als zur Arbeit anziehen.

Bei den wenigen, die sich chick machen entschuldige ich mich gleich mal. Doch alle anderen frage ich, ob ihr Kleiderschrank so leer ist, dass da wirklich nicht mehr als irgendwelche Jeans, T-Shirts oder ungebügelte Hemden zu finden sind. Das gilt im Übrigen für beide Geschlechter.

Die beste Frau der Welt und ich fragen uns immer, warum es so viele Menschen augenscheinlich verlernt oder vergessen haben, sich dem Anlass angemessen zu kleiden, sich einfach chick zu machen. Früher hatte man "etwas für gut", heißt, es hingen Dinge im Kleiderschrank, die man nur zu besonderen Anlässen trug. Die Frauen zogen sich an der Garderobe die Stiefel aus und die Pumps an. Ja, das machen auch heute noch Menschen, aber die muss man fast schon mit der Lupe suchen.

Für Gut, dass gibt es augenscheinlich kaum noch. Das gibt es nicht mehr bei der Ausgehkleidung, aber auch nicht beim Essen oder im sonstigen Leben. Ich kann mich noch an Menschen erinnern, die hatten eine sogenannte gute Stube. Die wurde nur zu besonderen Anlässen benutzt, ansonsten waren die Möbel mit Bezügen vor Staub und Sonnenlicht geschützt. Auch gab es das gute Geschirr. Wenn ich bei meiner Oma eine ganz spezielle Tasse - meine Tasse bekam, war entweder Weihnachten, Ostern oder Geburtstag.

Es gab auch so etwas wie Essen für gut. Richtig Fleisch - also Braten oder ähnliches - gab es nur an Sonn- und Feiertagen. Gleiches galt für richtigen Kuchen - also nicht für solchen auf dem Blech gebackenen. Braten und Kuchen, dass war noch etwas besonderes. Nicht, das man sich das nicht leisten konnte, aber man wollte einen Höhepunkt in der Woche und der war nun mal das gemeinsame Essen, für das man das gute Geschirr aus dem Schrank holte. Wir Kinder wurden chick gemacht, Mutter trug ein Kleid - ohne Schürze - und Vater hatte die Krawatte um.

Ja, ich weiß, wer zurück blickt, ist alt. Doch sind wir mal ehrlich, manche Dinge könnten wir wieder für uns entdecken. Uns mal was für gut lassen, das wäre so etwas. Dann könnte ich beim Anblick gut gekleideter Leute, die auch wissen, wie man sich benimmt, mich mit einem guten Gefühl an die alte Kabarett-Zeile "Sehn'se das ist Berlin" erinnern.

Jetzt muss ich mich aber erst einmal um das Frühstück kümmern.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Machen Sie sich ruhig mal wieder chick. Es tut wirklich nicht weh.

 


Veröffentlicht am: 03.03.2017

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