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Nur gucken, nicht anfassen

Seehunde und Kegelrobben auf Sylt


Jacob Fuhrmann verbringt sein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum. Auf jedem seiner regelmäßigen Rundgänge um die stürmische Südspitze hält er Ausschau nach Seehunden und Kegelrobben.

„Am häufigsten sehen wir jetzt im Winter junge Seehunde, eigentlich fast jede Woche. Meist sind es Tiere, die im vergangenen Sommer geboren wurden und schwach oder erschöpft sind, dann werden sie manchmal auf den Strand gespült.“ Besonders, wenn die See hochgeht. Jacob hat einen Seehund entdeckt, beobachtet ihn mit dem Fernglas und meldet das Tier und seinen Zustand beim zuständigen Seehundbeauftragten. Wenig später robbt das Tier aber schon wieder in Richtung Wasser. „…es war wohl nur erschöpft und hat sich über Nacht hier ausgeruht und erholt“, sagt Jacob.

Die massigen, über zwei Meter großen Kegelrobben sind seltener anzutreffen. Im Wattenmeer gibt es nur wenige Wurfkolonien, eine der bedeutendsten liegt südlich von Sylt vor Amrum. Deshalb sieht man sie auch am ehesten im Bereich der Hörnum-Odde, wenn sie neugierig ihre Knopfaugen aus dem Wasser stecken.

Der Bestand beider Arten hat sich in den vergangenen Jahren sehr erholt – Zählungen gehen von 9000 Seehunden und 800 Kegelrobben aus. Was unterscheidet einen Seehund eigentlich noch von einer Robbe? Kegelrobben können bis zu 330 Kilogramm wiegen, Seehunde 120 – also schon allein an der Größe!, erklärt Jacob. Und: Auch an ihrer Kopfform – die von der Robbe ist kegelförmig, die vom Seehund rund. Seehunde werden im Sommer geboren, Kegelrobben im Winter.

Seehunde haben von Geburt an ein Fell, mit dem sie im Wasser sofort dauerhaft überleben können. Kegelrobben müssen hingegen auf Sandbänken oder Stränden geboren werden, die nicht überflutet werden – ihr Schwimmfell muss sich erst ausbilden. Sowohl für Seehunde als auch für Kegelrobben gilt: Abstand halten! Spaziergänger sollten einen größtmöglichen Bogen um die Tiere machen. Fühlen sie sich gestört – und das gilt ab ungefähr 200 Metern Distanz zwischen Mensch und Tier –, werden sie aufgescheucht und flüchten. Heuler, krank wirkende Seehunde und rastende Kegelrobben sollten bitte sofort der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum (04651 – 881093) gemeldet werden.

Wer Seehunde und Kegelrobben sehen und ungestört in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten möchte, steigt am besten aufs Schiff. Ab Hörnum und List fahren die Adler-Schiffe raus zu den Seehundsbänken. Die meisten Seehunde findet man dort im März, wenn sich die Tiere nach dem Winter, den sie zumeist in tieferen Nordseegewässern verbringen, wieder im Wattenmeer sammeln. Ab Mitte Mai wandern trächtige Weibchen zum Werfen der Jungtiere auf die ruhigeren Mutterbänke im Nationalpark ab.

Ab Ende Mai bringen die Seehunde ihren Nachwuchs auf Sandbänken des Wattenmeeres zur Welt. Geht die Fahrt zum Jungnamensand, eine kleine Sandbank westlich von Amrum im Nationalpark Wattenmeer, stehen die Chancen besonders gut, Kegelrobben zu sehen. Die zweistündige Fahrt ab Hörnum wird von Betreuern des Nationalparks Wattenmeer begleitet, die viel Wissenswertes zu den Kolonien der Kegelrobben, aber auch zur Flora und Fauna des Wattenmeers zu erzählen haben.

Fotograf: Holger Widera / Adler-Schiffe

 


Veröffentlicht am: 07.03.2017

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