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20.09.2017

 

 

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Das Museum der Zukunft als Kulturraum für alle

... jederzeit und überall


Es gibt rund 6.700 Museen in Deutschland. Die digitale Transformation macht auch vor der Museumswelt nicht halt. Vor allem die Rezeptionsgewohnheiten und Erwartungshaltungen der jüngeren Besucher haben sich gewandelt.

Wie reagiert die Museumsbranche auf die Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung? Was für neue Formen der Kulturvermittlung und -verwertung ergeben sich daraus? Hier in aller Kürze die zentralen Faktoren – aufgezeigt vom Medien- und Digitalisierungsexperte fröbus.

Museen liegen voll im Trend. Dies verdeutlicht die aktuellste Gesamterhebung des Instituts für Museumsforschung. So verzeichneten deutsche Museen im Jahr 2015 rund 114 Millionen Besucher. 39 Prozent der Deutschen besuchen regelmäßig ein Museum, 28 Prozent sogar zwei bis drei Mal jährlich. 57 Prozent der Bundesbürger würden sogar noch öfter ins Museum gehen, wenn dort mehr interaktive und digitale Zusatzangebote vorhanden wären – wie eine repräsentative Befragung von fröbus ergab.

Hierin liegt ein großes Potenzial für Museen, um künftig noch mehr begeisterte Besucher in ihre Ausstellungsräume zu locken. Wie dies erfolgreich funktionieren kann, zeigen führende Einrichtungen in Europa und den USA wie beispielsweise das Rijksmuseum in Amsterdam, die National Gallery of Art in Washington, das Cooper-Hewit, das Museum of Modern Art sowie das Metropolitan Museum of Art in New York oder das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.

Zugänglichkeit als Innovationsmotor

Über Algorithmen lässt sich in der digitalen Welt alles mit allem in Verbindung setzen. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage, wie sich die Funktion des Museums verändert. Museen haben zwar immer noch die Deutungshoheit darüber, was Kunst ist und was nicht. Allerdings verschiebt sich durch die digitalen Möglichkeiten auch die Hierarchie der Kulturräume. So können Museen heute unabhängig von Größe und Relevanz weltweit gleichberechtigt nebeneinander erscheinen. Bei der digitalen Erfassung und globalen Verfügbarmachung von Sammlungen und Archiven nimmt das Google Cultural Institute eine Vorreiterrolle ein.

Die digitale Erschließung des Kulturerbes stellt eine bedeutende Inspirationsquelle dar und legt dadurch einen Grundstein für weitere Innovationen und Neuschöpfungen. So lassen sich etwa verstreute archäologische Funde virtuell zusammenführen, wodurch sich neue didaktische Formen der Ausstellungskonzeption und der Kontextualisierung ergeben. Darüber hinaus können bestehende oder bislang eingelagerte und nicht ausgestellte Exponate für jeden überall und jederzeit zugänglich gemacht werden.

Barrierefreiheit als Aufmerksamkeitsstifter

Bei der Einrichtung eines barrierefreien Kulturzugangs kommt vor allem dem Urheberrecht eine entscheidende Bedeutung zu. So hat beispielsweise das MET-Museum in New York jüngst 200.000 Werke für die Öffentlichkeit gemeinfrei gemacht. Denn Kunstwerke müssen auch dort auffindbar sein, wo sich heute viele Menschen überwiegend bewegen und informieren, nämlich im Internet. Und wie Kultureinrichtungen das verwahrte gemeinfreie Kulturerbe mit der Öffentlichkeit teilen, ist auch eine Frage, wie diese die digitale Transformation verstehen und gestalten. Die heutigen Möglichkeiten für Museen sind jedenfalls enorm. Dazu zählen beispielsweise die Einrichtung von Lern-, Wissens-, und Präsentationsumgebungen oder spannende und aufmerksamkeitsstarke virtuelle Spaziergänge durch Sammlungen, Ausstellungsräume oder die Kunstgeschichte.

Interaktivität als Perspektivenspiel

Die Digitalisierung ermöglicht alternative Sichtweisen und Erfahrungen zur vertiefenden Auseinandersetzung mit kulturellem Wissen: Weltweit verstreute Kunstwerke können etwa in der Zusammenschau betrachtet werden, Besucher haben die Möglichkeit, in digitalisierte Gemälde wie mit einem Elektronenmikroskop einzutauchen. Vor allem Virtual Reality (VR) bietet als Medium ein großes Potenzial für das Storytelling und kann die Besuchererfahrungen um aktuelle Kontexte und kreative Möglichkeiten der Narration bereichern. VR-Anwendungen werden einen Vorortbesuch nicht vollständig ersetzen, sondern dienen als ein attraktives Zusatzangebot, um die erzählerischen Möglichkeiten der Museen sinnvoll zu erweitern. Im Zusammenspiel mit dem Internet schafft Virtual Reality jedenfalls einen unbegrenzten Rahmen, um einem breiten Publikum immersive und emotional packende Kulturerlebnisse auch außerhalb des Museums zu ermöglichen.

Partizipation als Kreativitätsmaschine

Aktiv statt passiv lautet das Credo der Remix- und Sharing-Kultur, die das Teilen und Verändern zum Grundprinzip der Digitalität erhebt. Gleichzeitig stehen viele Museen der Digitalisierung immer noch äußerst skeptisch gegenüber. Befürchtet wird das Ausbleiben von Besuchern, wenn diese vorher alle Werke bereits im Internet betrachten konnten. Aber auch die Banalisierung eines Kunstwerks durch die Präsentation oder Verfügbarmachung im virtuellen Raum. Doch in der digitalen Partizipation schlummert auch jede Menge kreatives Potenzial. Die Mona Lisa ist heute nicht zuletzt deswegen so bekannt, weil sie in der Vergangenheit häufig reproduziert, verändert und geteilt wurde – wie beispielsweise durch das legendäre Ready-made von Marcel Duchamp mit angemaltem Schnauzbart.

Die Relevanz dieser Faktoren hat auch die Europäische Kommission erkannt und empfiehlt den Mitgliedsstaaten neben der Zugänglichkeit auch die künftigen´Verwertungsmöglichkeiten beim Kulturerbe zu verbessern. Jedoch ist hierfür eine professionelle 3D-Erfassung der Werke eine notwendige Vorrausetzung, um weitere zukunftsträchtige Anwendungsformen wie beispielsweise Virtual Reality überhaupt erst realisieren zu können.

Die Idee des Internets und freizugänglicher Daten ist gekommen, um zu bleiben. Museen müssen sich daher zwangsläufig transformieren, wenn sie sich auch künftig treu bleiben wollen. Hierbei ist aber auch die Politik noch stärker gefordert als bisher, um die rechtlichen Rahmenbedingungen – vor allem beim Urheberrecht – für den Wandel zu verbessern und finanzielle Fördermöglichkeiten bei Digitalisierungsprojekten für Museen auszuweiten.

Foto: fröbus

 


Veröffentlicht am: 21.05.2017

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