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25.11.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Genießen oder fotografieren

Geht beides?

In einem Artikel in der NZZ vom 21.10 2017 las ich den Satz: „Genießen Sie doch einfach den Sonnenuntergang, statt ihn zu fotografieren“. Nicht fotografieren? Was soll das, schließlich haben wir doch alle ein Handy mit Kamera dabei. Schließlich wollen wir doch gleich unsere Fotos in den sozialen Netzwerken posten und danach ein Fotobuch erstellen. Was soll also dieser Satz?

Ich finde, der Autor Rolf Dobelli hat völlig recht. Mich erinnert diese Fotomanie an Fernsehaufzeichnungen von Veranstaltungen oder von Theateraufführungen. Bei diesen Aufzeichnungen bekommt man immer nur die Ausschnitte mit, die von den Kameras eingefangen werden. In der Totale sieht man fast nichts, in den Nahaufnahmen eben nur das was der Kameraausschnitt zulässt. Was noch im Saal oder auf der Bühne passiert, wie die Menschen um einen herum reagieren, davon zeigen die Kameras nicht. Es bleibt eben nur das, was die Kamera eingefangen und die Regie frei gegeben hat.

Mich erinnert der Satz aber auch an die Menschen, die mit einem Audioguide in einer Ausstellung, in einem Museum unterwegs sind. Sie werden nur die Exponate betrachten, die ihnen über die Kopfhörer (hoffentlich gibt es die) angeboten werden. Ausstellungsstücke, die vom Audioguide als zu unwichtig eingestuft und nicht besprochen werden, bleiben einfach unbeachtet. Ich frage mich immer wieder, warum die Ausstellungsmacher überhaupt Dinge präsentieren, die so unwichtig sind, dass sie vom Audioguide nicht besprochen werden.

Was das mit dem eingangs zitierten Satz zu tun hat? Wer nur mit der Kamera vor den Augen rumläuft, sieht auch nur Ausschnitte, nicht das Große und Ganze. Wer einen Sonnenuntergang nur aus der Sicht seiner Kamera sieht, kann ihn nicht genießen. Er will das tolle Bild, nicht den Augenblick. Den kann er zwar festhalten, aber eben nicht genießen.

Ich kenne das selber von vielen Veranstaltungen, von vielen Modeevents, auf denen ich mit meinem wirklich tollen Fotografen Günther unterwegs war. Der steht mit der Fotografenmeute am Ende des Laufstegs, des Catwalks, und wartet auf die Models und darauf, dass die gut posen und in die Kamera sehen. Dabei entstehen seltenschöne Fotos. Doch von der Atmosphäre des Events, davon, wie Promis, wie das normale Publikum reagiert, bekommt er maximal etwas am Rande mit.
 
Das geht auch denen so, die meinen, alles fotografieren zu müssen. Sie haben viele Fotos, sie haben viel zu viele Fotos gepostet, die im besten Fall sogar den einen oder anderen interessieren. Sie haben nur viel weniger gesehen und erlebt, als diejenigen, die die Welt nicht nur durch ein Objektiv sehen.

Ich möchte mein Frühstück nicht fotografieren, ich möchte es genießen. Ohnehin kann kein Foto vermitteln, wie der Kaffee schmeckt, wie frisch das Ei ist. Das kann man nur schmecken und riechen. Genuss ist eben nichts, was man fotografieren kann. Das gilt auch für einen Sonnenuntergang.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Sonntagsfrühstück. Genießen Sie nicht nur das, sondern jeden Augenblick.

 


Veröffentlicht am: 25.10.2017

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