Startseite  

23.08.2017

 

 

Werbung

 

Vorherigen Artikel lesen Nächsten Artikel lesen

 

Morgengruß von Helmut Harff: Privilegien

Nur keinen Neid

Dieser Tage durfte ich die Ostseeinsel Vilm besuchen. Das Eiland unweit der weißen Stadt Putbus ist in weiten Teilen völlig gesperrt. Hier überlässt man sich der Natur selbst. Besucher dürfen nur in geführten Gruppen die schon zu DDR-Zeiten gesperrte Insel betreten.

Damals ging es weniger um den Schutz von Vögeln, obwohl wahrscheinlich viele die Besucher der Insel für komische Vögel hielten. Seit Anfang der 1960er Jahre war der Vilm das Urlaubsrefugium der DDR-Minister. Deren Häuser stehen noch heute und sorgen immer wieder für lange Gesichter.

Warum? Es sind riedgedeckte, nicht allzu große Häuser. Nichts spektakuläres, nichts was sich auch andere DDR-Bürger landauf, landab gebaut haben. Ich kann mich an Häuser von DDR-Handwerkern und Künstlern erinnern, hinter denen die Bungalows der DDR-Minister ziemlich schäbig aussehen.

Und sonst? Auch sonst nicht viel von wirklichen Privilegien zu sehen. Keine Garagen - es gab keine Autos - kein Yachthafen und erst recht kein Hubschrauberlandeplatz. Die DDR-Bosse reisten mit dem Auto über holprige Straßen an und setzten mit einem Boot über. Das hat auch aus damaliger Sicht nicht viel mit Privilegien zu tun.

Ganz im Gegenteil: Urlaub mit Kollegen, mehr oder weniger kaserniert auf einer abgelegenen Insel - wenn das ein Privileg sein soll, verzichte ich gern darauf.

Lustig ist eine kleine Geschichte am Rande. Es wird immer wieder behauptet, dass SED-Chef Erich Honecker zu Besuch auf der Insel war. Doch sein Name taucht in keiner Gästeliste auf. Das ist kein Fehler sondern ein Zeichen von preußischem Geist. Honecker war zwar Partei- und Regierungschef aber eben kein Minister. Der Vilm war aber Erholungsobjekt der Minister. Folgerichtig steht dann im Gästebuch, dass die Volksbildungsministerin Margot Honecker mit Enkelin und Gatten angereist ist. Manchmal reichten nicht einmal die Privilegien eines Erich Honecker aus, dort Urlaub zu machen, wo er wollte. Doch wozu hatte er eine Ministerin zur Frau.

Privilegien, das ist ein großes Wort, hinter dem sich viel zu häufig nur eines verbirgt - Neid. Ich beneide auch im Nachhinein die DDR-Minister nicht um ihr gemeinsames Betriebsferienlager. 

Ich beneide alle, die heute mit Blick auf die Ostsee frühstücken können. Das konnten die DDR-Granden übrigens auch nicht. Die Urlaubsdomizile lagen vor fremden Blicken geschützt weit ab vom Ufer.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles und ausführliches  Frühstück in der Sonne. Genießen Sie dieses Privileg.

 


Veröffentlicht am: 16.06.2017

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

NewsletterNewsletter bestellen und abbestellen

TwitterFolge uns auf Twitter

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Hoch: Hoch zum Seitenanfang

Nächsten Artikel: lesen

Vorherigen Artikel: lesen

 

 


Werbung

 


Werbung

 


Werbung

 


Werbung

Neu auf genussmaenner.de


 

 
         
             
     
     
     

 

Service
Impressum
Kontakt
Mediadaten
Newsletter
Nutzungshinweise
Presse
Redaktion
RSS 
Sitemap
Suchen

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk
| Börsen-Lexikon
| fotomensch berlin - der Fotograf von genussmaenner.de
| Frauenfinanzseite
| Geld & Genuss
| geniesserinnen.de
| gentleman today - Edel geht die Welt zu Grunde
| instock
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

 

Rechtliches
© 2007 - 2017 by genussmaenner.de, Berlin. Alle Rechte vorbehalten.

Lesezeichen:
 Del.icio.us Google Bookmark Reddit