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Born in the USA

Gemeint sind die Cruisers des 21. Jahrhunderts

Die Vereinigten Staaten mögen nur eingeschränkt eine Radverkehrskultur im europäischen Sinne pflegen – für neue Fahrradideen waren sie jedoch immer gut. Und die meisten dieser Ideen waren durchschlagende Erfolge, man denke nur an das Mountainbike oder BMX.

Im beginnenden 21. Jahrhundert besannen sich die US-amerikanischen Firmen im Rahmen des Retro-Trends eines alten Bekannten – des Cruisers. Sie bauten die typischen 50er-Jahre-Räder nach: geschwungene Rahmenformen, gern reichlich Chrom, 26-Zoll-Räder mit dicken Ballonreifen – quasi die Harley ohne Motor.

Die Grundform des Cruisers ist in ungezählten Varianten erhältlich. Konstanten sind die 26-Zoll-Räder mit Ballonbereifung, der lange Radstand und die niedrige Sitzposition, wobei der Sattel so weit hinter dem Tretlager positioniert ist, dass die Beinstreckung beim Pedalieren weit genug ausfällt. Licht, Schutzbleche und Gepäckträger sind optional; wichtig ist vor allem, dass solche Anbauteile ins Gesamtbild passen. Üblich sind Nabenschaltungen mit bis zu sieben Gängen; zum Bremsen dient der Rücktritt sowie vorne eine Felgen- oder Trommelbremse. Wegen des gemütlichen Tempos, das man mit solch einem Rad anschlägt („cruisen“ eben), müssen die Bremsen nicht allzu bissig ausfallen (Beispiel: Felt „1909 3-SP“, 699 Euro).

Das Lowrider ist die extremere Form des Cruisers und verdeutlicht, warum die Gattung als der Chopper unter den Fahrrädern gilt: Bei ihm tritt die Fahrbarkeit bisweilen in den Hintergrund, wichtiger ist eine spektakuläre Optik. Eine extrem flach angestellte Doppelbrückengabel und ein sehr hoch ausladender Lenker etwa machen das Anfahren zum Balanceakt und Kurven zum Angstgegner; Bergauffahrten sind weitgehend unmöglich, alleine schon, weil sich der Wiegetritt verbietet. Doch darum geht es beim Lowrider auch nicht – er wird lieber cool in der Großstadt oder an der Strandpromenade präsentiert.

Das Klunker ist die geländegängige Cruiser-Art. Es markiert in der Fahrradgeschichte die Geburt des Mountainbikes. Ende der 1970er Jahre rasten Biker auf ihren aus Cruisern der 1950er gebauten Klunker-Bikes staubige Hänge in Kalifornien hinab. Technisch verkörperten die Räder das Motto: Was nicht dran ist, kann nicht kaputt gehen. Ein Härtetest auch für das Material – aus Mangel an adäquatem Equipment wurden in dieser Zeit einige Unternehmen gegründet, die heute groß oder legendär sind.

Kreatives Austoben mit Stahlrohr, Chrom und Lack bei der Umsetzung verrückter Zweiradideen, das ist die Welt der Show- und Extrem-Cruiser. Basis dieser Eigenkonstruktionen sind Lowrider, zum Teil mit selbst angefertigten Rahmen, die mit allerlei Zierrat und Zubehör versehen werden – das reicht von optisch aufregenden, sicherheitstechnisch dagegen katastrophalen Hörnern oben an der Gabelbrücke bis zum Seitenwagen mit integriertem Kindersitz. Längst hat sich eine große Fangemeinde von Cruiser-Veredlern gebildet, die sich in Internet-Foren austauschen und auf Treffen dem gemeinsamen Hobby frönen, dem feucht-fröhlichen Cruiser-Ride. (ampnet/jri)

Foto: Auto-Medienportal.Net/Pressedienst Fahrrad

 


Veröffentlicht am: 23.04.2018

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