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24.10.2017

 

 

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Bischofsexperiment und Lutherwein

Reformationsgeschichten in Saale-Unstrut

(tpr) Unweit der Lutherstädte Wittenberg und Eisleben, in Saale-Unstrut, hat die Reformation deutliche Spuren hinterlassen. Im Hochmittelalter noch blühte in der Kulturlandschaft zwischen Leipzig und Weimar der Katholizismus.

Anfang des 13. Jahrhunderts wohnte zeitweise die Heilige Elisabeth von Thüringen hier. Nur drei Jahrhunderte später wurde die Region zum bedeutenden Schauplatz der protestantischen Revolution. In Sonderführungen und Ausstellungen spüren Besucher dem folgenschweren Wandel nach – und degustieren ein Glas vom edlen Lutherwein.

Naumburg: Luther weiht den ersten evangelischen Bischof

Der Naumburger Dom, eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler aus dem Hochmittelalter, wurde am 20. Januar 1542 Zeuge eines brisanten Vorfalls: Martin Luther weihte seinen gleichaltrigen Freund Nikolaus von Amsdorf zum ersten evangelischen Bischof in Deutschland. Ein Affront. Das Domkapitel hatte erst kurz zuvor den katholischen Bischof Julius von Pflug gewählt. Der Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen widersetzte sich diesem Beschluss der hohen Geistlichen, da er sich einen reformatorischen Nachfolger wünschte.

Von Amsdorfs Weihe erregte großes Aufsehen. Mehr als Eintausend Menschen sollen bei der feierlichen Zeremonie dabei gewesen sein. Luther hielt die Predigt und segnete den neuen Bischof persönlich. Doch die Katholiken erkannten ihn nicht an. Das „Naumburger Bischofsexperiment“ scheiterte.

Erst 1568 setzte sich die Reformation in Naumburg durch. Nikolaus Medler, Superintendent an der Stadtkirche Sankt Wenzel, trieb die Bewegung entscheidend voran. Er verfasste eine Kirchen- und Schulordnung, die von Luther geprüft und bestätigt wurde.

Im Naumburger Dom St. Peter und St. Paul erinnert heute eine Figur des Reformators an der mittelalterlichen Kanzel an das Bischofsexperiment. Bekannter sind die Stifterfiguren Uta und Eckhart von Naumburg im Westchor. Uta gilt als schönste Frau des deutschen Mittelalters. Umberto Eco schreibt in seiner „Geschichte der Schönheit“: „Wenn Sie mich fragten, mit welcher Frau in der Geschichte der Kunst ich gerne essen gehen und einen Abend verbringen würde, wäre da zuerst Uta von Naumburg.“ Im Reformationsjahr bietet die Stadt Naumburg Sonderführungen durch den Dom und die Stadt an. 

Merseburg: Luther wettert gegen das Zölibat

Noch 1521 wurden in Merseburg Schriften Luthers vor dem Dom verbrannt. Doch die Reformation hielt wenige Jahre später auch hier Einzug. Luther führte 1545 Fürst Georg III. im Merseburger Dom zum „Beistand in geistlichen Angelegenheiten“ ein.  Der Fürst hatte Luthers Lehre eingehend studiert und bekannte sich 1530 dazu. Zwei Tage später predigte Luther bei der Trauung eines Domherren mit dessen ehemaliger Haushälterin und kritisierte das Zölibat scharf: „Das Binden aber und Geloben, Keuschheit zu halten und unehelich zu bleiben, ist neu vom Teufel und den leidigen Mönchen, den Schändern Gottes Ordnung und des heiligen Ehestandes, erfunden und erdacht.“

Insgesamt sechs Tage hielt sich der Reformator in Merseburg auf. Eine Bronzeplatte im Dom erinnert daran. Der Dom St. Johannes und St. Laurentius ist das herausragende Baudenkmal in der einstigen Pfalz- und Bischofsstadt. Die einstündige Sonderführung „Vom Bischofsstuhl zur Hofkirche – Der Merseburger Dom im Wandel der Reformation“ gewährt einen Einblick in diese Zeit.

Während seines Besuchs soll Luther einen lilafarbenen Mantel aus Seide getragen haben. Der Reformator wurde so sehr verehrt, dass der Mantel in viele kleine Stoffteile zerschnitten und verkauft wurde. Übrig blieben nur ein Stück über der rechten Schulter und das aufwendig gestickte Jesuskreuz der Rückseite.

Zeitz: Luthers Nachkommen haben die Stadt geprägt

Zwei Tage nach der Amtseinführung Nikolaus von Amsdorfs in Naumburg hielt dieser am 22. Januar 1542 seine Antrittspredigt im heutigen Dom St. Peter und Paul in Zeitz. Am Nachmittag predigte Luther über „die große Macht und Kraft der Worte Gottes“ im Franziskanerkloster zu Zeitz. In den Folgejahren reiste Luther weitere Male nach Zeitz und besuchte seinen Freund Nikolaus von Amsdorf in dessen Bischofsresidenz, dem heutigen Schloss Moritzburg.

Die Stadt Zeitz wurde zudem durch Luthers Nachkommen geprägt. Johann Ernst Luther, ein Enkel des Reformators, wurde in der Michaeliskirche getraut. Mit seinen acht Kindern begründete er die Zeitzer Lutherlinie. Sein Grabstein ist in die Wand des Kreuzgangs am Dom St. Peter und Paul in Zeitz eingelassen.

Im Torhaus der Moritzburg in Zeitz befindet sich die Lutheridenbibliothek, eine umfangreiche Sammlung wertvoller Bücher und Dokumente, zusammengetragen von Luthernachfahren. 1882 entdeckte man in der Bibliothek der Michaeliskirche einen Originaldruck der 95 Thesen aus dem Jahr 1517. Es gibt nur sechs dieser Plakatdrucke auf der Welt. Besucher können eine Nachbildung der Rarität im Gemeindezentrum besichtigen.

Zeitz würdigt im Reformationsjahr den Theologen Julius Pflug mit einer Sonderausstellung. Der Katholik gilt als wichtigster Vordenker der Ökumene, da er sich für die Einheit der Kirche engagierte. Die Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ im Schloss Moritzburg, im katholischen Dom St. Peter und St. Paul, in der Stiftsbibliothek und in der evangelischen Kirche St. Michael zeigt die Reformationsbestrebungen der katholischen Kirche.

Lutherwein: Edle Tropfen erinnern an Luthers Liebe zum Wein

Das Leben Luthers lässt sich nicht ohne seine Liebe zum Wein erzählen. Bekannt sind seine Sprüche: „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Thor sein Leben lang“ und „Der Wein ist unter allen Früchten die alleredelste in der ganzen Welt, der das Herz des Menschen erquickt und erfreut“. Seine Familie soll selbst Wein angebaut haben. Deshalb widmen sich gleich drei Weingüter in Saale-Unstrut dem Lutherwein.

Das Weingut Hoffmann in Höhnstedt liegt am Lutherweg, der die Lutherstädte Wittenberg und Eisleben miteinander verbindet. Seit 2009 vermarktet das Weingut seinen Traminer als Lutherwegwein. Mit jeder verkauften Flasche gehen fünf Prozent des Erlöses an den Lutherweg. Das Weingut Herzer in Naumburg bietet seit vorigem Jahr zwei Lutherweine an, einen Blauen Zweigelt und einen Weißen Burgunder. Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut hat zum Reformationsjahr einen trockenen Weißburgunder aus dem Jahr 2015 als „Luthertraube“ ausgewählt.

Reiseinformationen

Wichtigstes Tourismusportal für die Region Saale-Unstrut ist www.saale-unstrut-tourismus.de. Hier informiert der ansässige Tourismusverein über die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der gewachsenen Kulturlandschaft und bietet Buchungsmöglichkeiten für Unterkünfte.

Lutherjahr 2017 in Saale-Unstrut

Naumburg
• Erlebnisstadtführung der Stadt Naumburg: „Das Bischofsexperiment“, 8. April und 31. Oktober und ganzjährig für Gruppen bis 25 Personen buchbar

• „Beim Schwein sag ich nicht nein“ –Erlebnisführung mit Luther-Menü, 31. März und 30. Oktober

• Erlebnisführung der Stadt Naumburg: „Mit Feder und Tinte“, Rundgang mit „Stadtschreiber Nikolaus Krottenschmidt“ (ganzjährig für Gruppen buchbar)

Merseburg
• Sonderführung im Dom: „Vom Bischofsstuhl zur Hofkirche – Der Merseburger Dom im Wandel der Reformation“, 30. Juni, 28. Juli, 25. August und 27. Oktober jeweils 17 Uhr, Anmeldung beim Besucherservice 03461/210045

• 47. Merseburger Orgeltage „Die Macht der Musik – Musica sacra über den Konfessionen“, 16. bis 24. September 2017

• Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg: Sonderausstellung „Das Merseburger Experiment. Fürst Georg III. von Anhalt als Reformator und evangelischer Bischof (1544-1548)“, 20. Mai bis 30. August 2017

Zeitz
• Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ vom 5. Juni bis 1. November 2017, Orte: Museum Schloss Moritzburg, Dom St. Peter und Paul, Stiftsbibliothek, evangelische Kirche St. Michael

Lutherwein
Weingut Hoffmann in Höhnstedt: Lutherwegwein
Weingut Herzer in Naumburg: Lutherwein
Winzervereinigung Freyburg-Unstrut: Luthertraube

Foto: Michael Rang

 


Veröffentlicht am: 06.03.2017

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