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19.07.2018

 

 

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Wissen und Macht

Kloster Memleben zeigt Sonderschau im Jubiläumsjahr „25 Jahre Straße der Romanik“

(tpr) Idyllisch an der Unstrut in der hochmittelalterlich geprägten Kulturlandschaft Saale-Unstrut liegt ein Kleinod der deutschen Geschichte: das Kloster Memleben. Fast hätte es vor 200 Jahren als Schutthaufen ein trauriges Ende gefunden.

Wäre nicht der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel gewesen. Er stoppte den Verfall der Ruine, deren Steine für den Bau von Ställen und Scheunen abgetragen wurden. Mit einer Sonderschau erzählt Memleben in diesem Jahr ein besonders glanzvolles Stück deutscher Geschichte.

Die Historie des Klosters Memleben reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Zwei bedeutende Regenten des Mittelalters verstarben hier: König Heinrich I. (876-936) sowie sein Sohn und Nachfolger Kaiser Otto I. (936-973). Kaiser Otto II. (955-983) stiftet dem Ort im Jahr 979 ein Benediktinerkloster. Gemeinsam mit seiner Frau Theophanu stattete er den Konvent reich mit Grundbesitz aus. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die Gründung zu einer bedeutenden Reichsabtei.

Mit der Reformation endete die über 500-jährige Geschichte des Klosters. Es folgten Plünderungen und die schleichende Zersetzung der Bausubstanz. Was geblieben ist, sind die vielfältigen Spuren, die Memleben in Kultur und Geistesgeschichte der Region hinterlassen hat. Und – dank Schinkel – noch ein Teil seiner einstigen baulichen Pracht, wie die Kirchenruine aus dem 13. Jahrhundert mit einer weitgehend im Original erhaltenen spätromanischen Krypta. Ein Gefühl für die einstige Bedeutung der Reichsabtei vermittelt der nachgebaute Grundriss der Monumentalkirche aus dem 10. Jahrhundert.

Sonderausstellung würdigt Schinkel und Benediktiner

Die Sonderausstellung „Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“, die das Kloster Memleben ab 7. Mai zeigt, würdigt nicht nur den Verdienst des Benediktinerordens für die Kulturlandschaft an Saale und Unstrut, sondern auch den Denkmalpfleger Schinkel. „Wissen und Macht“ ist ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr „25 Jahre Straße der Romanik“. Die Straße der Romanik ist mit mehr als 1,5 Millionen Besuchern jährlich Sachsen-Anhalts beliebtestes Ferienstraße.

Für die Schau, die in Kooperation mit dem Zentrum für Mittelalterausstellungen Magdeburg, dem Bistum Magdeburg, dem Saale-Unstrut-Tourismus-Verein, dem Landestourismusverband Sachsen-Anhalt sowie der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalts entstanden ist, haben Museologen alle bekannten, noch vorhandenen Ausstattungsstücke des Klosters Memleben zusammengetragen und durch weitere Objekte ergänzt. Einige Stücke werden zum ersten Mal öffentlich präsentiert.

Auf insgesamt 350 Quadratmetern werden 60 Exponate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Zu den Höhepunkten gehört die Schinkelzeichnung der Klosterruine aus dem Jahr 1820. Die feine Graphitzeichnung ist das jüngste Objekt in der Ausstellung und erstmals an ihrem Entstehungsort zu sehen. Das älteste ist eine Scheibenfibel mit
aufwändigen Ziermustern aus dem siebten Jahrhundert. Frauen und auch Männer nutzen sie als Spange für ihre Gewänder, Mäntel oder Umhänge.

Zu den visuell beeindruckendsten Exponaten zählt eine neugotische Monstranz aus dem Kloster Badersleben im Harz. Das mit großer Kunstfertigkeit gestaltete Objekt steht stellvertretend für wertvolle liturgische Geräte, wie sie sich im Inventar des Klosters Memlebens befunden haben. Mit den Lorscher Annalen (um 835) und dem Reichenauer Schülerheft (9. Jahrhundert) aus dem Kloster St. Paul im Lavanttal in Österreich sowie der Benediktsregel (nach 799) aus dem Kloster St. Gallen in der Schweiz finden auch drei weltbekannte Objekte ihren Weg an Saale und Unstrut.

Interaktive Elemente führen den Besucher durch die Schau

Immer wieder treffen die Besucher auf ihrem Weg durch die Ausstellung auf den Heiligen Benedikt (ca. 480-547), Kaiser Otto II., dessen Frau Theophanu und weitere historische Persönlichkeiten. Eine interaktive Karte illustriert die Ausbreitung der Benediktiner von Nahost bis nach Mitteleuropa. Ein Zeitstrahl hilft bei der Orientierung und Einordnung der Ereignisse der 1700-jährigen Geschichte des Ordens.

An einem interaktiven Landschaftsmodell können die Besucher die Entwicklung der Klöster und Orden an Saale und Unstrut nachvollziehen. Auch spielerische Elemente finden sich, wie das großes Puzzle zur Heiratspolitik der Herrscher oder das interaktive Entscheidungsspiel zu den Kirchenorden. Fachvorträge und Sonderführungen ergänzen die Ausstellung.

Das begleitende museumspädagogische Angebot für Kinder und Schulklassen haben Museologen gemeinsam mit Schülern erarbeitet. Bei Führungen erklären Kinder und Jugendliche selbst ihren Altersgenossen die Ausstellung. Begleitet werden sie von Wladimir, der Fledermaus, die in den alten Mauern des ehemaligen Klosters Memleben wohnt. Die jungen Museumsbesucher basteln gemeinsam und bei einem Quiz testen sie ihr Wissen. Die Erwachsenen können zur gleichen Zeit an einer Führung durch die Klosteranlage teilnehmen.

Begleitend zu „Wissen und Macht“ öffnen elf weitere Klosterorte in Saale-Unstrut ihre Tore und geben unter dem Titel „Kloster und Welt. Die Klosterlandschaft an Saale und Unstrut“ einen Einblick in das einstmals blühende monastische Leben in der Region. Mit der Gemeinschaft der Zisterzienserinnen in Helfta (Lutherstadt Eisleben) und dem Konvent der Benediktiner auf der Huysburg können dabei auch zwei heute lebendige Klöster besucht werden. Auch montalbâne, eines der wichtigsten Ensembles für mittelalterliche Musik in Europa, ist ein Partner des Projektes.

Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen
Sonderausstellung vom 7. Mai bis 15. Oktober 2018
Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben
Thomas-Müntzer-Straße 48
06642 Kaiserpfalz / OT Memleben
www.benedikt-memleben2018.de
www.feiern-mit-wein-und-stein.de

Öffnungszeiten: täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr

Foto: Andreas Stedtler

 


Veröffentlicht am: 29.04.2018

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