Home | Kontakt | Newsletter | | Suchen | Sitemap | Impressum | Nutzungshinweise | Mediadaten | Presse | Redaktion

   
 

26.04.2018   

 

 

Harff trifft: Rolf Frieling von der MID Motorrad Initiative Deutschland

Motorrad und moderne Verkehrslösungen – geht das?

Bereits zum neunzehnten Mal schreibt die MID – Motorrad Initiative Deutschland e.V. ihren Preis „Die motorradfreundliche Stadt in Deutschland“ aus. Auch in 2018 soll wieder eine Stadt, eine Gebietskörperschaft oder eine Behörde dafür geehrt werden, daß sie sich mehr als andere für motorisierte Zwei- und Dreiradfahrer einsetzt.

Genussmaenner.de-Chefredakteur Helmut Harff sprach mit Rolf Frieling, 1. Vorsitzender der MID, über die Schwierigkeiten von motorisierten Zweiradfahrern und der MID-Auszeichnung.

Die Motorrad Initiative Deutschland e.V. sucht „Die motorradfreundliche Stadt in Deutschland“. Wer oder was ist eigentlich die MID und wen vertreten Sie?
Rolf Frieling:
Die MID ist das Koordinierungsgremium der deutschen Motorradfahrerverbände. Sie war ursprünglich gedacht als „runder Tisch“ der Verbände, ist aus rechtlichen Gründen aber kurz nach dem Start ein eingetragener Verein geworden. Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 werden in der MID gemeinsame Positionen der Fahrerverbände zu motorradpolitischen Themen abgestimmt und die politische Arbeit der Verbände koordiniert. Die MID ist des weiteren Plattform für die Planung und Durchführung gemeinsamer Aktivitäten. Wichtigste Veranstaltung der MID ist das Hambacher Bikerfest, das jeweils am ersten Wochenende im August stattfindet. Unter dem Motto „für Verkehrssicherheit – gegen Diskriminierung“ wird dort zu jeweils aktuellen, motorradpolitischen Fragen Stellung bezogen.

Wir vertreten die Interessen der Fahrerinnen und Fahrer von zirka  4,2 Millionen zugelassenen motorisierten Zwei- und Dreirädern sowie zirka 2 Millionen Fahrzeugen mit Versicherungskennzeichen (anders ausgedrückt: aller Kraftfahrzeuge der Kategorie L). Da manche Leute mehrere Fahrzeuge besitzen, werden das unter dem Strich zirka 5 Millionen Fahrerinnen und Fahrer sein. In der MID arbeiten eigenständige Verbände zusammen. Der größte Verband, die Biker Union e.V., hat knapp 4.000 Mitglieder, die anderen Verbände deutlich weniger.


Sie beklagen in einer Pressemitteilung, dass es der Initiative drei Jahre nicht möglich war, den Preis zu vergeben. Sind motorisierte Zweiradfahrer den Städten und den Politikern genauso ein Dorn im Auge wie die Dieselautos?
Rolf Frieling:
Das kann man so pauschal nicht sagen. Motorisierte Zweiräder werden von der Politik meistens einfach übersehen. Sie spielen nur dann eine Rolle, wenn es um „Lärm“, um „Raserei“ oder um kriminelle Aktivitäten z.B. von Mitgliedern von Motorradclubs geht. Dass sie im Vergleich zu PKWs relativ umweltfreundlich sind und für viele einkommensschwache Mitbürger das einzige Mittel zur Sicherstellung von Mobilität darstellen, ist vielen Politikern und Behörden nicht bewusst. Deswegen fehlen motorisierte Zweiräder auch in den meisten Mobilitätskonzepten von Ländern und Kommunen.
 
Ich sehe eigentlich nirgends irgendwelche Dinge, die darauf hindeuten, dass man motorisierte Zweiräder, gern als Raser und Rowdys verschrien, in der Stadt gern sieht. Angesichts einer steigenden Zahl von toten Motorradfahrern nicht wirklich verwunderlich. Was spricht dennoch für Zweiräder in den Städten?
Rolf Frieling:
Auch das kann man so pauschal nicht sagen. Sonst hätten wir ja bisher nicht 10 Städte und Gemeinden als motorradfahrerfreundlich ausgezeichnet. Die jeweiligen Gründe finden Sie auf den Urkunden, die im Internet zu finden sind. Es gibt darüber hinaus eine Menge Gemeinden, die vom Motorradtourismus wirtschaftlich abhängig sind und eine Menge dafür tun. Motorisierte Zweiräder verbrauchen weniger Sprit als vergleichbare PKWs, benötigen nur wenig Parkraum, erzeugen keinen Stau und keinen Parkplatzsuchverkehr, sind im Regelfall im Punkt-zu-Punkt-Verkehr schneller als alle anderen Verkehrsmittel (inklusive ÖPNV) und sind für einkommensschwache Bürger häufig das einzige finanzierbare Verkehrsmittel auf Strecken, die man nicht sinnvoll zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen kann.
 
Zu den Vorurteilen gegenüber motorisierten Zweirädern gehört im übrigen auch die vermeintlich steigende Zahl von toten Motorradfahrern. Die Zahl der getöteten Zweiradfahrer sinkt seit Jahrzehnten trotz steil ansteigendem Bestand kontinuierlich, wenn auch nicht so schnell wie bei anderen Kraftfahrzeugen. Das ist wegen der fehlenden Karosserie, nicht nutzbarer Airbags, nicht integrierbarer Fahrzeugelektronik (z.B. ESP)  usw. nicht verwunderlich. Lediglich in den Jahren 2015 und 2016 gab es einen leichten Anstieg der Zahlen, der den generellen Trend aber nicht in Frage stellt.

 
Warum sehen das augenscheinlich so viele Kommunen nicht so?
Rolf Frieling:
Weil dort im Regelfall das Know-How fehlt und man sich stattdessen lieber die üblichen Vorurteile zu eigen macht. Das ist der Grund für die „Erfindung“ unseres Preises „Die motorradfreundliche Stadt in Deutschland“. Wir wollen mit der Auszeichnung gute Beispiele als Ansporn und Ideengeber der Öffentlichkeit präsentieren.
 
Haben Sie eine Idee, warum es gerade beim Straßenverkehr immer ums entweder oder und nie um mehr Gemeinsamkeit von Fußgängern, ÖPNV, motorisierten Zweirädern, Fahrrädern und Autos geht? Schließlich sind die allermeisten nicht nur in einer Form am Straßenverkehr beteiligt.
Rolf Frieling:
Genau das ist der Punkt. Nachhaltige und finanzierbare Mobilität für alle ist nur mit einem Verkehrsmix sinnvoll machbar, in den jeder Verkehrsträger seine Vorteile einbringt. Motorisierte Zweiräder können im Regelfall – von den Kosten vielleicht abgesehen – keine echte Alternative zum ÖPNV darstellen. Umgekehrt ist ein nutzerorientierter ÖPNV in der Fläche nicht wirtschaftlich tragfähig. Damit sind wir wieder bei den Vorurteilen. Motorisierte Zweiräder werden im Regelfall mit PS-starken Rennmaschinen oder großvolumigen Cruisern gleichgesetzt. Der Bäckerlehrling im ländlichen Raum hat aber häufig kaum eine andere Chance, als mit seinem 125er Roller zur Arbeit zu fahren. Die absehbare Bevölkerungsentwicklung wird dieses Problem massiv verschärfen.
 
Was sind die Forderungen der MID an die lokalen Politiker und die Verkehrsplaner?
Rolf Frieling:
Damit könnte man Seiten füllen. Zusammenfassend und in aller Kürze: Die eigenen Vorurteile zur Seite zu schieben und endlich das Potential motorisierter Zweiräder zu erkennen. Darüber hinaus ist ein gezielter Ausbau der Infrastruktur erforderlich (z.B. Safe-Anlagen für Helme und Sicherheitsbekleidung an den Umsteigepunkten zum ÖPNV). Natürlich muss auch die Verkehrssicherheit für motorisierte Zweiräder ein wichtiges Thema sein. Unsachgemäße Bitumenreparaturen als Beispiel sind für Zweispurfahrzeuge im Regelfall kein Problem. Für Zweiradfahrer mit und ohne Motor können sie zur tödlichen Abseitsfalle werden.

Haben Sie ernsthaft die Hoffnung, in dieser aufgeheizten Atmosphäre rund um Diesel und Feinstaub, auch nur etwas davon durchsetzen zu können?
Rolf Frieling:
Sonst hätten wir unsere ehrenamtliche Tätigkeit wohl schon vor vielen Jahren aufgegeben. Politische Arbeit ist gerade für ein Randthema der öffentlichen Wahrnehmung ein Bohren ganz dicker Bretter. In unseren Gesprächen mit den Verkehrsministern von Bund und Ländern haben wir schon einige Aha-Erlebnisse erzeugt. Das Thema Mobilität werden wir aber noch weiter in den Vordergrund dieser Gespräche schieben. Mit dem „Merkblatt zur Verbesserung der Straßeninfrastruktur für Motorradfahrende“ der Verkehrsingenieure, das mit unserer Unterstützung derzeit in einer überarbeiteten Fassung fertiggestellt wird, bekommt auch die Verkehrssicherheit im innerstädtischen Raum erheblich größere Aufmerksamkeit. Unser Problem ist die ungenügende Wahrnehmung unserer Probleme, aber auch unserer Potentiale in der Öffentlichkeit. Diesbezüglich fehlen uns vor allem die personellen Ressourcen.

 




 
genussmaenner.de auf Follow genussmaenner on Twitter folgen

Teilen auf Facebook

 

 


 

Neu auf genussmaenner.de:

 

 

       
 
 

 
   
       

 

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk:
| geniesserinnen.de
| derBeifahrer.de
| Männeradressbuch
| instock
| Frauenfinanzseite
| Börsen-Lexikon
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet

 

 

 

 

Lesezeichen hinzufügen bei:
DiggIt! Del.icio.us Google Bookmark
 
| © 2015 by genussmaenner.de, Berlin.
| Alle Rechte vorbehalten.