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17.08.2018

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Sie predigen Wasser

… und saufen Wein

Nein, heute geht es mir nicht um die Geistlichkeit. Wer weiß heute schon noch, was der Pfarrer predigt – bei dem geringen Kirchenbesuch.

Nein, heute geht es mir um Vertreter eines Berufsstandes, dessen Ruf wesentlich schlechter als der eines Pfarrers ist. Nein, ich meine auch nicht die Journalisten. Meine Zielgruppe sind Politiker, Mandatsträger und leitende Mitarbeiter in der Regierung und in Ministerien.

Wenn ich hier nun behaupte, dass die in vielen Fällen Wasser predigen und Wein trinken, so wird dies niemand verwundern, nicht einmal die Angesprochenen selber. Wobei, zugeben würden sie das wohl nicht, selbst wenn man sie sozusagen in flagranti erwischt. Und ich habe die Wasserprediger erwischt.

Doch der Reihe nach: Ich habe ja gestern an dieser Stelle schon darüber berichtet, dass ich mit der besten Frau der Welt zu Gast in der Schweizer Botschaft war. Man hatte zum Event „Bern besucht Berlin“ eingeladen. Viele folgten der Einladung, bei der die eine Bärenstadt der anderen ihre Aufwartung machte. Wie heute leider notwendig, musste man erst eine Sicherheitskontrolle absolvieren und stand so einige Zeit auf der Straße. Schon dort wurde man von Polizisten in Kampfmontur bewacht. Die Frauen und Männer taten mir angesichts von 30 Grad wirklich leid.

Doch zurück zum Thema: Viele der Besucher der Schweizer Botschaft fuhren mit dem Auto vor. Nein, nicht mit dem eigenen, sondern mit dem Taxi. Das wäre ja noch in Ordnung. Was mich erst wunderte und dann doch sehr ärgerte waren die vielen, wirklich sehr vielen schwarzen Luxuslimousinen, die im Minutenakt neue Gäste brachten. Das waren keine Leihwagen, das waren alles Dienstwagen aus dem Bestand der Ministerien, der Bundes- und Landesregierung oder vom Fahrdienst des Bundestages.

Ich frage mich, warum Menschen zu so einem Event sich mit Dienstwagen kutschieren lassen. Die meisten entstiegen den spritfressenden Dieselautos auch nicht allein. Mit dabei war zumindest ein Partner oder eine Partnerin. Was haben die in einer Dienstlimousine zu suchen? Müssen die für ihren Transport bezahlen oder den zumindest als geldwerten Vorteil in ihrer Steuererklärung angeben? Klar, weder das eine noch das andere halte ich für wahrscheinlich.

Mich regte aber nicht das Nutzen eines Privilegs auf. Mich regte auf, dass die, die sich da durch die Stadt chauffieren ließen, uns so gern das Auto fahren vermiesen wollen, uns das Rad als Alternative zum Auto schmackhaft machen wollen und dem Elektroauto eine rosige Zukunft voraussagen. Ich sah niemand, der im Anzug oder Abendkleid zu dem Event mit dem Rad anreiste. Ich sah auch nicht ein Elektroauto vorfahren.

Was bei mir bleibt war eben der Eindruck, dass unter den Gästen sehr viele waren, die eben Wasser predigen und Wein saufen. Das macht nicht nur mich sauer, dass trägt auch massiv zur immer weiter um sich greifenden Politikerverdrossenheit bei. Wobei, ob die Mehrheit der Dienstkarossenbenutzer nun wirklich Politiker oder doch hoch dotierte Beamte waren, die sich – zumeist in Begleitung – einen schönen Abend machen wollten, kann ich nicht sagen. Gegen den schönen Abend kann und will ich auch gar nichts sagen, doch sich seine An- und Abfahrt vom Steuerzahler bezahlen zu lassen – das geht zu weit.

Nun könnte man ja sagen, dass auch wir wenigen Journalisten unter den Gästen unsere Fahrkosten steuerlich gelten machen. Stimmt, dass sind in meinem Fall rund 15 Euro. Nur der Unterschied ist eben, dass wir dort zumindest auch arbeiteten. Doch der wichtigste Unterschied ist, dass wir nicht Wasser predigen und Wein saufen.

Wein gibt es auch jetzt nicht, genauso wenig wie Wasser – jetzt gibt es einen frisch gebrühten Frühstückskaffee.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Sonntagsfrühstück.

Foto:
Pixabay

 


Veröffentlicht am: 10.06.2018

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