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»Leben ist Glühn« Der deutsche Expressionist Fritz Ascher

Sonderausstellung im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim

Viele Künstler sind mit ihrem Werk infolge der Diskriminierung, Unterdrückung und Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime in Vergessenheit geraten.

Dazu zählt auch der spätexpressionistische Künstler Fritz Ascher (1893–1970). Sein Schicksal steht exemplarisch für zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der sogenannten „verlorenen Generation“, deren Karrieren 1933 abrupt unterbrochen und beendet wurden.

Den Großteil seines Lebens verbrachte der in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsene Fritz Ascher in Berlin. Bereits 1933 war er als »politisch verdächtiger« und als »entartet« geltender Künstler, zudem mit jüdischem Hintergrund, Verfolgungen ausgesetzt. Diesen versuchte er sich durch mehrfachen Wohnortwechsel in Berlin, Steinstücken und Neubabelsberg zu entziehen. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde Ascher in Potsdam inhaftiert und an das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt. Nach erneuter Haft in Potsdam kam er 1939 unter Auflagen frei. Im Juni 1942 entging er der drohenden Deportation, in dem er sich in einer Villa in Berlin-Grunewald versteckte. In diesem Berliner Ortsteil lebte er auch nach 1945, gezeichnet von den traumatischen Erfahrungen und fast gänzlich von der Gesellschaft zurückgezogen, bis zu seinem Tod 1970.

125 Jahre nach seiner Geburt stehen die Kunst und Biografie Fritz Aschers im Zentrum einer umfassenden monografischen Werkschau. In Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Gouachen und in Gedichten entwickelte er eine starke und einzigartige künstlerische Stimme. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Fritz Ascher Gesellschaft für Verfolgte, Verfemte und Verbotene Kunst (Fritz Ascher Society for Persecuted, Ostracized and Banned Art, Inc., New York) und wird durch viele private Leihgaben aus dem In- und Ausland ermöglicht. Sie umspannt Aschers Werk von ersten Studienzeichnungen über expressive Figurenkompositionen der Weimarer Republik bis zu seinen späten Naturdarstellungen nach 1945. Den Gemälden und Grafiken sind seine Gedichte, die er in der Zeit der Verfolgung und Isolation des Verstecks schrieb, gegenübergestellt.

Nach Stationen im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück und im Museum Gunzenhauser in Chemnitz wird die Retrospektive vom Museum Charlottenburg-Wilmersdorf und vom Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte gemeinsam und zeitparallel gezeigt. Liegt in Potsdam der Fokus stärker auf dem Frühwerk und auf seiner Potsdamer Zeit mit ständig wechselnden Wohnorten, so intensiviert die Ausstellung in der Villa Oppenheim den Blick auf die späten Jahre. Im Zentrum stehen hier die Zeit seines Verstecks und die nach 1945 entstandenen Landschafts- und Naturbilder, in denen Ascher eine ganz eigene künstlerische Ausdruckskraft fand.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Fritz Ascher Gesellschaft für Verfolgte, Verfemte und Verbotene Kunst, Inc., New York (Fritz Ascher Society). Initiatorin und Hauptkuratorin der Retrospektive ist Rachel Stern, CEO der Fritz Ascher Society. Die Ausstellung in der Villa Oppenheim wurde von Dr. Sabine Witt, Leiterin des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf, kuratiert.

Die Ausstellung »Leben ist Glühn. Der deutsche Expressionist Fritz Ascher« steht unter der Schirmherrschaft der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Prof. Dr. Monika Grütters.

Zur Retrospektive hat die Fritz Ascher Society die Begleitpublikation »Der Expressionist Fritz Ascher. Leben ist Glühn« herausgegeben (Wienand-Verlag Köln 2016, 292 Seiten, zahlreiche Abbildungen).
Der Katalog ist in der Villa Oppenheim zum Museumspreis von 29,00 € erhältlich.

Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm begleitet. Darüber hinaus bietet das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf öffentliche Führungen für Einzelbesucher und Gruppenführungen (Termine nach Absprache) an. Für Kinder und Jugendliche (ab 6 Jahren, Grundschulen und Sekundarstufe I und II) gibt es ein spezielles Bildungs- und Vermittlungsprogramm.

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim
Schloßstraße 55 / Otto-Grüneberg-Weg
14059 Berlin
museum@charlottenburg-wilmersdorf.de
www.villa-oppenheim-berlin.de
Information und Buchungen: 030. 9029 24 106

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 10–17 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage 11–17 Uhr
Am 24.12.2017, 31.12.2017 sowie 1.1.2018 geschlossen

Eintritt frei
Zugang barrierefrei

Bild:
Fritz Ascher: Sonnenuntergang
1962, Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm
Privatsammlung
Foto: Malcolm Varon

 


Veröffentlicht am: 01.12.2017

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