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16.07.2018

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Urlaubsgenüsse

Was der Bauer nicht kennt…

Überall in Deutschland gibt es Lokalitäten, in denen wir italienisch, chinesisch, französisch, libanesisch, marokkanisch und sogar neuseeländisch essen können. Zumindest wird uns in diesen Restaurants etwas kredenzt, was wir eben für die Küche dieser Länder halten. Wir finden uns dann schon ganz weltmännisch, wenn wir mit Stäbchen oder gar mit den Fingern essen.

Das ist die eine Seite der Medaille. Doch wie ist das im Urlaub? Was steht da bei den meisten ganz oben auf der Speisekarte? Schon beim Frühstück befürchten wir akute Lebensgefahr, wenn dort nicht auf dem Tisch steht, was wir von zuhause kennen. Wobei ich behaupte, dass selbst in billigen Hotels das Frühstücksangebot üppiger ist, als bei 99 Prozent der Deutschen. Wenn dann auf der Speisekarte zum Mittag und Abendbrot nicht Schnitzel, Pommes, Eisbein und vor allem eines: deutsches Bier stehen, sehen sich viele deutsche Urlauber schon mit beiden Beinen im Grab. Man ist maulig, droht damit, Reisekosten zurück zu fordern, fotografiert schon mal die Zumutungen auf dem Teller und teilt über soziale Netzwerke mit, wie man am Urlaubsort vergiftet wird.

Wer sich so im Internet gegenüber Freunden und allen anderen, die das gar nicht wissen wollen, präsentiert, zeigt zumindest, dass er ein Ignorant ist. Ich würde mit so einem Menschen höchstens noch einmal Pommes Schranke essen gehen – wenn ich dieses Zeug essen würde.

Mal ehrlich, ich verstehe nicht, warum man ins Ausland – und das ist für viele Bayern schon die Nordseeküste – fährt, wenn man sich für die regionale Küche null interessiert, wenn man nur essen will, was man aus der eigenen Kantine, vom eigenen Dönerstand kennt. Manchmal wundert mich, dass sich deutsche Urlauber nicht darüber aufregen, dass es im Urlaubsrestaurant keine Ravioli aus der Dose, keine Tiefkühlpizza gibt. Noch unverständlicher ist, wenn sich Menschen über regionale Speisen am Urlaubsort erregen, die gleichzeitig ständig erzählen, wie toll das – fast immer aus der Großküche stammende – Essen bei ihrem Lieblingschinesen sei.

Wenn ich wegfahre – und es ist egal ob nach Südafrika oder in den Harz – dann freue ich mich immer vor allem auf eines: die regionale Küche. Ja, ich bin da schon auf Dinge gestoßen, die ich kein zweites Mal bestellen würde. Das ist mir aber auch schon mehr als einmal in Berlin so gegangen. Doch bevor ich im Urlaub mich nicht durch alle Speisekarten gefuttert habe, kann ich ja nicht sagen, was mir schmeckt und was eben nicht. Nicht jede Küche ist unbedingt mein Fall. Doch mir ist es noch nie passiert, dass ich nicht vieles gefunden habe, was mir schmeckte, was echt lecker war.

Spätestens dann kommt der Wunsch auf, diese Gerichte zuhause nachzukochen und so Freunde und Familie an den Urlaubsgenüssen teilhaben zu lassen. Das ist zwar eine nette Idee, doch ich verzichte inzwischen darauf. Selbst wenn man vor Ort einige Zutaten und Gewürze kaufen kann, selbst wenn man dem Koch das Rezept entlockt, zuhause schmeckt das im Urlaub genossene zumindest anderes als am Urlaubsort. Das gilt um so mehr,  um so exotischer das Urlaubsland ist.

Deshalb habe ich mir zur Regel gemacht, im Urlaub oder auf dienstlichen Reisen immer die nationale Küche zu probieren. Das kann Schnitzel in Wien, Pommes in Brüssel, Pizza in Neapel oder Döner in Izmir sein. All die Gerichte schmecken mir vor Ort immer besser, als eben in Berlin. Dabei fällt mir ein, dass ich nur sehr selten zuhause Eisbein oder Berliner Kartoffelsuppe, Bauernfrühstück oder Pellkartoffeln mit Quark – also Gerichte, die in Berlin und Umgebung zuhause sind – bestelle. Wobei, ganz so ignorant bin ich auch gegenüber der heimischen Küche nicht. Spargel satt, Kartoffelsuppe aus der Gulaschkanone oder eine gute Bulette – da werde ich ganz schnell schwach.

Jetzt werde ich erst einmal frühstücken – ganz traditionell.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Bleiben Sie kulinarisch neugierig.

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 19.06.2018

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