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24.10.2017

 

 

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Büro-Trends im Wandel der Zeit

Wie sich unsere Office-Landschaft über die Jahrzehnte verändert hat

Die ersten Büros, also Räume, die ausschließlich für Schreibtischarbeit gedacht waren, kamen um 1800 als Kontore für Händler, Beamte oder Handwerker auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren immer noch nur drei Prozent aller Beschäftigten als Büroangestellte tätig, heute liegt der Anteil in Deutschland bei etwa 50 Prozent.

Die Entwicklung der Office-Landschaft wurde von verschiedenen Strömungen beeinflusst und hat sich oftmals an Ideen aus den USA orientiert. Der Arbeitsraum-Experte Steelcase beleuchtet die vier maßgeblichen Büro-Trends vom Großraumbüro, über das Homeoffice bis zur Digitalisierung und zeigt, dass auch Deutschland eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Trend 1: Großraumbüros und der Wunsch nach Effizienz

Wie keine andere Büroform steht das Großraumbüro für Effektivität, Produktivität und Flächeneffizienz. Um das Wirtschaftswachstum nach dem zweiten Weltkrieg zu meistern, hielten in den USA die offenen Bürostrukturen bereits Mitte des 20. Jahrhunderts Einzug. In Deutschland folgte diese Entwicklung erst einige Jahrzehnte später.

Heute stehen für Organisationen vor allem Fortschritt, Wachstum und Innovation im Fokus. Im Umkehrschluss investieren sie weiterhin in Großraumbüros, da diese kollaboratives und kommunikatives Arbeiten sowie gemeinschaftliches Lernen am besten unterstützen sollen. Der Trend zum Großraum hat sich in den USA bis heute wesentlich stärker durchgesetzt als in Deutschland: 50 Prozent der Amerikaner arbeiten in sogenannten „Open Spaces“, jedoch nur 25 Prozent der Deutschen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Deutschland im Unterschied zu den USA stark von bestehender Baustruktur geprägt ist: Die klassischen Verwaltungsgebäude mit langen Fluren und Einzelbüros hierzulande können erst nach und nach in Großraumbüros umgewandelt werden.

Trend 2: Repräsentative Chefbüros

Dass mit der Zunahme von Großraumbüros nach und nach alle Einzelbüros – und damit auch das repräsentative Chefbüro – verschwanden, ist ein Irrglaube. „Nach wie vor existiert in Unternehmen weltweit das Chefbüro, wobei der Status einer Führungskraft meist über die Größe des eigenen Büros definiert wird“, bestätigt Marc Nicolaisen, Director Customer Experience beim Büroexperten Steelcase: „Bei uns zog 1996 das Führungsteam aus den Einzelbüros in Open Spaces um, das war für damalige Verhältnisse eigentlich undenkbar. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung von unserem CEO James Hackett, um einen grundsätzlichen Wandel in der Führungskultur anzustoßen. Bis heute wird die Entscheidung von allen Führungskräften mitgetragen.“

Was Steelcase schon damals vorantrieb, wird erst heute gang und gäbe. Allmählich rückt eine neue Generation an Vorgesetzten nach, die in der Regel einen sehr modernen Führungsstil pflegt: Status und traditionelle Hierarchien stehen für die Millennials der Generation X und Y eher im Hintergrund, zunehmend wichtiger sind netzwerkbasierte Strukturen und informeller Austausch auf Augenhöhe.

Trend 3: Wohlbefinden im Büro

Nach mehreren Jahrzehnten, in denen (Flächen-)Effizienz als oberstes Maß der Dinge galt, entstand Anfang des 21. Jahrhunderts ein Gegentrend. Vor allem Arbeitnehmer und Unternehmen in Deutschland realisierten, dass Großraumbüros keine Pauschallösung für besseres Arbeiten sind. Sie begannen, ergonomische Gesichtspunkte stärker in den Vordergrund zu rücken. Eine entscheidende Rolle spielte auch der in dieser Zeit aufkommende Kampf um Fachkräfte: Um die besten Talente zu gewinnen und an sich zu binden, gestalteten Unternehmen ihre Räumlichkeiten wesentlich stärker als bisher unter dem Aspekt des Wohlbefindens.

Steelcase führte bereits 2005 eine Leadership Community mit abgeschlossenen Rückzugsorten sowie eine Vielfalt aus verschiedenen Räumen ein. Damit war der Büroexperte seiner Zeit weit voraus: In Amerika kam die Entwicklung aus Europa, den Menschen und dessen Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu rücken, erst etwa 10 Jahre später an. Hauptgrund war die Vielzahl an fest installierten Cubicals, die es nicht zuließen, flexibel neue Räume oder Rückzugsmöglichkeiten zu gestalten.

Trend 4: Homeoffice als Folge der Digitalisierung

Die nächste Trendwelle kam vor etwa 10 Jahren im Zuge der Digitalisierung auf: Als technische Helfer wie Smartphone und Laptops zunehmend mobiles Arbeiten ermöglichten, forderten immer mehr Mitarbeiter diese Freiheit und Flexibilität ein – das Homeoffice entstand. Trendsetter dieser Entwicklung waren die USA: Uninspirierende und beengte Großraumbüros erschwerten kreatives und innovatives Arbeiten, sodass die Menschen die Chancen der Digitalisierung verstärkt nutzten und ihre Arbeitsplätze regelmäßig nach Hause oder ins Café verlegten. Deutschland übernahm diese Idee mit der Zeit, hierzulande wird Homeoffice jedoch bis heute eher als Ergänzung gesehen, weniger als komplett neue Arbeitsform wie in den USA.

Wie sieht das Büro der Zukunft aus?

Im Büro der Zukunft wird der Einsatz von Technologien in den kommenden Jahren noch weit über bisherige Möglichkeiten hinausgehen: „Die Vernetzung von Mensch, Arbeitsort und Technologie wird dank Sensoren oder dem Internet of Things noch enger werden. Irgendwann ist das gesamte Unternehmen – vom Terminkalender über die Möbel, das Raumbuchungssystem, den einzelnen Mitarbeiter bis hin zum Konferenzraum – verknüpft und vernetzt“, prognostiziert Marc Nicolaisen. So wird das smarte Büro Nutzer und Organisationen bestmöglich in ihrem Tun unterstützen.

Eine grundlegende Veränderung beobachtet Steelcase auch im Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern: „Die Führungskraft wird mehr zum Coach, weniger zum fachlich inhaltlichen Tonangeber. Die Tendenz dazu ist in Deutschland und den USA gleichermaßen vorhanden – die Schrittlänge in den USA ist jedoch größer“, schätzt Marc Nicolaisen die aktuelle Entwicklung ein. Dieser Wechsel im Führungsstil ist eng verwoben mit dem räumlichen Umfeld: Erst das schwindende hierarchische Chefbüro und die Zunahme von offenen Bereichen, in denen sich Mitarbeiter unkompliziert austauschen und arbeiten können, macht eine netzwerkbasierte Zusammenarbeit mit flachen Hierarchien möglich. Dafür ist eine Vielfalt aus unterschiedlichen Räumen und Arbeitsmöglichkeiten notwendig – wie Steelcase es seit 2005 im eigenen Unternehmen und seitdem bei zahlreichen Kunden eingeführt hat.

Fotos: Steelcase

 


Veröffentlicht am: 10.08.2017

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