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22.05.2018

 

 

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Leipziger Buchmesse 2018: Lesen, Lernen, Leben

Mit der Vielfalt literarischer Stimmen zu neuen Erkenntnissen



Vom Roman über das Sachbuch, vom Schulbuch bis zur Lernapp – alle Literatur- und Medienformen reflektieren in dieser Saison politisch relevante Themen. „Selten wurden die Debatten in Deutschland um Politik so hitzig geführt wie in den letzten Jahren“, erklärt Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse.

„Das Gute daran: Wir setzen uns wieder verstärkt mit dem Thema Politik auseinander. Denn die Politik bestimmt nicht nur unser Lesen, Lernen und Leben, auch wir bestimmen die Politik.“ Das spiegelt sich auf den 550 Bühnen des Leipzig liest-Programms wider.

Mehr als 3.400 Mitwirkende aus aller Welt reisen in diesem Jahr zu Europas größtem Lesefest Leipzig liest an, suchen in mehr als 3.600 Veranstaltungen die Begegnung mit ihrem Publikum und häufig das konstruktive Gespräch über die gesellschaftlichen Realitäten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Eine literarische Reise um die Welt


Die US-Amerikanerin Nicole Krauss schickt etwa ihren Protagonisten auf der Suche nach sich selbst in die Wüste Israels und Nell Zink zeichnet ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft hier und heute. Viktor Jerofejew aus Russland stellt eine Abrechnung mit der russischen Nachwendegesellschaft vor. Der Verfasser ist ein deutscher Autor, der unter dem Pseudonym Artur Isarin schreibt. Bachtyar Ali erzählt hingegen Geschichten aus Kurdistan/Nordirak und Asli Erdoğan spricht über ihre Erlebnisse mit türkischen Staatsgewalten. Von der Nomadenjurte in der Mongolei an die Universität Leipzig: Galsan Tschinag berichtet von seinem Cultural Clash in den 60er Jahren. Conny Palmen aus den Niederlanden begibt sich ebenfalls in diese Zeit, zeichnet den Weg Marilyn Monroes bis zu deren Selbstzerstörung nach. Selbstzerstörerisch ist auch der Titelheld von Herman Kochs Roman, ein krankhaft ehrgeiziger Bürgermeister von Amsterdam.

Åsne Seierstad, Preisträgerin des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2018, präsentiert ihr Buch über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik. Ihre Landsmännin Maja Lunde kommt mit einen in der Zukunft angesiedelten Roman über die große Dürre in Europa nach Leipzig. In die Vergangenheit der britischen Besatzung Palästinas blickt Assaf Gavron. Eshkol Nevos jüngstes Buch zeichnet hingegen den Mikrokosmos einer Hausgemeinschaft im heutigen Israel auf, während der Ungar Attila Bartis den Ungarnaufstand 1956 und seine Folgen beleuchtet. Igor Pomeranzev erinnert sich an das Czernowitz seiner Kindheit. Serhij Zhadan blickt hingegen auf die Leiden der Zivilbevölkerung des ukrainischen Donbass in Zeiten des Krieges.

Ein besonderer Höhepunkt: Die britische Bestsellerautorin Jojo Moyes stellt ihr neuestes Buch über eine Frau zwischen zwei Ländern und Lieben zum „Großen Leipzig liest Abend“ vor.

Tschechien – Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse 2019 gibt mit Autoren wie Bianca Bellová oder dem Theatermacher Arnošt Goldflam bereits in diesem Jahr einen Vorgeschmack auf seine reiche Kulturszene. Im Vorfeld der Herbstpräsentation von Georgien in Frankfurt lüftet das Land ein wenig den Vorhang und stellt in Leipzig neue Literatur unter anderem von Lasha Bugadze vor.

Rumänien im Spotlight

Das diesjährige Schwerpunktland Rumänien lädt zu einer literarischen Reise ein, gewährt tiefe Einblicke in rumänische Politik, Lebensumstände und Sichtweisen, verspricht faszinierende Begegnungen mit zeitgenössischen und klassischen Werken, ihren Autoren und Übersetzern. In insgesamt 71 Veranstaltungen können Besucher der Leipziger Buchmesse Schriftstellern, Künstlern und Übersetzern begegnen. Gabriela Adameșteanu, Lavinia Braniște, Catalin Dorian Florescu, Sorin Georgescu, Florin Lăzărescu, Cǎtǎlin Mihuleac oder Varujan Vosganian stellen zum Beispiel ihre neuesten Werke vor. Mircea Cărtărescu, Filip Florian oder Norman Manea beteiligen sich unter anderem mit Navid Kermani und Herta Müller an Debatten über Rumänien und seine Bedeutung innerhalb Europas. Zu Gast im Programm ist auch David Wagner, der einen längeren Rumänienaufenthalt in Romanform verarbeitet hat.

Stelldichein deutschsprachiger Autoren

Die ganze Vielfalt deutschsprachiger Literatur zeigt sich in der Gästeliste der Schriftsteller aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Essays über Krieg und Liebe in Europa und Afrika legt Lukas Bärfuss in Leipzig vor. Ähnlich weit spannt Navid Kermani den Bogen in seinem Werk über eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan im Iran. Von den 1980ern in der DDR bis heute reicht das Gesellschaftsporträt von Julia Schoch. Arno Geiger und Hans-Joachim Schädlich versetzen ihre Romanhelden in die Hölle des 2. Weltkrieges. Noch weiter zurück blicken Jakob Hein mit seinem Buch über die Orient-Mission eines deutsch-jüdischen Leutnants 1914 und Bernhard Schlink mit seinem Roman über eine junge Frau in Pommern Ende des 19. Jahrhunderts. Andreas Maier führt in das Studentenleben im „linken“ Frankfurt der 80er Jahre ein.

Über muslimisches Leben in Deutschland von den 80ern bis heute erzählt Lamya Kaddor. Die Protagonisten von Georg Kleins Roman kämpfen hingegen in der Zukunft. Im Hier und Jetzt spielen die Bücher von Norbert Gstrein über die Krise des Älterwerdens, von Dana Grigorcea und Peter Stamm über die Liebe oder von Angelika Klüssendorf über ein aneinander scheiterndes Paar. Heinz Strunk und Monika Maron zeichnen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven ein Gesellschaftsporträt. Brüssel und sein politisches Geflecht stehen im Mittelpunkt von Robert Menasses preisgekröntem Buch. Felicitas Hoppe reist durch die USA auf den Spuren zweier russischer Schriftsteller vor 80 Jahren. Einen modernen Künstlerroman legt Clemens J. Setz vor: Er lässt einen Clemens J. Setz-Bot über den Schriftsteller und sein Schaffen sprechen.

Der Österreicher Christoph Ransmayr hat ebenso wie Steffen Kopetzky kein neues Buch im Gepäck, diskutiert aber im Rahmen der Programmreihe des europäischen Netzwerkes für Literatur und Bücher Traduki mit dem geschäftsführenden deutschen Außenminister Sigmar Gabriel über Europa.

Von Karl Marx bis Hirnmanipulationen


Sachbuchautoren aus Politik, Wissenschaft und Medien lenken den Blick auf Vergangenes und Zukünftiges. Heinz Bude setzt sich mit der Revolte von 1968 auseinander, während sich Jürgen Neffe mit deren Idol Karl Marx beschäftigt. Für eine Abwendung vom Kapitalismus plädiert Sahra Wagenknecht. Den „Abstieg des Westens“ beschreibt Joschka Fischer, Peer Steinbrück sieht eher die SPD am Rande des Abgrundes und Richard C. Schneider skizziert die Zukunft Israels. Die beiden Stammgäste der Leipziger Buchmesse, Gregor Gysi und Guido Knopp, blicken auf ihr bisheriges Leben zurück. Alice Schwarzer zeigt anhand einer befreundeten Familie aus Algerien die kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Vielfalt des nordafrikanischen Landes. Einen ganz anderen Fokus hat Miriam Meckel: Sie plädiert für den Erhalt des autonomen Denkens im Zeitalter technischer Hirnmanipulationen.

Kriminell gut

Kriminelle Energien stehen im Mittelpunkt der Werke von Krimiautoren wie Zoë Beck, Sebastian Fitzek, Petra Hammesfahr, Tom Hillenbrand, Stephan Ludwig, Ellen Sandberg oder den Leipziger Debütantinnen Claudia Rikl und Heike Ulrich. Letztere wurde als Theater- und TV-Schauspielerin u.a. in der Serie Marienhof bekannt. Mit einem Wissenschaftsthriller im Gepäck reist der portugiesische Schriftsteller J.R. Dos Santos an.

Populäre Stimmen und prominente Autoren

Fans kurzweiliger Lektüre dürfen sich auf die Begegnungen mit Kirsten Boie, Sabine Ebert, Susanne Fröhlich, Dennis Gastmann, Markus Heitz, Kai Meyer, Michael Peinkofer, Ursula Poznanski, Ralph Ruthe, Schlecky Silberstein oder Jan Weiler freuen. Neue Bücher stellen auch Prominente wie Ralph Caspers, Veronika Fischer, Sonya Kraus, Guido Maria Kretschmer, Sky du Mont, Gojko Mitic oder Natascha Ochsenknecht vor.

Wer Literatur lieber erhören will, sollte die Lesungen der Schauspieler Christian Brückner, Benno Fürmann, Dominique Horwitz, Eva Mattes und Thomas Sarbacher nicht verpassen.

Europa21: Sind wir wirklich die Besten?

Vom 15. bis 18. März öffnen die Leipziger Buchmesse und die Robert Bosch Stiftung zum dritten Mal mit dem Programmschwerpunkt Europa21 den Denk-Raum für die Gesellschaft von morgen. Sind wir wirklich die Besten? Unter dieser Überschrift lädt der diesjährige Kurator Mohamed Amjahid internationale Gäste aus Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Medien ein, über die europäische Vergangenheit zu reflektieren, über Gegenwart zu streiten und Ideen für die Zukunft des Kontinents zu entwickeln.

Zu Gast sind unter anderem der isländische Komiker und Politiker Jón Gnarr, die Autoren und Filmemacher Rokhaya Diallo und Ghayath Almadhoun, die polnische Politikwissenschaftlerin Aleksandra Rybińska, Autorin und Verlegerin Kateryna Mishchenko aus der Ukraine oder der Berliner Ausstellungsmacher Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Besucher der Leipziger Buchmesse können den sechs Podiumsgesprächen auf dem Leipziger Messegelände im Café Europa folgen oder sich Freitagabend aktiv am Europaduell im Zeitgeschichtlichen Forum unter anderem mit dem Chefkurator der documenta 14, Adam Szymczyk, und der Journalistin Margarete Stokowski beteiligen. Erstmals betritt eine Künstlergruppe den Denk-Raum. Various & Gould überraschen Leipziger und die Gäste in ihrer Stadt und auf dem Messegelände mit der Plakatreihe Identikits und laden zur Reflexion über Identität und Klischees ein.

Die Gedanken sind bunt?

Gedanken sind bunt – heißt der Titel einer zehnteiligen Veranstaltungsreihe von Ausstellern der Leipziger Buchmesse unter anderem mit Liane Bednarz, Anita Djafari, Pippa Goldschmidt und Sascha Lobo. Vom 15. bis 18. März diskutieren, Autoren, Journalisten und Wissenschaftler über Fluchtursachen, das Ankommen Geflüchteter in Deutschland, verschiedene Formen der Ausgrenzung in der Gesellschaft und dem Instrument der Anerkennung, um Integration zu befördern. Auf dem Programm stehen aber auch Themen wir Antifeminismus, #metoo, die Rechte der LGBTIQ-Menschen oder der sogenannte Untergang des Abendlandes und Meinungsfreiheit als Kampfbegriff.

Gute Literatur am laufenden Band


Alljährlich bringt Das Blaue Sofa mit seiner prominenten Gästeliste Glanz in die Glashalle. In diesem Jahr nehmen unter anderem Autoren von Oliver Bottini, Gretchen Dutschke, Nora Gomringer, Jacob Hein, Herfried Münkler, Jaroslav Rudiš, Bénédicte Savoy bis Slavoj Žižek Platz auf dem berühmten Sofa. Reihenweise gute Literatur haben auch weitere Partner der Leipziger Buchmesse im Gepäck. So erstrahlt die Alte Handelsbörse am Naschmarkt vom 14. bis 17. März im Scheinwerferlicht des MDR-Programms mit Jan Böttcher, Navid Kermani oder Julia Schoch und vielen mehr. Poeten, Party und Poetry Slam vereint die MDR Sputnik Litpop am 17. März. Marco Siegel und June Tomiak stehen ebenso auf den Bühnen im Neuen Rathaus wie Christian Meyer oder Sebastian 23 und Willy Nachdenklich. Lesen hoch drei bietet die L3 Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei am 14. und 15. März mit Mareike Fallwinkel, Svenja Leiber, Sascha Macht, Karosh Taha oder David Wagner und Julia Weber.

Leipzig liest unabhängig


Für Fans unabhängiger Verlage gibt es wie jedes Jahr zwei besondere Anziehungspunkte: Die UV – Lesung der unabhängigen Verlage im Lindenfels Westflügel und das Forum DIE UNABHÄNGIGEN in Halle 5. Zu Gast im Forum sind unter anderem Yael Inokai, Julia Jessen, Dagmar Scharsich, Christof Wackernagel oder Matthias Wittekindt. Zu den Höhepunkten im Forum DIE UNABHÄNGIGEN gehören die beiden Preisverleihungen: Kurt-Wolff-Preis 2018 und Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2018. Zur UV dürfen sich die Besucher auf Autoren wie Isabel Fargo Cole, Milena Michiko Flašar, Jan Kuhlbrodt oder Adrian Kasnitz freuen.

Preisverdächtige Literatur


Noch sind die 15 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Werke und ihre Autoren „nur“ preisverdächtig. Am 15. März werden die Gewinner in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung in der Glashalle gekrönt. Die nominierten Werke führen ihre Leser von der DDR über Beethoven bis zur Renaissance von USA über Russland, die Ukraine nach Rumänien.

Kinder und Jugendliche: Die politische Zukunft liegt in ihren Händen

Damit auch der Nachwuchs sich zukünftig aktiv in die Politik einmischt und eine offene Diskussionskultur lebt, veranstaltet die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr im Rahmen des traditionellen Schwerpunktes Fokus Bildung erstmals das Forum zu Politik- und Medienbildung. Gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung, Helliwood und TINCON gibt die Leipziger Buchmesse mit jugendgemäßen Formaten Einblick in Themen wie Zivilcourage, demokratische Bildung oder Digitalisierung. Neben spannenden Podiumsdiskussionen und Lesungen bietet das Programm neue Veranstaltungsformate wie einen Democracy Slam oder ein Gespräch mit der jüngsten Parlamentarierin Deutschlands.

Manga-Comic-Con: Kleines Jubiläum mit großem Programm

Die Leipziger Buchmesse ist seit 20 Jahren Heimat für Fans gezeichneter Geschichten. Seit fünf Jahren hat die Szene rund um Comic, Manga, Cosplay, Anime, Japan und Games mit der Manga-Comic-Con in der Messehalle 1 einen eigenen Treffpunkt. Ehrengäste aus aller Welt geben sich in Leipzig die Klinke in die Hand und feuern einen Premierenreigen ab. So schauen die Mangazeichner Toyotarou, Mika Yamamori, Osora ebenso in Leipzig vorbei wie ihre europäischen Comickollegen Goran Sudzuka, Mirka Andolfo und Miguel Diaz Vizosa.

Hintergrund, Öffnungszeiten und Preise


Leipzig liest ist das Lesefest der Leipziger Buchmesse mit Unterstützung ihrer Partner, der ausstellenden Verlage, der Veranstaltungsorte und der Stadt Leipzig. Die Leipziger Buchmesse im Verbund mit der Manga-Comic-Con und der Leipziger Antiquariatsmesse öffnet vom 15. bis 18. März, täglich von 10 bis 18 Uhr. Tickets gibt es im Online-Ticketshop. Tickets online kaufen lohnt sich, denn das spart gegenüber den Tageskarten nicht nur bares Geld, sondern auch Wartezeit in langen Schlangen.

 


Veröffentlicht am: 16.02.2018

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