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Morgengruß von Helmut Harff: Was der Bauer nicht kennt

... frißt er nicht

Der Volksmund spricht Wahrheiten häufig ziemlich drastisch aus. Er ist beispielsweise der Ansicht, dass der Bauer nicht frißt, was er nicht kennt. Ich bezeifel, ob das allein auf Bauern zutrifft. Ich bin sogar der Ansicht, dass der Bauer eher neugieriger ist, schließlich ist er ja dafür in erster Linie zuständig, was wir essen - von der Lebensmittelindustrie mal abgesehen.

Und doch hat kaum eine Volksweisheit so viel Berechtigung, wie eben die, dass viele Menschen alles andere als neugierig auf bisher unbekannte Nahrungs- und Genussmittel sind. Ich bin auch der Ansicht, dass das mit dem Bildungsniveau, aber auch mit dem eigenen Geldbeutel und einer gewissen Welterfahrenheit zu tun hat.

So waren es immer die Reichen, die für fremde Genüsse offen waren. Schön, die Armen konnten sich die Dinge auch nicht leisten, aber sie mussten häufig direkt mit der Nase auf Neuerungen gestoßen werden. Man denke nur an die Kartoffel und ihre schwierige Einführung in Europa.

Doch der Satz, wonach eben der Bauer - aber nicht nur der - nur frißt, was er kennt, gilt bis heute. Ich erinnere mich, als man das Fleischangebot in der DDR mit Nutria aufbessern wollte, rümpften viele ablehnend die Nase. Das ist auch heute nicht anderes. Wer ißt schon Froschschenkel, Schnecken oder Muscheln? Obwohl erlaubt, gibt es kaum schmackhafte Insekten zu kaufen. Wahrscheinlich fragt die zumindest in Supermärkten und Discountern niemand nach.

Umgekehrt ist auch so, dass Lebensmittel fast vollständig von unseren Speisekarten verschwinden, weil die einfach nicht mehr in sind. Ich denke an Innereien von Rind, Schwein oder Schaf. Auch Dinge wie Wellfleisch sieht man immer weniger.

Doch nicht nur beim Essen bleiben sehr viele Menschen bei Bekanntem. Das erlebte ich gestern wieder auf einer Weinmesse in Berlin. Dort präsentierten sich zahlreiche Winzer aus dem Weinviertel. Die österreichische Region ist nun nicht als wirklich exotisch einzustufen. Dennoch keltern die dortigen Winzer beispielsweise einen Wein, der es auf dem deutschen Markt sehr schwer hat. Ich spreche vom Gemischten Satz.

Gemischter was, hörte ich mehrfach die interessierten Besucher fragen. Die Fragen klangen weniger neugierig als skeptisch. Wein und gemischt, da hören gerade deutsche Weintrinker Wein und gepanscht. Sie hören eben was sie hören wollen. Dabei ist der Gemischte Satz der wohl älteste Wein überhaupt, denn sortenreine Weine wie sie heute zumeist angeboten werden, gibt es noch gar nicht so lange.

Doch was ist nun ein Gemischter Satz? Das waren sehr lange die Trauben, die rund um das eigene Haus wuchsen - und das waren eben verschiedene Rebsorten. Die wurden gemeinsam gelesen und gekeltert. Heraus kam, was man lange eher despektierlich als Hauswein bezeichnet hat. Vor etwa zehn Jahren waren es junge Winzer aus Wien, die den Gemischten Satz wieder entdeckten und in das Bewußtsein der Weingenießer rückten. Ich bin ein großer Fan des Gemischten Satzes, zumal es kaum möglich ist, den Wein so zu produzieren, dass jeder Jahrgang nahezu gleich schmeckt. Jeder Jahrgang, jeder Gemischte Satz ist eine kleine Überraschung. Doch mal ehrlich, das ist doch spannender, als beim Kauf schon genau zu wissen, wie der Wein schmeckt.

Nur frühstücken, was man kennt, nichts probieren? Das ist nicht mein Frühstück. Gern experimentiere ich beispielsweise beim Müsli.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück. Werden oder bleiben Sie neugierig.

 


Veröffentlicht am: 04.05.2018

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