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25.11.2017

 

 

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Aufgespießt: Amen

Kirchenbesuchsgedanken

(Helmut Harff/Chefredakteur) Am Sonntag-Vormittag machte ich etwas, was in meinem Land-Büroort, einem Lausitzer Dorf, nur einmal im Monat möglich ist. Ich machte mich auf, in der schönen Dorfkirche einen Gottesdienst zu besuchen.

Die Idee hatten nicht viele, so dass ich eingehend gemustert wurde. Das war nicht verwunderlich, denn ich war der einzige Mann und mit meinem schon 62 auch das Küken. Die meisten der anwesenden Damen hätten meine Mütter sein können. Ja, damals bekam man sein erstes Kind mit 18, nicht mit 38.

Ich wage zu behaupten, die meisten Damen konnten selbst mit einem Hörgerät kaum verstehen, was die Pastorin predigte. Sie sprach so leise, dass sie kaum die Geräusche der Holzwürmer im Gebälk - oder was da immer zu hören war - übertönte. Wobei, die Damen haben nicht viel verpasst. Die Dame in Talar, unter dem die Nike-Turnschuhe hervor sahen, beklagte die Schlechtigkeit der Welt - nein, sie wiederholte nicht wortwörtlich die Nachrichten - und schaffte es dennoch etwas von der frohen Botschaft zu erzählen. So genau habe ich das nicht verstanden. Not, Krieg, Elend und was es sonst noch so an Themen gibt mit der frohen Botschaft zu verknüpfen ist für mich in etwa so, als ob man eine Weinprobe bei den Anonymen Alkoholikern veranstaltet.

Anonym ist ein gutes Stichwort. Wenn ich mich nicht irre, kannte die Pfarrerin wohl den größten Teil der Gottesdienstbesucherinnen nicht. Kaum ein persönliches Wort am Ausgang, immerhin aber einen fester Händedruck. Ich wollte noch mit der geistlichen Frau über ihre aus meiner Sicht wenig geistreiche Predigt reden. Da zeigte sich, warum sie Turnschuhe trug, denn sie eilte mit dem Hinweise auf naheliegende Termine schnellen Schritts zu ihrem Auto. Ich blieb mit dem Gedanken zurück, ob das wirklich im Lutherjahr die real existierende evangelische Kirche im Reformationsland Brandenburg ist. Liebe Landesregierung, wenn das wirklich so ist, schafft schnell noch den Reformationstag ab. Wenn in die Kirche - so wie ich es erlebte - nur Rentnerinnen gehen, macht ein Feiertag doch gar keinen Sinn.

Der würde nicht einmal einen Sinn machen, wenn die neun Gottesdienstbesucher - so viele waren es außer mir - erst dreißig Jahre alt gewesen wären. Diese Zahl vor Augen überlegte ich auf dem Heimweg, warum die Kirche so leer war. In dem Dorf mit seinen 1.200 Einwohnern haben rund 30 Prozent (bei normaler Wahlbeteiligung von gut 70 Prozent) die AfD gewählt. Die Partei hat sich ja auf die Fahnen die Bewahrung des Abendlandes geschrieben. Das Abendland ist aber ein christlich geprägtes Land. Nun verstehe ich nicht, warum jemand, der das Abendland vor der Islamisierung schützen will, nicht in die Kirche geht. Ich verstehe erst recht nicht, warum AfD-Wähler nicht mit ihren Kindern in die Kirche gehen. Warum sie sollten? Weil hier im Gegensatz zu staatlichen Kitas und Schulen die Chance besteht, etwas von Christentum zu erfahren, etwas von Gott zu hören, Gott zu Ehren zu singen. Gut, das funktioniert nur, wenn die Pastorin sich Mühe bei ihrer Predigt gibt und lauter spricht als ein Holzwurm nagt.

Doch wenn wieder jeden Sonntag hundert oder mehr Leute in die kleine Dorfkirche gehen, alle AfD-Wähler Kirchensteuer zahlen, dann gibt es auch bald wieder tolle Gottesdienste - und das jeden Sonntag. Nur zur Klarstellung, auch alle anderen Wähler und die 30 Prozent, die ihre Stimme nicht hergaben, sollten zumindest hin und wieder in die Kirche gehen. Niemand -nicht der Einzelne noch wir alle - leidet garantiert nicht darunter.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort an all die, die am Sonntag vor dem Berliner Reichstag gegen die AfD und ihre gewählten Abgeordneten demonstrierten: Wieso laden sie die selbst ernannten Bewahrer des Abendlandes nicht in den Berliner Dom zu einem Gottesdienst ein? Dann kommen die und sie auch einmal in den Genuss, einen Gottesdienst zu besuchen.

 


Veröffentlicht am: 25.10.2017

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