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Lieb und teuer

Was ich im Puff über das Leben gelernt habe

Zwei Jahre lang hat Ilan Stephani in einem Berliner Bordell als Prostituierte gearbeitet. Neugierig tastete sie sich – eine junge Frau aus gutem Hause – in diesen gesellschaftlich tabuisierten Bereich vor.

„Ich habe so viel gelernt, weiß so viel über die Welt, über Männer und Frauen und die Probleme, die wir miteinander haben – für dieses Wissen würde ich es wieder tun“, sagt Stephani über diese Zeit. In ihrem Buch „Lieb und teuer“, das sie mit ihrer Koautorin, der Journalistin Teresa Bäuerlein, am 12. Oktober 2017 bei Ecowin veröffentlicht, verbindet sie individuelle Erlebnisse und Situationen aus ihrem Alltag im Bordell mit Reflexionen über den Zustand der Gesellschaft.

Bei einem Frauenfrühstück der Prostituiertenorganisation „Hydra“ warf die damalige Tanzschülerin ihr Klischeebild vom gefallenen Mädchen über den Haufen – und heuerte, parallel zum Studium der Philosophie und Kulturwissenschaft, in einem Bordell an. Die Prostitution diente Ilan Stephani zwei Jahre lang nicht nur als Erwerbsquelle, sondern nachhaltig als Lebensschule. Ihre manchmal überraschenden, manchmal bitteren Erkenntnisse über Geschlechterrollen und unsere Ansprüche an das Leben teilt sie in ihrem Buch „Lieb und teuer“.

Die heutige Autorin und Körpertherapeutin berichtet darin offen, wie sie die Zeit als Prostituierte erlebte – von den Anfängen über positive Erlebnisse bis zu Übergriffen und schließlich dem selbstbestimmten Ausstieg. Stephani erzählt von den Reaktionen auf ihr „Job-Outing“, von überflüssigen Hilfsangeboten und taktloser Fanpost. Aber auch an hilfreiche Gespräche mit der Polizei erinnert sie sich, als den Sexarbeiterinnen praktische Informationen und Ansprechpartner vermittelt wurden.

Mit Entschiedenheit klärt das Buch über diverse Klischees zu Prostituierten als auch über Freier sowie über Sexmythen im Allgemeinen auf. Weitere Kapitel zeichnen Stephanis anschließenden Weg zu einer neuen Körperlichkeit jenseits der Rollenbilder nach – von Tantra bis Slow Sex.

Ilan Stephani wurde 1986 in Berlin geboren und wuchs in Niedersachsen auf. Zwei Jahre lang arbeitete sie in einem Wohnungsbordell. Parallel studierte sie Philosophie und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Heute ist Ilan Stephani verheiratet und arbeitet in Berlin als Körpertherapeutin und Autorin. Sie leitet Seminare für Frauen und bloggt über Sexualität und Freiheit.

Koautorin Theresa Bäuerlein ist eine deutsche Autorin und Journalistin. Sie lebte jahrelang in Tel Aviv. Ihre dortigen Erfahrungen verarbeitete sie in dem autobiografischen Roman „Das war der gute Teil des Tages“, der 2013 unter dem Titel „Hannas Reise“ mit Karoline Schuch fürs Kino verfilmt wurde. In „Tussikratie“ setzt sie sich gemeinsam mit Friederike Knüpling kritisch mit der Geschlechterdebatte in Deutschland auseinander. 2014 war sie Teil des Gründungsteams von „Krautreporter“. Sie lebt jetzt in Berlin.


Stephanis Buch wendet sich gegen die Opferrhetorik vom erniedrigenden Job und schließt mit einem Plädoyer gegen die mit dem 1. Juli 2017 in Kraft getretene Reform des Prostituiertenschutzgesetzes: gegen zusätzliche Regularien und für mehr praktische Hilfe für Prostituierte.

Ihre Analyse des Themas lässt weder die Schlussfolgerung zu, Sexarbeit sei eine Befreiung, noch dass sie zwangsläufig ein Sklavenmarkt sei. Vor allem, meint Stephani, ist Prostitution das Symptom einer verwirrten Gesellschaft. Würden wir sie endlich verstehen, ginge es allen besser – nicht nur im Bett.

Lieb und teuer
Autorin: Ilan Stephani
Verlag: Ecowin
Preis: 20,00 Euro
ISBN: 9783711001252
Erscheinungstermin: 12. Oktober 2017

 


Veröffentlicht am: 19.07.2017

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