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Morgengruß von Helmut Harff: Es ist fast vorbei

Ich rede vom Lutherjahr

Heute soll nun der Höhepunkt des Lutherjahrs sein. Heute vor 500 Jahren soll der Mönch und Universitätslehrer Martin Luther seine 95 Thesen vorgestellt haben, um einen Disput über die scholastische Theologie unter seinen Mitdozenten anzuregen. Doch die Thesen waren schon vorher bekannt.

Soviel zu dieser immer wieder falsch kolportierten Historie. Falsch ist mit Sicherheit auch, dass Luther der Vater, zumindest der alleinige Vater dessen war, was wir heute so gern als Reformation der Kirche bezeichnen. Da gab es weit vor ihm unter anderem Jan Hus, aber auch Philipp Melanchthon, Thomas Müntzer, Johannes Bugenhagen, Huldrych Zwingli oder Johannes Calvin, um nur einige zu nennen.

Auch zeigt sich bei näherem Hinsehen, dass Luther mit seinem Kampf gegen den Ablasshandel zumindest seinem Landesherren mehr als in die Karten spielte. Der war nämlich alles andere als erfreut darüber, dass das Geld, mit dem man sich angeblich vom Fegerfeuer frei kaufen konnte, außer Landes ging. Viel Gold und Silber war so für ihn verloren. Da kam der Mönch mit seinen Predigten gegen den Ablasshandel gerade recht. Er war ein willkommenes Werkzeug. Ob er sich dessen bewusst war? Darüber war auch im Lutherjahr nicht viel zu lesen und zu hören.

Viel mehr beschäftigte man sich dagegen mit dem Judenhasser Luther. Er war ein Mönch, ein Mann der Kirche und die nahm es den Juden schon 1.500 Jahre mehr als krumm, dass sie Christus ans Kreuz nageln ließen. Doch Luther – zumindest habe ich nichts darüber gehört – rief nicht zum Mord an Juden auf. Allerdings war er – wieder Sohn seiner Zeit – der Ansicht, dass man Hexen (jede vierte Hexe soll ein Mann gewesen sein) töten müssen. Auf www.evangelisch.de fand ich diese Lutherzitat: "Sie schaden vielfaltig, also sollen sie getötet werden, nicht allein, weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben" (WA 16,552,22f)“. Auch davon habe ich im Lutherjahr nur andeutungsweise mal etwas Läuten gehört.

Und sonst? Was folgte der Veröffentlichung der 95 Thesen durch Luther? Die Auflösung der Klöster, die alles andere als friedlich verlief. Es wurden unzählige Kunstwerke zerstört, die weltlichen Herrscher bereicherten sich skrupellos am Kirchenvermögen und schlugen die kirchlichen Liegenschaften ihren eigenen zu. Das ließ sich die Papstkirche und die ihnen treu ergebenen Königen und Fürsten nicht gefallen. Kriege, allen voran der 30jährige Krieg, sorgte für eine bis dahin kaum vorstellbare Zerstörung gerade auf dem Territorium, was heute als Deutschland bezeichnet wird.

Nun kann man ja Luther viel unterstellen, aber dass er Ausplünderung der Kirche, dass er Kriege, Mord und die Verwüstung ganzer Landstriche wollte, kann man ihm nun wirklich nicht nachsagen. Doch hat er nie darüber nachgedacht, was er und die, die man heute Reformatoren nennt, da angezettelt haben? Wenn man eine Lehre aus dem Tun von Luther ziehen kann, dann die, dass immer größte Vorsicht geboten ist, wenn Herrschende aufrührerische Ideen so toll finden.

Und heute, und 2017? Da wird Martin Luther fast wie ein Heiliger gefeiert. Da gibt es Festschriften, Filme, Bücher und Radiobeiträge in Hülle und Fülle. Da gibt es Lutherstädte, Luther-Nudeln und Luther-Quietscheenten. Doch was passiert in der evangelischen Kirche? Waren im Lutherjahr die evangelischen Kirchen offen, gab es überall jeden Sonntag Gottesdienste? Strömten die Leute in die Kirchen? Gab es massenweise Eintritte? Ich habe davon nichts mitbekommen, nichts erlebt, nichts erfahren. Bevor ich heute anfing zu schreiben, habe ich gegoogelt. Ich wollte wissen, ob irgendwo darüber berichtet wurde, dass viele im Lutherjahr den Weg in die Kirche oder den Weg zurück in die Kirche gefunden haben. Ich fand nichts.

Was ich leider weiß ist, dass selbst heute in vielen evangelischen Dorfkirchen die Türen geschlossen bleiben. In einer Zeitung las ich, dass man eine Dorfkirche wieder hergerichtet hat und die nun wieder wunderschön anzusehen ist. Allerdings soll es in dem Gotteshaus nur noch viermal im Jahr einen Gottesdienst geben. Ansonsten treffen sich dort die Freiwillige Feuerwehr, die Jäger und wen es dort noch so gibt. Dafür sollen dann die Kirchenbänke in die Ecke gestellt werden.

Sieht so unser so gern beschworenes christliches Abendland aus, ist das die so gern bemühte deutsche Leitkultur? Das hat Luther garantiert nicht gewollt und das hat er auch nicht verdient.

Ich wende mich jetzt wieder irdischen Genüssen zu und frühstücke.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück und den heutigen Feiertag, den wir allein Luther verdanken.

 


Veröffentlicht am: 31.10.2017

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