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15.12.2017

 

 

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Feuerbälle rasen ins Tal

Osterräderlauf in Lügde NRW

Auch an diesem Ostersonntag, dem 16. April 2017, wird es wieder Tausende von Besuchern in die lippische Kleinstadt Lügde ziehen. Sie wollen Zeugen eines 2000 Jahre alten Brauchs werden, der ursprünglich von den Germanen begründet wurde: In der Dunkelheit rasen sechs mannshohe, fast 400 Kilogramm schwere Eichenräder wie riesige Feuerbälle vom Lügder Osterberg ins Tal der Emmer.

Dass das gewaltige Spektakel jedes Jahr erneut seine Kraft entfalten kann, dafür sorgt der 1922 gegründete Brauchtumsverein der Dechen. Wer Lügde am Osterwochenende besucht, kann sie bei den Vorbereitungen des Laufs begleiten und das Spektakel aus nächster Nähe erleben. Seit 2014 gehört der Osterräderlauf in Lügde zum von der UNESCO geschützten immateriellen Kulturerbe Nordrhein-Westfalens.

Nach alten Überlieferungen verabschiedete man den Winter an vielen Orten mit Freudenfeuern – bisweilen auch mit dem Lauf von Feuerrädern. Damit ehrten die alten Germanen die Frühlingsgöttin Ostara. Karl der Große, der das Weihnachtsfest 784 in Lügde verbrachte, soll den ursprünglich heidnischen Brauch in ein christliches Ritual überführt haben – seitdem spricht man vom „Osterräderlauf“.

Traditionelles Brauchtum rund um den Osterräderlauf

Der Osterlauf beschäftigt die Dechen das ganze Jahr: Seit alters her werden die Räder am Nachmittag des Ostersonntags auf dem Osterberg mit langstieligem Roggenstroh gestopft. Kurz vor dem Lauf stecken die Dechen das Stroh in Brand. Weil es langstieligen Roggen heute kaum mehr gibt, baut ihn der Brauchtumsverein selbst an; die Ernte und das Dreschen besorgen die Dechen mit alten Landmaschinen. Die Dechen halten die Osterräder in Stand und wässern sie eine Woche vor dem Lauf in der Emmer, damit sie von ihrer heißen Fracht nicht beschädigt werden. Auch die Sicherheit der Besucher ist ihre Aufgabe: Die Dechen sorgen dafür, dass die Fangzäune und Hecken am Rand der Laufstrecke die rollenden und springenden Feuerräder in Schach halten.

Das Programm am Ostersamstag und Ostersonntag 2017


Am Osterwochenende ist ganz Lügde auf den Beinen: Am Karsamstag um 14 Uhr startet das Unterhaltungsprogramm mit Fahrgeschäften und Bewirtung im Emmerauenpark. Zwischen 16 und 18 Uhr spielt der Fanfarenzug aus Brake auf. Er ist auch dabei, wenn die Dechen die mächtigen Räder gegen 17 Uhr aus der Emmer holen und in einem Umzug durch die Altstadt fahren.

Höhepunkt ist der Ostersonntag. Zwischen 13 und 14 Uhr spielt das Blasorchester der Stadt Lügde am Marktplatz auf. Ziel des sich anschließenden Umzugs des Dechenvereins und der geschmückten Räder ist der Osterberg. Wer den Räderlauf und die Arbeit der Dechen hautnah erleben möchte, entrichtet einen Eintrittsbeitrag von sechs Euro; für Kinder unter zehn Jahren ist der Eintritt frei.

Gegen 15 Uhr beginnt auf dem Osterberg das traditionelle Stopfen der Räder mit Roggenstroh. Das erfordert viel Kunstfertigkeit und dauert etwa drei Stunden. Wenn die Räder gegen 18 Uhr für den Lauf vorbereitet sind, entzünden die Dechen am Berg ein großes Osterfeuer; gleichzeitig gehen im Emmerauenpark viele kleine Lichter an.

Ab 21 Uhr wird es ernst: Im Abstand weniger Minuten werden die wuchtigen Räder zunächst in Brand gesetzt und anschließend mit vereinter Kraft von den Dechen ins Rollen gebracht. Damit die Feuerwalzen den richtigen Weg finden, ist viel Geschicklichkeit gefragt. Gut geschützt, aber in direkter Nähe der Laufstrecke, beobachten jährlich Tausende von Gästen, wie die brennenden Riesen rollend und springend das Tal der Emmer erreichen.

Gegen 21 Uhr 45, wenn der Räderlauf beendet ist, dürfen sich die Lügder und ihre Gäste auch 2017 über ein Hochfeuerwerk freuen. Die Dechen beschließen den Höhepunkt ihres Vereinsjahres mit einem traditionellen Dechenschmaus im Vereinsheim.

Eintauchen in die Geschichte des Osterräderlaufs und des Dechenvereins, können Besucher während des ganzen Wochenendes: Die Ausstellung im Dechenheim, in der Brückenstraße 9, ist am Ostersonntag von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Standhafte Dechen leisteten Widerstand gegen das NS-Regime


Während des Dritten Reichs drohte der Osterräderlauf von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke missbraucht zu werden. Unter Lebensgefahr stellten sich die Dechen dagegen: Auf einem Privatgrundstück unmittelbar neben der Ablaufstelle der Räder errichteten sie 1935 ein zehn Meter hohes Kreuz. Dort steht es bis heute. Vom Palmsonntag bis zum Weißen Sonntag ist es beleuchtet und über viele Kilometer sichtbar.

Kostenfreie Parkplätze in großer Zahl gibt es in Laufnähe zum Veranstaltungsort. Übernachtungsgäste finden Hotels in Lügde, der angrenzenden Stadt Schieder-Schwalenberg und in Bad Pyrmont.

 


Veröffentlicht am: 10.03.2017

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