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Morgengruß von Helmut Harff: Zahlenspiele

... ohne Zahlen

Sie haben es gestern sicherlich auch gehört oder gelesen: Die Zahl der Rentner, die Lebensmittel für ganz kleines Geld oder völlig kostenfrei von der Tafel holen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt - auf rund 350.000.

Das ist alles andere als ein gutes Zeichen. Nur wurde auch gemeldet, dass die Zahl der alten Tafelbesucher seit 2007 von 12 auf 24 Prozent derjenigen gestiegen ist, die sich bei der Tafel mit Lebensmittel versorgen. Was heißt das aber nun? Das heißt erst einmal nicht mehr und nicht weniger, als dass der Anteil der Rentner an den Tafelbesuchern sich verdoppelt hat. Doch heißt das auch, dass es wirklich mehr Rentner sind, als vor 10 Jahren? Kann sein.

Doch wie ist das? Von der Tafel werden nur wirklich bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Nun geht aber aus der Meldung überhaupt nicht hervor, ob auch diese Zahl gestiegen ist. Das kann angesichts der seit 2007 deutlich gesunkenen Arbeitslosenzahlen von damals 9 Prozent auf jetzt 5,7 Prozent wohl bezweifelt werden. Doch was sagen dann die Zahlen, wo nach der Anteil der Rentner an den Tafelbesuchern von 12 auf 24 Prozent beziehungsweise rund 350.000 Personen gestiegen ist? Nichts weiter, als dort steht.  Rund 350.000 Rentner gehen zur Tafel und das sind 24 Prozent aller, die die segensreiche Hilfe der Tafel nutzen müssen. Wie viele Rentner das mehr als 2007 das in realen Zahlen sind, sagen die Zahlen mit keiner Ziffer.

Genau diese Zahl, aber auch die Entwicklung der Zahl der Armen, die die Tafel überhaupt aufsuchen müssen, wollte ich wissen und schrieb die Pressestelle der Tafel an. Leider bekam ich bisher keine Antwort.

Wieso mich das überhaupt interessiert? Weil  hier mit irgendwelchen Zahlen operiert wird, mit denen man etwas beweisen will, was sich aus meiner Sicht nicht so beweisen lässt. Die Steigerung einer Prozentzahl sagt nichts über die Steigerung in realen Zahlen aus. Die kann gestiegen, aber auch gesunken sein. Es ist also keinerlei Beweis dafür, dass die Zahl der armen Rentner, die zur Tafel gehen, sich in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich verdoppelt hat.

Doch so eine gesellschaftlich sehr relevante Aussage kann und darf man nur dann treffen, wenn sie auch einer kritischen Hinterfragung stand hält. Man stelle sich vor, eine Organisation würde feststellen, dass 2017 „nur“ halb so viele Soldaten gefallen wären wie 2007 und daraus den Schluss ziehen, dass die Zahl der Kriege sich in diesem Zeitraum halbiert hätte. Niemand würde das drucken oder senden.

Arme Rentner passen da besser ins Bild. Das bringt man lieber. Doch was passiert? Man spielt denjenigen in die Hände, die so gern von Lügenpresse sprechen. Das ist schlecht für die Presse, für die Tafel und vor allem für die Betroffenen – die Armen und die armen Rentner in unserem Land. Die brauchen ohne jede Horrormeldung unser aller Hilfe.

Hier mal ein Danke an all die, die die rund 900 Tafeln am Leben erhalten – mit ihrem Engagement und ihren Spenden. Ich hoffe, dass es einem der reichsten Länder sehr schnell gelingt, diese Tafeln – die ein Schlag in unser aller Gesicht sind – überflüssig zu machen. Dass Menschen diese Form der Hilfe überhaupt in Anspruch nehmen  müssen, das ist unchristlich.

Mein Frühstück nicht beim Bäcker, sondern von der Tafel holen zu müssen – das möchte ich mir nicht einmal vorstellen.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 22.12.2017

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