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Blindflug im Auto

Schuld ist das Smartphone

Das Smartphone durchdringt alle Lebensbereiche und macht auch vor dem Straßenverkehr nicht halt. Rund die Hälfte aller Autofahrer lässt sich auf die eine oder andere Weise durch digitale Kommunikationsgeräte vom Verkehr ablenken, ergeben Untersuchungen von Verkehrsexperten. Sie machen die Geräte für die seit zwei Jahren wieder ansteigende Zahl von Verkehrsunfällen verantwortlich.

So geben 44 Prozent der Autofahrer an, während der Autofahrt häufig oder manchmal mit Smartphone oder Handy am Ohr zu telefonieren. Das hat der Verband der Digitalbranche Bitkom jetzt in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Jeder Zweite (51 Prozent) liest Kurznachrichten wie SMS oder WhatsApp, 31 Prozent schreiben sogar selbst welche. Jeder fünfte Autofahrer (19 Prozent) liest E-Mails während der Fahrt, 15 Prozent tippen welche in ihr Gerät ein. 17 Prozent geben zu, ab und zu im Internet zu surfen und acht Prozent schauen sogar Videos, während sie ihr Auto steuern.

Eine einfache Rechnung macht deutlich, wie gefährlich die Nutzung von digitalen Endgeräten im Auto ist: Wer bei 50 km/h nur zwei Sekunden lang auf das Display schaut, ist 30 Meter im Blindflug unterwegs. Bei Tempo 130 sind es sogar 72 Meter. Wenn dann der Vordermann unvermittelt bremst oder ein Fußgänger plötzlich die Fahrbahn betritt, ist es oft bereits für jede Reaktion zu spät. Forscher fanden zudem durch Versuche im Fahrsimulator heraus, dass das Schreiben einer Textnachricht in etwa die ablenkende Wirkung von 1,1 Promille Alkohol im Blut hat.

Experten glauben daher, dass die steigende Anzahl von Verkehrsunfällen in Deutschland durch die Nutzung digitaler Endgeräte im Auto mitverursacht wird. Von 2014 bis 2016 gab es einen plötzlichen starken Anstieg um 7,5 Prozent von 2,41 auf 2,58 Millionen. Die Zahl der Verletzten nahm dabei um 1,8 Prozent zu. Glücklicherweise ging die Zahl der Verkehrstoten in dem Zweijahreszeitraum um 5,3 Prozent auf 3.206 zurück.

Die Polizei stellt immer mehr Smartphone-Verstöße fest. In Nordrhein-Westfalen waren es 2016 rund 164.000, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei gibt es jedoch eine enorme Dunkelziffer. Oftmals kann die Polizei die Smartphone-Nutzung gar nicht erst feststellen, da der Autofahrer sein Gerät auf dem Schoß bedient, sodass es von außen gar nicht zu sehen ist.

Doch eindeutige Belege für den Zusammenhang zwischen Smartphone-Nutzung und steigenden Unfallzahlen gibt es bisher nicht. Die Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes weist Ablenkung nicht als Unfallursache aus. Nur wenige Bundesländer schlüsseln die Ablenkung durch Smartphone-Nutzung als gesonderte Unfallursache auf. So konnte Nordrhein-Westfalen 2015 gerade einmal 182 Fälle eindeutig feststellen. Denn selten lässt sich beweisen, ob vor dem Unfall ein Smartphone bedient wurde. Und nur bei schweren Unfällen und einem Anfangsverdacht dürfen Beamte das Gerät beschlagnahmen und auslesen lassen. Verkehrsexperten schätzen, dass etwa ein Drittel der Verkehrsunfälle auf Ablenkungen zurückzuführen ist und 12 bis 13 Prozent direkt auf Smartphone-Nutzung.

Als besonders gefährdet gelten Fahranfänger. Denn bei ihnen ballen sich die Risiken. Aufgrund mangelnder Fahrerfahrung und geringem Risikobewusstsein verursachen sie von jeher die meisten Verkehrsunfälle. Zugleich sind junge Menschen aber auch die stärksten Nutzer von digitalen Endgeräten.

Kein Wunder, dass derzeit eine Verschärfung der Straßenverkehrsordnung diskutiert wird. Diese verbietet es, Handys im Auto in der Hand zu halten. Smartphones, Tablets und E-Reader kennt die Straßenverkehrsordnung bisher gar nicht. Nun sollen nach Vorstellung des Bundesverkehrsministeriums alle digitalen Endgeräte von einem Nutzungsverbot erfasst werden. Das Bußgeld soll von bislang 60 auf mindestens 100 Euro erhöht werden. Bei Verkehrsgefährdungen soll es ein einmonatiges Fahrverbot geben.

Unfallverursachern, die sich von ihrem Smartphone haben ablenken lassen, drohen auch gravierende Folgen von ihren Versicherern. Die Kaskoversicherung kann die Schadensregulierung für den Versicherten ablehnen, wenn der Fahrer grob fahrlässig gehandelt hat.

Quelle: Goslar-Institut

 


Veröffentlicht am: 22.05.2017

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