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Morgengruß von Helmut Harff: Sprachkompetenz

Beobachtungen am Rande

Gestern war ich zu einem Waliser Abend in Berlin eingeladen. Uns wurde dieser Teil des Vereinigten Königreiches in einem trendigen Restaurant präsentiert. Die Waliser, die zu den Kelten gehören, bezeichnen ihr Land selber als Cymru.

Als Kelte spricht man in Wales nicht nur englisch, sondern auch walisisch beziehungsweise kymrisch. Da verwundert es nicht, dass auch das Englisch anders klingt, als wenn es ein Oxford-Absolvent spricht. Man muss sich das so vorstellen, als wenn ein Bayer englisch spricht. Das versteht sicherlich auch nicht jeder Waliser gut.

So ging es sicherlich nicht nur mir. Das walisisch gefärbte Englisch war nicht einfach zu verstehen und ich sah häufiger in etwas ratlose Gesichter, Gesichter von Menschen, die sicherlich besser englisch sprechen als ich. Doch niemand fragte nach, ich auch nicht. Niemand wollte sich wohl die Blöße geben, nicht perfekt Englisch sprechen zu können.

Dann brachte der Wirt einen Gang des leckeren Essens und wollte erklären, was da auf dem Teller liegt. Er zählte auf und meinte „… und Onions”. Er weiter: „Wie heißt das nur auf deutsch? Ich spreche inzwischen so viel englisch, dass mir das Wort auf Deutsch nicht mehr einfällt“. Alle wussten selbstverständlich, dass er die Zwiebel meinte.

Mir stieß in der Situation auf, dass wir uns immer mehr von unserer eigenen Sprache entfernen. Das passiert sicherlich in Städten mehr als auf dem Lande. Doch ich erlebe es immer wieder, dass sich Leute auf Englisch unterhalten, die es auch gut auf Deutsch könnten. Mir passiert es auch immer wieder, dass ich in Gaststätten, aber sogar in Geschäften zuerst auf Englisch angesprochen werde und mich erst als deutschsprachig outen muss, um in meiner Muttersprache reden zu können. Immer häufiger passiert es allerdings, dass die Bedienung oder der Verkäufer gar kein Deutsch spricht.

Nun bin ich der Letzte, der Fremdsprachen verteufelt, auch wenn ich das genaue Gegenteil von einem Sprachgenie bin. Doch wenn immer mehr Menschen eher Dickens als Goethe im Original lesen können, dann finde ich das bedenklich. Noch bedenklicher wird es, wenn weder die Deutsch- noch die Englischkenntnisse soweit reichen, Literatur nicht nur zu lesen, sondern auch wirklich zu verstehen.

Ich sehe es auch mehr als kritisch, wenn wir unsere eigene Sprache vernachlässigen. Sprache ist ein wichtiger Baustein für die eigene Identität, sie ist unabdingbar für den Umgang mit der eigenen Kultur. Haben vielleicht so viele Menschen Probleme mit offiziellen Schreiben, mit Fragebögen von staatlichen Stellen und Unternehmen, weil sie die eigene Sprache nicht mehr richtig sprechen und lesen können, weil ihnen das Englische, was viel zu häufig eher ein Deglisch ist, näher ist?

Noch mal: Ich habe nichts dagegen, dass man Fremdsprachen spricht. Das ist toll und ich bewundere jeden, der drei oder mehr Sprachen beherrscht. Doch das kann und darf kein Grund sein, die eigene Sprache zu vernachlässigen.
 
Bei mir gibt es wieder ein ganz internationales Frühstück, mit Baguette, arabischem Kaffee, Schweizer Käse, Gelee aus England und Butter aus Irland. Das Ei stammt von glücklichen Hühnern, die auf deutsch gackern.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 23.11.2017

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