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25.06.2018

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Ein ganz besonderes Datum

... das die Welt nicht wirklich bewegt

(Helmut Harff / Chefredakteur) Der 5. Februar 2018 ist ein ganz besonderes Datum. An diesem Tag ist die Berliner Mauer genauso lange Geschichte, wie sie existierte. Das ist nun kein Datum, das irgendwie die Welt verändert, aber doch eines, was zum Innehalten, zum Nachdenken einlädt.

Ich war sechs Jahre, als man quer durch Berlin den antifaschistischen Schutzwall errichtete und ich war nicht in Berlin. Ich war auf einem Dorf nahe Berlins und verstand die Aufregung nicht, die dort am 13. August 1961 herrschte. Als ich zurück kehrte, merkte ich, dass ich nicht mehr zur Oma laufen, sondern ziemlich weit fahren musste. Der kurze Weg durch Westberlin war für lange Zeit verschlossen.

Als der geöffnet wurde, war ich wieder nicht da, bekam das erst etwas später mit und konnte meinen Augen und Ohren nicht trauen. Zwar war für mich die Mauer schon Monate zuvor durchlässig geworden, doch hatte die Mauer bis dahin fast mein ganzes Leben bestimmt. Ich blickte von meiner Schule in den Westen. Der erste Blick aus dem Fenster meiner Nichte und meines Neffen ging in Richtung des heutigen Hauptbahnhofs - also auch in den Westen. Immer wieder spielte der Westen, spielte Westberlin eine große Rolle - als Sehnsuchtsziel, als Ort wohin man flüchten wollte, als Ort, den man erst als Rentner besuchen kann, als Ort, wo es all das gab, was man in der DDR vermisste.

Ich weiß nicht, wie viele Fluchtmöglichkeiten ich mit Freunden durchspielte. Nur gut, dass es beim Durchspielen blieb, vielleicht würde ich sonst auch zu den Mauertoten gehören. Doch es war immer etwas, was da lockte. Der Westen war das, was so weit weg wie der Mond war. Beides sah man abends leuchten - hinkommen war schlicht unmöglich.

Und dann der 9. November 1989 - die Mauer war offen und damit der Weg, seine Sehnsüchte zu stillen. Wie schon gesagt, war für mich die Mauer schon Monate zuvor durchlässig geworden und ich hatte gesehen, wie es dahinter aussah. Hell ja, aber auch strahlend? Ich hatte längst begriffen, dass die Mauer nicht nur uns Ostler einsperrte. Eingemauert waren auch die Bewohner des freien Teils Berlins, wie der Westteil der Stadt in der Manier des kalten Krieges genannt wurde.

Doch heute treibt mich eine ganz andere Frage um. Ich frage mich, warum der von der SED-Führung angeblich so heiß geliebte antifaschistische Schutzwall einfach sang- und klanglos verschwand. Klar, dass die Greise des Politbüros die Grenze nicht selber mit der Waffe in der Hand verteidigen würden. Diktatoren - auch die harmlosere DDR-Variante - sterben am liebsten im Bett. Doch da waren ja noch all die anderen, die man so gern als die bewaffneten Organe bezeichnete, die Armee, die Polizei, die Staatssicherheit und die Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Wo waren die, warum taten die nichts?

Hier kann ich eigentlich nicht mehr als spekulieren. Ich glaube, die Leute waren einfach müde und mürbe. Jahrzehnte der Mangelwirtschaft, der Gängelung, auch der Lüge, jahrzehntelang das andere Deutschland vor Augen, die augenscheinliche Unfähigkeit der Herrschenden und deren Entfremdung von den normalen Menschen - das hatte wohl tiefere Spuren hinterlassen, als ich es mir vorstellen konnte. Man wollte einfach nicht mehr, hatte keine Kraft. Vor allem war es ja wohl so, dass niemand mehr die Energie aufbrachte, die Entwicklung zu stoppen.

Was dann kam, wissen wir alle.

Ich bin bei all den Fragen, die hoffentlich Fachleute möglichst bald und frei von Klischees und Vorurteilen beantworten, sehr froh, dass der Fall der Mauer ohne Schüsse von Deutschen auf Deutsche über die Bühne ging. Ich finde, darauf können wir Deutsche mehr als Stolz sein. Grenzen zwischen Staaten, die verfeindeten Militärbündnissen angehörten, einfach mal so einzureißen, das soll uns erst einmal jemand nachmachen.

 


Veröffentlicht am: 05.02.2018

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