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Unter die Haut und bis zu den Lymphknoten

Warum Tätowierfarben gefährlich sein können

Tätowierungen sind eine Form der Körpermodifikation. Allein in Deutschland ist nahezu jeder Zehnte tätowiert. Eines der wichtigsten Auswahlkriterien des Tattoo-Studios sind die hygienischen Zustände. Dabei möchte man sicherstellen, dass sterile Nadeln verwendet werden, die noch nicht benutzt wurden. Fast niemand legt großen Wert auf die chemische Zusammensetzung der Farbe. Warum aber genau das so wichtig ist, zeigen neuere Untersuchungen.
 
Das geht unter die Haut

Die Tattoofarbe, die von Tätowierern verwendet wird, besteht üblicherweise aus organischen Farbstoffen, kann jedoch auch Konservierungsmittel und Metallbelastungen mit Mangan, Kobalt, Chrom und Nickel enthalten. Das Gefährliche daran: Weil die Farbpigmente nicht dauerhaft in der Haut bleiben, sondern sich in Form von Partikeln durch den Organismus bewegen, können sie sich u. a. in den Lymphknoten ansammeln.  

Viele bunte Farben…

Die Sicherheitskriterien von Tätowierfarben wurden bislang nur im Rahmen ihrer Zusammensetzung diskutiert. So enthält Schwarz beispielsweise Kohlenwasserstoffe, von denen einige im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. In gelben Farbstoffen wurden Spuren von Cadmiumsulfit gefunden, ebenfalls eine kritische Verbindung. Gesundheitsgefährdendes Quecksilber und karzinogenes Kobalt konnten in roter und grüner Farbe ausfindig gemacht werden.

Wissenschaftler vom Bundesinstitut für Risikobewertung haben die wandernden Pigmente genauer untersucht. „Wir wissen nicht, ob es sich um eine Nano- oder Mikropartikelmigration handelt. Nanopartikel können sich anders verhalten als die Mikropartikel und aus diesem Grund wissen wir nicht, wie der Körper mit Nanopartikeln umgehen kann“, so Bernhard Hesse vom European Synchrotron in Grenoble.
 
Eine Frage der Größe

Mit Hilfe eines Röntgenfluoreszenz-Spektrometers konnten die Forscher feststellen, dass das Titandioxid in Form von Mikro- und Nanoformen im Körper wandern kann. Während kleine Partikel von TiO2 in der Haut in Mikrogrößen gefunden wurden, wurden nur Nanopartikel in die Lymphknoten aufgenommen. Das Gefährliche daran: In diesen Größenordnungen erhalten Stoffe und Verbindungen oft völlig neue chemisch-physikalische Eigenschaften. Dies führte zu einer chronischen Vergrößerung der Lymphknoten. Anschließend untersuchten die Forscher den Zustand des Gewebes in der Nähe der Farbstoffpartikel mit Hilfe eines Fourier-Spektrometers.

Die Untersuchung ergab, dass sowohl die Migration als auch die Langzeit-Gewebe-Exposition gegenüber pigmentierten Toxinen zu unerwünschten Reaktionen führen kann. Im nächsten Forschungsstadium wollen die Wissenschaftler die chemische Zusammensetzung von Pigmenten mit der spezifischen Gewebereaktion untersuchen.

Foto: Silvia Koerner(flori)/pixelio.de
Quelle: medicalpress

 


Veröffentlicht am: 25.09.2017

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