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Weltrekord auf dem Salzsee

Wovon der Vater träumte, schaffte jetzt der Sohn

(Hans-Robert Richarz) Was lange währt wird endlich gut, doch diese Geschichte ist nicht ganz ohne Tragik: Im reifen Alter von 69 Jahren erfüllte der amerikanische Rennfahrer Danny Thompson nun das Vermächtnis seines Vaters Mickey.

Der hatte exakt ein halbes Jahrhundert zuvor vergeblich versucht, auf dem Salzsee von Bonneville im US-Bundesstaat Utah einen Geschwindigkeitsweltrekord für Autos mit Ottomotor und Allradantrieb aufzustellen. Jetzt schaffte das der Sohn – mit dem 50 Jahre alten Fahrzeug seines Vaters.

Vater Mickey Thompson (1928–1988) hatte in seinem Leben an über 10 000 Rennen teilgenommen, über eine Million Rennmeilen zurückgelegt und mehrere amerikanische Meisterschaften in verschiedenen Motorsport-Kategorien gewonnen. 1968 wollte er mit seinem „Challenger II“ einen Weltrekord erringen. Doch schlechtes Wetter hatte den Salzsee unpassierbar gemacht, und ein Jahr später zog sich die amerikanische Automobilindustrie aus dem Bonneville-Spektakel zurück, womit wichtige Sponsoren wegfielen. Thompson war gezwungen, das Auto einzumotten obwohl es damals von der amerikanischen Sportzeitung „Sports Illustrated“ zu einem „rollenden Lehrbuch für anspruchsvolles Automobildesign“ bezeichnet worden war.

Anfang 1988 verschwand es wieder aus der Versenkung, weil der Ex-Rennfahrer mit seinem Sohn Danny, der in die Fußstapfen des Vaters getreten war, als Fahrer erneut einen Rekordversuch wagen wollte. Dazu allerdings kam er nicht mehr: Zusammen mit seiner Frau Trudy wurde Mickey Thompson am 16. März 1988 in seinem Haus in Bradbury, einem Nobel-Vorort von Los Angeles von zwei Auftragsmördern erschossen, die einer seiner Geschäftspartner gedungen hatte.

Jetzt, genau 50 Jahre später, machte der Sohn den Traum des Vaters wahr – mit demselben Auto, das er allerdings in einigen Punkten auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringen musste. Dennoch blieben Fahrwerk, Aerodynamik und die handgefertigte Aluminiumverkleidungen größtenteils unverändert erhalten. Kurze Trainingsläufe bewiesen, dass Challenger II auch nach 50 Jahren immer noch zu den schnellsten jemals gebauten Saugerfahrzeugen gehörte.

Das lag in erster Linie daran, dass Danny die beiden in die Jahre gekommenen Ford-427-Maschinen durch zwei mit einem Nitro-/Methanolgemisch betriebene Hemi-V8-Motoren ersetzte, die über einen halbkugelförmigen Brennraum verfügen. Mit einer Leistung von jeweils 1800 kW / 2450 PS war das Fahrzeug jetzt mit fast 5000 Pferdestärken doppelt so kräftig wie vor 50 Jahren. Darüber hinaus hatte es jetzt Carbon-Keramik-Scheibenbremsen und zu deren Unterstützung zwei Fallschirme. Mit einem Gesamtgewicht von 2360 Kilogramm verbrennt der Challenger II auf jedem der für den Rekordversuch erforderlichen Strecke von acht Kilometern 190 Liter seines Spezialkraftstoffs.

Auf der morgen zu Ende gehenden Speed Week schaffte Danny Thompson im ersten Lauf 718,7 km/h. Einen Tag später kam er auf 725,6 km/h. Das bedeutete einen Schnitt von 722 km/h – und Weltrekord. Der alte Rekord hatte 706 km/h betragen und stammte aus dem Jahr 2012. Damit ist der 50 Jahre alte Challenger II das zurzeit schnellste kolbenbetriebene Auto der Welt mit Allradantrieb.

Mickey Thompson dürfte auf Wolke sieben gejubelt haben. (ampnet/hrr)

Foto: Auto-Medienportal.Net/Thompsonslr

 


Veröffentlicht am: 17.08.2018

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