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18.08.2017

 

 

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Wo das Land zu Ende ist

Wanderung von Hooge nach Japsand

Gespannte Erwartung auf Hallig Hooge: Die Gruppe steht auf dem Deich, blickt auf die Nordsee – und sieht eine Insel? Dort, wo eigentlich nichts mehr ist. Ganz klar: Da draußen in der See erhebt sich etwas, das aussieht wie Land. „Von einer richtigen Insel sprechen wir nicht“, sagt Niclas von der Schutzstation Wattenmeer, „…eher von einer Sandinsel oder Düneninsel.“

Also doch; ganz zu Ende ist es hinter dem Deich noch nicht. Auf den riesigen Sandbänken, sie liegen wie Wüsten vor dem Wattenmeer, hat sich sogar schon erstes Leben angesiedelt. Eine ferne, fremde Welt und von Hooge aus darf man in geführter Gruppe hinüber zum Japsand, auf einen Außensand – ein geheimnisvoller Ort und faszinierend, denn hier kann man sehen, wie Neuland aus der Nordsee auftaucht.

Außensände sind Sandbänke vor der offenen See, die bei normalem Hochwasser nicht mehr untergehen – sie werden, wenn überhaupt, nur noch bei Sturmfluten (teilweise) überspült. Und sie sind in einigen Fällen bereits von Pflanzen besiedelt und von Vögeln sowie Seehunden als Lebensraum angenommen. Eine sonderbare Welt da draußen; Strömung und Wellen haben sie aufgeworfen und treiben sie auf die Halligen, Inseln und auf die Küste zu. Bis zu dreißig Meter pro Jahr können die Außensände wandern: In hundert Jahren könnte Hallig Hooge mit dem Japsand einen wunderbaren Sandstrand haben.

Diese Sände liegen vor der Küste aufgereiht; Jungnamensand ganz im Norden vor Amrum (und der Kniepsand ist schon auf die Insel aufgelaufen), dann dieser hier, die beiden riesigen Außensände Norderoog- und Süderoogsand weiter südlich. Vor St. Peter-Ording sind weitere bereits aufgelaufen und zu Traumstränden geworden, vor Dithmarschen liegen Blauortsand und die Insel Trischen. Verborgenes Gebiet und verboten meist dazu: Viele dieser Sände liegen in der Zone 1 des Nationalparks und dürfen überhaupt nicht betreten werden, andere nur auf einem genehmigten Korridor – und wenn überhaupt, dann (auch der eigenen Sicherheit wegen) im Rahmen professioneller Führungen.

Zuerst führt Niclas Niederdrenk, er verbringt seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Hooge, nach Südwesten. Es ist zweieinhalb Stunden vor Niedrigwasser und noch immer steht Wasser im Watt. Es weht ein kräftiger Wind, der die Pfützen kräuselt und die Sonne lässt es sonderbar glitzern. Es ist eine flirrende, überbelichtete Stimmung, als die Gruppe die Kante von Hooge verlässt und scheinbar Richtung Nirgendwo marschiert. „Wir gehen erst nach Südwesten und biegen dann nach Westen ab“, sagt Niclas, „die Direkte können wir nicht nehmen – da liegt zu viel Schlick und ein dicker Priel versperrt uns den Weg.“ Ein kleiner Priel und etwas Schlick liegt auch hier; gemeinsam hilft sich die Gruppe über dieses kurze Stück und marschiert über gut zu gehendes Watt gen Norden.

Wie ein Uhrglas erhebt sich in der Ferne der Japsand, sanft gewölbt und hell in der Sonne und scheint nicht näher zu kommen. Plötzlich ändert sich die Szene: Stapften die Füße bisher ins Wasser und auf Watt, weht hier ein Sandsturm. Es prasselt und prickelt über trockenes Land; gelbe, beige Sandfahnen wischen von Irgendwo nach Nirgendwo. Eine phantastische Atmosphäre und sehr sonderbare Erfahrung ist es, in der Nordsee einem Sandsturm, freilich einem kaum knöchelhohen, zu begegnen. Auch Niclas ist fasziniert. „Das ist hier draußen jedes Mal anders: nichts ist morgen so wie es gestern war – jeden Tag, jede Stunde sind die Stimmungen, das Licht und die Eindrücke anders!“

Als die Schritte eine gute Stunde später in die Muschelschalen klirren, ist der Japsand erreicht. Eine Pfostenreihe samt Verbotsschild zieht sich über den Sandrücken – der Nordteil ist erlaubt, der Rest das Reich von Seeschwalbe, Sandregenpfeifer und Co. „Außensände sind für den Naturschutz sehr wertvoll – hier können Vögel ungestört brüten und rasten. Und man kann die Entstehung einer Insel beobachten“, sagt Niclas und zeigt es: „Hinter jeder kleinen Erhebung setzt sich im Windschatten verwehter Sand ab – so entstehen überall winzige Dünen, die aufwachsen können.“ Und hier hat sich sogar schon Gras angesiedelt. Aber: Dieses, aus der Nordsee aufgetauchte Land, ist vielleicht nur ein befristetes Refugium. „Die Außensände wandern bis zu dreißig Meter pro Jahr“, weiß Niclas. Bestenfalls, mit allem was darauf wächst und lebt. Und wer weiß, vielleicht werden mal Inseln draus.

Eine Stunde Pause auf Japsand. Manche Leute legen sich in den Windschatten des eben erst entstandenen Stück Landes und lauschen dem Wind, wie er mit dem Sand singt. Genießen es, dort zu sein wo Menschen eigentlich nichts verloren haben, das exklusive Gefühl, als einer der ersten auf Neuland zu sein – oder einfach nur mal ganz weit weg vom Rest der Welt. Wo das Land zu Ende ist oder gerade anfängt zu existieren: An der Außenkante dröhnt die Nordsee auf den Japsand, hier ist wirklich Schluss. Auf dem trockengefallenen Vorland, fangen erste Sandzungen an zu fliegen und vereinigen sich bald zur knisternden Drift. Eine losgerissene Boje ist haltloser Spielball von Wind und Wellen hier draußen. Wie dieses kleine Stückchen Land hier draußen; heute hier und morgen fort.

Die Schutzstation Wattenmeer auf der Hallig Hooge bietet Wanderungen zum Japsand an. Um eine Spende von 6,- Euro pro Erwachsenen und 3,- Euro pro Kind wird gebeten. Dauer etwa 4 Stunden, davon 1 Stunde Aufenthalt auf dem Japsand. Wasser und Proviant sollten mitgenommen werden, eine gute Kondition wird vorausgesetzt. Die Wanderungen zum Japsand finden ganzjährig (im Winter mit Gummistiefeln) statt. Die ausstehenden Termine für 2017 sind: 12.08., 16.08., 31.08., 11.09., 16.09., 25.09., 29.09., 10.10., 25.10., 28.10., 11.11., 25.11., 09.12.

Weitere Tipps und Ideen für einen erlebnisreichen Urlaub an der Nordsee Schleswig-Holstein unter www.nordseetourismus.de.

Foto: Samson Fischer - Touristikbüro Hallig Hooge

 


Veröffentlicht am: 02.08.2017

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