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22.10.2017

 

 

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Andorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2018

Schon die alte Römer kannten die Pflanze

Der Andorn ist außerhalb von Fachkreisen hierzulande nahezu unbekannt. Dabei gehörte der stattliche Lippenblütler (Lamiaceae) von der Antike bis weit in die Neuzeit zu den wichtigsten Arzneipflanzen Europas und ist auch aktuell keineswegs völlig aus der Heilkunde verschwunden.

Der Einsatz der Pflanze bei Katarrhen der Atemwege sowie bei Verdauungsbeschwerden ist bereits seit über 2000 Jahren dokumentiert. Auf Grund seiner herausragenden historischen Bedeutung und der umfangreichen Dokumentation seiner Wirkungen hat der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg den Andorn zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gewählt.
 
Andorn: Als Heilpflanze verbreitet

Andorn steht mit seiner kugeligen, vielblütigen Scheinquirlen zwischen Ackerminze und Melisse; die Blätter sind jedoch kleiner, rundlich bis herzförmig, und besitzen auf der Oberseite ein tief eingesenktes Nervennetz, während sie unten stark filzig behaart sind. Die unverzweigten Stängel werden bis zu 80 cm hoch. Er kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, findet sich in warmen und trockenen Regionen als Auswilderung aus dem früher weit verbreiteten Anbau als Heilpflanze auch nördlich der Alpen bis nach Südskandinavien.

Unter den Arzneipflanzen aus der Familie der Lippenblütler sticht der Andorn durch seine kräftigen Bitter- und Gerbstoffe hervor, während nur ganz wenig ätherisches Öl zu finden ist. Durchaus zutreffend urteilt deshalb der berühmte Abt und Dichter Walahfrid im 9. Jahrhundert: „Er duftet süß, schmeckt aber scharf.“
 
Medizinisch verwendet wird das Kraut, genauer die Blätter mit den Blüten und den oberen Teilen der Stängel. Neben den wirksamkeitsbestimmenden Bitterstoffen mit Marrubiin enthält das Kraut Phenylethanoiddrivate (u.a. Acteosid), sowie Flavonoide, Stickstoff-haltige Verbindungen (wie Cholin) und bis zu 7 % Lamiaceen-Gerbstoffe und Hydroxizimtsäuren, jedoch keine Rosmarinsäure. Ätherisches Öl ist nur in sehr geringer Menge vorhanden, was für Lippenblütler untypisch ist.
 
Andornkraut wirkt vor allem als Bitterstoffmittel. Es wirkt choleretisch, d.h. es hat eine den Gallenfluss-fördernde Wirkung, außerdem unterstützt es die Schleimlösung in den Atemwegen. Anerkannt ist der Einsatz bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen, aber auch bei Katarrhen der Atemwege insbesondere Bronchitis, Indikationen, die bereits seit über 2000 Jahren in Europa dokumentiert sind.

Die Pflanze kann als Tee zubereitet werden, als Fertigarzneimittel stehen ein Fluidextrakt in Form von Bronchialtropfen und ein Frischpflanzenpresssaft zur Verfügung.
 
Arzneipflanze mit großer historischer Bedeutung

Für die Wahl des Andorns zur Arzneipflanze des Jahres 2018 war die historische Bedeutung der Pflanze mit ausschlaggebend. Von der Antike bis weit in die Neuzeit hinein gehörte der Andorn zu den beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Nach Plinius dem Älteren (gest. 79 nach Chr.) war die Pflanze als „eines der vorzüglichsten Kräuter“ bekannt. Sie wurde vor allem bei Lungenerkrankungen und hartnäckigem Husten eingesetzt, aber auch bei Brüchen, Verstauchungen, Krämpfen und Erkrankungen der Sehnen. Der zeitgleich wirkende griechische Arzt Dioskurides nennt Schwindsucht, Asthma und Husten als die ersten Anwendungsgebiete.
 
Der bereits erwähnte Walahfrid Strabo preist den Andorn nicht nur bei „starken Beklemmungen der Brust“ sondern auch als schnelles Mittel gegen Giftanschläge, etwa durch böse Stiefmütter: „Sollten die Stiefmütter in feindseliger Absicht Gifte zubereiten und in das Getränk mischen oder Eisenhut zum Verderben in trügerische Speisen mengen, so vertreibt ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich eingenommen, die lebensbedrohenden Gefahren.“

Hildegard von Bingen empfiehlt eine Abkochung von Andorn, Fenchel und Dill mit Wein gegen starken Husten.
 
In allen einschlägigen Werken bis ins 18. Jahrhundert hinein werden zudem auch Ohrenschmerzen und Probleme bei der Geburt sowie Menstruationsbeschwerden unter den Indikationen angeführt.

Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich die Anwendung auf die schleimlösende Wirkung in den Atemwegen und auf Verdauungsprobleme. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts diskutierte man in Frankreich jedoch für etwa drei Jahrzehnte eine Wirkung bei Malaria.

Kulturgeschichtlich ist der Andorn eine hochinteressante Pflanze, die auch unter medizinischen Aspekten wohl zu Unrecht in Vergessenheit geriet. Neue Forschungen sind jedoch dringend erforderlich, um das Potential der Pflanze ausloten zu können. Was jedoch wohl nie wirklich geklärt werden wird, ist die Bedeutung des deutschen Namens; es ist völlig unklar, was Andorn, ohne Dornen (an-dorn) bei diesem Lippenblütler uns sagen soll.

Foto: Thomas Niedenthal

 


Veröffentlicht am: 22.09.2017

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