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Morgengruß von Helmut Harff: Wie geht denn das

… oder: Neid muss man sich verdienen

Wir alle kennen das Märchen von hässlichen Entlein, das zu einem stolzen Schwan wird. Wir kennen auch die Weihnachtsgeschichte von Rudolf dem Rentier, das erst wegen seiner roten Nase gemobbt und dann ein Star im Gespann des Weihnachtsmannes wird. Wir kennen auch die Metamorphosen, die ein Schmetterling durchmachen muss, bis er als strahlend schöner Falter von uns bewundert wird.

Wir kennen solche Verwandlungen auch bei unseren Mitmenschen. Ich erinnere mich an eine Mitschülerin, die – so würde man heute sagen – aus schwierigen sozialen Verhältnissen mit Migrationshintergrund kam. Der alleinerziehende Vater war Russe und Vater und Tochter lebten in einer Laube. Im Nachhinein mochte ich nicht in ihrer Haut stecken, denn das Mädchen wurde massiv gehänselt. Heute heißt das Mobbing. Später traf ich sie mal wieder. Aus dem hässlichen Entlein war ein schöner Schwan, sprich eine schöne Architekturstudentin geworden.

Solche Geschichten kann wohl jeder erzählen. Da ist das graue Mäuschen, der farblose Mäuserich, die plötzlich aufblühen, aus denen einfach so ein farbenfroher, lebenslustiger Schmetterling wurde. Da ist der Nachbar, von dem jeder meinte, der bekommt nie was auf die Reihe und von dem man plötzlich erfährt, dass er ein erfolgreicher Autor von Krimidrehbüchern ist. Da ist der Typ, den schon in der Schule niemand in seine Fußballmannschaft gewählt hat und der ist plötzlich mit der tollen Schauspielerin verheiratet.

Und was fragt man sich immer wieder? Wie geht das? Man fragt sich, wie hat der Typ das gemacht, wieso hat der so viel Erfolg. Man fragt sich das mit einiger Ver- und Bewunderung. Man fragt sich das aber auch mit einer gehörigen Portion Neid. Mit dem lapidaren Satz, dass der Typ es eben einfach kann, dass er es eben drauf hat, will man sich nicht zufrieden geben. Es nagt schon an einem, warum einem das nicht auch so gelungen ist.

Das hässliche Entlein konnte nichts dafür – es ist nun mal ein Schwan. Doch bis das jeder erkennt, dauert es eine Weile. Und Rudolf das Rentier? Es hatte Glück, dass es zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Was wäre wohl aus ihm geworden, wenn es an Stelle des Weihnachtsmannes den Osterhasen getroffen hätte? Glück gehört einfach zum Leben dazu, auch wenn der Volksmund meint, dass jeder seines Glückes Schmied ist.

Und meine Mitschülerin? Die erzählte mir, dass sie sich in ihre Welt zurück gezogen hatte. Und ihre Welt waren die Bücher und die Welt der Architektur. Das wunderte mich nicht mehr, war der Vater doch ein Architekt, der aber hier nur Hilfsarbeiten bekam.

Und all die anderen? Hatten wir nur gesehen, was wir sehen wollten? Wollten wir nur Looser sehen, wollten wir nur Mitmenschen sehen, die noch weniger als wir selber auf die Reihe bekommen? Wollten wir so unser Ego aufpolieren? Oder haben wir einfach gar nicht hingesehen? Waren uns die anderen egal?

Egal, was es war, die Menschen, die uns so positiv überraschen, haben nicht unseren Neid, sondern unsere Anerkennung verdient. Vielleicht geht es ja anderen Menschen auch mit uns so – sie verkennen uns. Vielleicht sollten all die, die für uns plötzlich auf der Sonnenseite des Lebens stehen, auch Ansporn sein. Sie sollten Ansporn sein, mal darüber nachzudenken, warum uns die Metamorphose vom hässlichen Entlein zum Schwan, vom Rentier mit der roten Nase zum Weihnachtsstar (noch) nicht gelungen ist. Dazu ist es nämlich nie zu Spät.

Noch lange nicht zu spät ist es für ein ausführliches Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Sonntagsfrühstück.

Foto:
Pixabay

 


Veröffentlicht am: 26.08.2018

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