Startseite  

14.08.2018

 

 

Werbung

 

Vorherigen Artikel lesen Nächsten Artikel lesen

 

Morgengruß von Helmut Harff: Vorverurteilungen

… machen mir echt Sorgen

Ich mache mir Sorgen, Sorgen um unsere Rechtsauffassung, um unseren Umgang mit Beschuldigten und Beklagten. Ich habe die Befürchtung, dass wir still und heimlich, sozusagen durch die Hintertür, unser eigenes und wie ich finde gutes Rechtssystem aushebeln.

Bisher gilt, dass nur Schuld ist, wer seine Schuld eingesteht oder von einem ordentlichen Gericht letztinstanzlich schuldig gesprochen wurde. Alle anderen soll und darf man nicht als schuldig bezeichnen. Und gerade letzteres passiert immer häufiger. Es passiert immer häufiger durch Politiker – und noch schlimmer – immer häufiger durch viel zu viele Medien.

Was ich ebenfalls mit Sorge beobachte ist die Tendenz, dass Beschuldigte nachweisen sollen, dass sie ihnen zur Last gelegte Taten eben nicht begangen haben. In den vergangenen Tagen hörte ich immer wieder, dass Russland beweisen soll, dass man nichts mit der Vergiftung des Doppelspions Sergej Skripal und seiner Tochter zu tun hat. Was würde derjenige, der so eine Forderung aufstellt sagen, wenn man ihn auffordert, nachzuweisen, dass er eine Frau aus der Nachbarschaft nicht vergewaltigen, die Kanzlerin nicht ermorden wollte?

Und da sind all die Vorwürfe gegen Männer, die ihre Position ausgenutzt haben sollen, Frauen sexuell zu bedrängen. Ich weiß nicht, was an den geäußerten Vorwürfen wahr ist und was nicht. Sicherlich gibt es übergriffige Männer und ich weiß nicht, ob die beschuldigten Männer sich schuldig gemacht haben oder nicht. Ich weiß aber, dass es in den meisten Fällen weder Anzeigen noch Anklagen gibt, von Verurteilungen gar nicht zu reden. Es gibt auch so gut wie keine Schuldeingeständnisse. Nimmt man unsere Gesetze ernst, gibt es also auch keine Schuldigen.

Und doch gibt es mannigfaltige „öffentliche Schuldsprüche“. So einen traf den Intendanten des Stockholmer Stadttheaters, Benny Fredriksson. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, eine Frau zur Abtreibung gedrängt zu haben. Nicht nur dieser falsche Vorwurf, sondern die damit in Zusammenhang stehenden Rufmordkampagnen in schwedischen Medien führten dazu, dass sich Benny Fredriksson das Leben nahm. Erst danach begann man in Schweden nachzudenken – zu spät für Benny Fredriksson.

Ich frage mich, welche Rechtsauffassungen nicht nur die Kollegen in Schweden, sondern all die haben, die aus jedem Vorwurf, aus jeder Beschuldigung eine Tat machen und den Beschuldigten sofort schuldig sprechen, ihn zumindest an den Pranger stellen?

Mir geht das so nahe, weil ich in den aufgeregten Nachwendezeiten auch einmal vorschnell geurteilt, verurteilt hatte. Ich habe einen Menschen beschuldigt, ein inoffizieller  Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit – kurz Stasi – gewesen zu sein. Es stellte sich heraus, dass das eine üble Verleumdung war. Mein Glück war, dass der Mann meine Entschuldigung annahm, dass mir auch seine Familie verzieh und es ihm sogar beruflich nicht schadete. Da hatte ich mehr Glück als er.

Und heute? Wo bleiben da die Entschuldigungen? Werden Vorverurteiler selber zur Rechenschaft gezogen? Was passiert mit der Familie von Benny Fredriksson? Was, wenn Russland, wenn die russische Regierung doch beweisen kann, nicht Schuld an der Vergiftung des Spions und seiner Tochter zu sein, wenn sich herausstellt, dass da andere ihre Hand im Spiel hatten? Gibt es einen Fond – finanziell ausgestattet durch die schwedischen Medien – zur Hilfe von Rufmordopfern? Werden die Briten und die USA Russland einladen, wieder ihre Geheimdienstler mit Diplomatenpass in die jeweiligen Länder zu entsenden oder gleich die Geheimdokumente schicken, die die ausgewiesenen Schlapphüte nicht liefern konnten?

Völlig abwegig? Ja, aber noch viel abwegiger finde ich, einzelne Menschen, Regierungen und Staaten nur deshalb vorzuverurteilen, weil es gerade in die Zeit oder politisch passt. Vorsicht: So ein Verhalten kann schnell zum Krieg führen. Fragen Sie mal die Iraker und die US-Amerikaner.

Wer Schuld an meinem Frühstück ist? Ich, das gestehe ich ein, auch wenn die beste Frau der Welt etwas anderes behauptet.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 31.03.2018

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

NewsletterNewsletter bestellen und abbestellen

TwitterFolge uns auf Twitter

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Hoch: Hoch zum Seitenanfang

Nächsten Artikel: lesen

Vorherigen Artikel: lesen

 

 


Werbung

 


Werbung

Männermode - mal schauen?

Neu auf genussmaenner.de


 

 
         
             
     
     
     

 

Service
Impressum
Kontakt
Mediadaten
Newsletter
Datenschutzhinweis
Nutzungshinweise
Presse
Redaktion
RSS 
Sitemap
Suchen

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk
| Börsen-Lexikon
| fotomensch berlin - der Fotograf von genussmaenner.de
| Frauenfinanzseite
| Geld & Genuss
| geniesserinnen.de
| gentleman today - Edel geht die Welt zu Grunde
| instock
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

 

Rechtliches
© 2007 - 2018 by genussmaenner.de, Berlin. Alle Rechte vorbehalten.

Lesezeichen:
 Del.icio.us Google Bookmark Reddit