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20.01.2018

 

 

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Weinland Italien

Erste Notizen über den Jahrgang 2017

In fast ganz Italien, gleichgültig ob es sich um Chardonnay, Aglianico oder Sangiovese handelt, ist es bald an der Zeit, die Pressen hervorzuholen und Vorbereitungen für die Lese zu treffen. Den Anfang macht die Toskana, wo das Fehlen von Niederschlägen in Winter und Frühjahr zu einer sehr komplexen Situation geführt hat.

Die Rebe ist eine tief wurzelnde Pflanze und daher leidet sie weniger als andere Pflanzen unter Trockenstress. Aber allmählich wird es auch im Weinbau kritisch und hier könnte einer der Gründe für eine vorgezogene Lese liegen. Hinzu kommt, dass als Folge des milden Frühlingswetters Austrieb und Blüte verfrüht einsetzten.

Nachfolgend einige kurze Kommentare aus den Anbauzone im Innern der Toskana und von der Küste, die sich alle um das Thema Trockenheit und Spätfrost Mitte April drehen.

Marco Fizialetti, Verkaufsdirektor von Castello di Querceto, Greve in Chianti: "2017 ist ein schwieriges Jahr, zuerst der Frost Mitte April, von dem unsere wichtigsten Rebflächen glücklicherweise dank ihrer Höhenlage nicht betroffen waren. Und dann der Mangel an Niederschlägen. Die Situation ist momentan nicht kritisch, die Pflanzen leiden nicht darunter und laut ihrer Wachstumsentwicklung könnte die Lese circa zwei Wochen früher beginnen. Sollte es jedoch von jetzt bis September nicht regnen, könnte es sicher kompliziert werden."

Alessandro Campatelli, Direktor und Önologe von Riecine, Gaiole in Chianti: "Ein Jahrgang, der viel Arbeit macht im Weinberg. Zur Unterstützung waren die Frühjahrsarbeiten von fundamentaler Bedeutung und ebenso wie die Vermeidung von Techniken wie Entlaubung und Ausgeizen, die den Pflanzen Schutz und Energie geraubt hätten. Ein ergiebiger Regen in der ersten Juliwoche hat den Reben mit einem Energieschub Vitalität zurückgegeben."

Giulio Carmassi, für den Weinbau Verantwortlicher auf Gagliole, Castellina in Chianti: "Als Teil ihrer DNA verfügen Reben und auch die Sangiovese über eine hohe Stresstoleranz gegenüber Trockenheit. Aber dieses Jahr haben wir mit einer um 50% geringeren Niederschlagsmenge in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahr fast das Limit erreicht. Die Verfärbung begann circa 15 Tage früher und in dieser Phase wäre Niederschlag äußerst wichtig, um die Anthocyane zu bündeln und den Reifeprozess in Gang zu setzen. Was soll ich sagen? Drücken Sie uns die Daumen, dass es regnet!"

Paola De Blasi, verantwortlich für die Weinproduktion von I Veroni, Chianti Rufina: "In einer Situation wie der aktuellen war vor allem die sorgfältige Laubarbeit sehr wertvoll mit dem regelmäßigem Ausgeizen und manueller Beschneidung der Ruten, die es erlaubte, nur die Primärblätter zu erhalten und damit die Wasserressourcen nur für diese zu verwenden. Bis zum aktuellen Zeitpunkt scheint die Vegetation verfrüht zu sein, aber da ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen. Es ist auch schwierig eine Prognose abzugeben, ob die Lese zum normalen Zeitpunkt erfolgen wird. Aktuell können wir noch hoffen, dass die wunderschönen und zahlreichen Traubendolden in unseren Weinbergen über die notwendigen Wasserressourcen für die Verfärbung und die Phenolreife verfügen."

Fabrizio Lazzeri, Weinbautechniker von Tenute Silvio Nardi, Montalcino: "Trotz der Trockenheit und der schwülen Hitze reagiert der größte Teil unserer Rebflächen gut, weil sie über tiefgründige Böden mit gutem Wasserreservoir verfügen. Die Reifung hat früher eingesetzt, die Beeren werden schon härter und die Ausdünnung der Trauben ist im Gang. Die Trauben sind klein mit schöner Form, die Beerengröße liegt in der Norm, das Gewicht ist geringer, die Schale gut und fest. Wahrscheinlich haben wir einen Vorsprung von circa 10/15 Tagen."

Simone Mariotti, Agronom der Tenuta di Trinoro, Val d'Orcia: "Der überdurchschnittliche Temperaturanstieg vollzog sich schrittweise und erlaubte es den Pflanzen so, sich daran anzupassen, auch wenn wir die Anzeichen für etwas Stress nicht verleugnen können. Aktuell können wir von einer um 10 Tage verfrühten Lese ausgehen, aber da ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen."

Stefano Di Blasi, beratender Önologe von Campo alle Camete, Bolgheri: "2017 wird als einer der trockensten Jahrgänge der letzten Jahre in die Geschichte eingehen. Glücklicherweise wurden unsere Rebfllächen auf tiefgründigen Böden angelegt, so dass die Wurzeln weit in die Tiefe dringen können auf der Suche nach Feuchtigkeit. Die Temperaturen liegen nicht sehr weit über dem Durchschnitt dank der Nähe des Meeres und der dadurch garantierten, konstanten Durchlüftung. Verfrühte Lese? Das kann ich noch nicht sagen, in den nächsten anderthalb Monaten werden die Würfel fallen."

Für das Trentino spricht Anselmo Guerrieri Gonzaga vom Weingut San Leonardo: "Unsere Weinberge leiden nicht unter der Trockenheit, die Trauben sind sehr schön und absolut gesund auch dank des Bioanbaus, der sich als wertvoll erweist bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus, der in diesem Jahr in unserer Region sehr heimtückisch ist. Die Aussichten für den Jahrgang 2017 sind im Trentino aktuell sehr gut mit einem korrekten Ausgewogenheit von Menge und Qualität, und die Lese wird gegenüber dem Durchschnitt leicht verfrüht beginnen."

Und zum Schluß Süditalien, wo sich ganz andere Szenarien bieten angefangen in Kampanien. Hier die Aussage von Pierpaolo Sirch, Agronom und CEO von Feudi di San Gregorio: "Was die Irpinia anbetrifft ist es schwierig von Verfrühung zu sprechen, es ist noch zu früh für Rebsorten, deren Lese im Oktober beginnt. Momentan haben wir ausgeprägte Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die kürzlich gefallenen wenigen Millimeter Niederschlag haben den Weinbergen im Verbund mit den kühlen Nächten (15-20 Grad) zu einer kleinen Abkühlung verholfen. Aber Feudi kann auch über Apulien sprechen mit seinen beiden Betrieben Cefalicchio in den Murge und Ognissole in der Gegend von Taranto. Obwohl die Weinberge über ein Bewässerungssystem verfügen - führt Sirch weiter aus - ist das Ausbleiben von Niederschlägen spürbar und die hohen Temperaturen verlangsamen die Funktionen der Pflanzen. Es gibt erste Anzeichen der Verfärbung, aber augenblicklich sieht es für uns noch nicht nach einem erheblichen Vegetationsvorsprung aus."

Und dann die Basilikata mit dem Vulture, Basilisco und Viviana Malafarina: "Ein wirklich anormales Jahr in unserer Gegend, wenig Schnee und noch weniger Regen mit Ausnahme einiger Niederschläge im April und Juni, letztere sogar ergiebig. Aber die Besonderheit des Vulture besteht in seinen Vulkanböden, die mit ihren Schichten aus Asche und Basalt die Feuchtigkeit bewahren, die dann während Trockenperioden kostbar wird. Bei den Reifezeiten liegen wir im Standard und erwarten für Mitte August die Verfärbung unserer Aglianico-Trauben."

Fazit aller Interviews war die Aussage, dass es nichts bringt, sich in etwas hineinzusteigern weder in schwierigen Jahren noch in Bilderbuchjahren, bevor die Trauben nicht im Keller angekommen sind.

Und manchmal ist auch das noch zu früh!

 


Veröffentlicht am: 19.07.2017

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