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22.05.2018

 

 

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Aufgespießt: Jugend kontra Alter

Ist das wirklich die Frage?

(Helmut Harff / Chefredakteur) So, nun steht auch die Ministerriege der Regierung Merkel. Ja, noch sind die Damen und Herren nicht vereidigt. Doch angesichts der Stimmverhältnisse im Deutschen Bundestag und der seit Jahrzehnten verinnerlichten Parteidisziplin besteht für mich kein Zweifel, dass wir uns an die nun veröffentlichten Namen gewöhnen sollten.

Was ist nun dran an dieser Riege von Menschen, die nach allen möglichen Kriterien, wohl aber am allerwenigsten angesichts ihrer fachlichen Qualität zu dem Job gekommen sind? Alle sind augenscheinlich gute Parteisoldaten, alle entsprechen irgend einem parteiinternen Proporz, sie haben zwar nicht immer das richtige Geschlecht, den richtigen Wohnort und die richtigen Eltern, aber sie haben vor allem eines: Sie sind im Schnitt einige Jahre jünger als ihre Vorgänger.

Jugend ist was tolles, wir alle wollen jünger sein, als es in unserem Ausweis steht, wollen maximal in Würde altern. Doch ist Jugend an sich irgend ein wirklich entscheidendes Kriterium für ein Ministeramt? Wobei, angesichts der Damen und Herren von Jugend zu sprechen, ist eigentlich entweder der pure Hohn oder schlechteste Realsatire.

Die "junge" Ministerriege mit ihrem Altersdurchschnitt von über 50 Jahren erinnert mich an die gern als Berufsjugendliche bezeichneten hauptamtlichen FDJ-Funktionäre in der DDR. Wer sich über den "Nachwuchs" freut, der sei noch einmal an die Deutsche Demokratische Republik erinnert. Dort löste die "Nachwuchshoffung" Egon Krenz den alten Mann Erich Honecker ab. Der Alte wollte keine neue Tapete für seinen Laden - die DDR, der andere, jüngere, bejubelte die Ermordung von Demonstranten in Peking. Am Ende verschwanden beide von der Bildfläche. Der eine ging ins Exil, der andere in den Knast.

Es gibt sicherlich noch viele Bespiele, dass Jugend kein Garant für wirklich etwas Besseres ist. Es sei denn, man meint, dass ein Politiker, der noch nicht die 60 oder 70 überschritten hat, seinen Job schon allein deswegen besser macht, als ein Alter.

Nun verbietet sich auch der Umkehrschluss: Auch das Alter kann kein Kriterium dafür sein, dass von ihm bessere Politik gemacht wird als von der nachfolgenden Generation. Auch dafür gibt es ein sehr gutes Beispiel, wenn man mal in die USA blickt.

Ich befürchte, dass all die, die über die neue Ministerriege vor allem deshalb jubeln, weil die auch so jung sind, einfach nicht mehr als genau das finden, worüber sie sonst angesichts dieser Personalie jubeln sollen. Das spricht nicht für die Jubler und schon gar nicht für die, über die da gejubelt wird. Gibt es wirklich nicht viel mehr zu den Frauen und Männern zu sagen, als dass sie im Schnitt jünger als ihre Vorgänger sind? Und haben die "alten" Vorgänger einen so schlechten Job gemacht, dass man sie in die parteieigenen Seniorenheime abschiebt?

Ich finde, wir sollten darauf verzichten, Politiker ob ihres Alters zu bewerten. Mir sind in meinen 63 Lebensjahren so viele Menschen begegnet. Wenn ich die alle nach ihrem Alter beurteilt hätte, wäre meine Meinung über diese Menschen noch viel schiefer gewesen, als sie es in viel zu vielen Fällen ohnehin schon war. Ich möchte jedenfalls nicht, dass ich nach meinem Alter bewertet werde.

Das, was allein zählen sollte, ist was für ein Mensch man ist, wie man mit anderen Menschen umgeht, was man wie und warum leistet. Vielleicht ist auch wichtig zu sehen, was sich ein Mensch zutraut und wo er sagt, das ist nicht meins, das kann und/oder will ich nicht. Das haben auch Politiker verdient.

 


Veröffentlicht am: 11.03.2018

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