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Morgengruß von Helmut Harff: Ab in die Provinz

... heißt eine Alternative

"In der Provinz bin ich der Märchenprinz ..." verkündete einst die Erste Allgemeine Verunsicherung. Sänger Klaus Eberhartinger wollte dort mit seinem Nobelhobel die Mädchen aufreißen. Wir wir wissen, bekam er eins auf sein Großstadt-Goschi. Es war für den Wiener also nichts mit der Provinz.

Und heute? Da will auch keiner in die Provinz. Alles strebt in die Metropolen. Und was machen all die Großstadt-Alt- und Neubürger? Richtig: Sie jammern. Sie jammern über die Verdrängung der Teile der Bevölkerung, die früher andere verdrängt haben, sie jammern über zu hohe Mieten, über zuviel Autos der anderen und zu wenig Parkraum für das eigene Auto, sie jammern über zu wenige Radwege und die Fahrradrowdys, sie jammern über zu wenige Kindergartenplätze und wenn es ganz schlimm kommt, dann jammern sie sogar darüber, dass es mal für wenige Sekunden nichts zu jammern gibt.

Fragt man sie, warum sie denn in der Stadt leben, dann kommt erstmal nichts und dann irgendwann werden die kulturellen Angebote, die tollen Kneipen, die tollen Möglichkeiten einer Großstadt gepriesen. Wenn man jetzt die meisten Großstädter verärgern will, so frage man sie, wann sie denn all die großartigen Möglichkeiten in den letzten Wochen auch genutzt haben, wie viele Lokalitäten sie denn kennen, in wie vielen der Kellner sie mit Namen anspricht, wie viele Dauerkarten sie für Museen, Theater und ähnliche Einrichtungen haben. Die einen senken betroffen den Kopf,  die anderen winken ab.

Doch wozu wohnen sie dann in der ungeliebten Großstadt? Um zu meckern? Das kann man auch auf einem einsam gelegenen Hof im Himalaja. Doch soweit muss man ja gar nicht aus der Großstadt wegziehen. Wie wäre es, wenn man mal darüber nachdenkt, sich außerhalb des Speckgürtels eines Molochs anzusiedeln? Nur mal so als Gedankenspiel.

Nehmen wir mal die Lausitz, so das Gebiet zwischen Cottbus und Forst und eines der wärmsten in Deutschland. Da kenne ich mich aus, da bin ich teilweise zuhause - wenn ich nicht gerade das Großstadtleben in Berlin genieße. Was spricht für diese vermeindlich abgelegene Gegend? Es ist genau die Gegend, es sind die Wälder, die Fischteiche und vor allem der Spreewald. Es sind die Universitätsstadt Cottbus, es sind herrliche Landschaftsparks, es sind Museen, es sind Theater und vieles mehr. Nur ein Beispiel? Das Staatstheater Cottbus präsentiert jedes Jahr in szenischen Ausschnitten im Fürst-Pückler-Park in Branitz sein neues Jahresprogramm. Allein am vergangenen Wochenende strömten dazu gut 6.000 Menschen in den Park. Vergleicht man so etwas mit Berlin, so müssten zu einer ähnlichen Veranstaltung in den Tiergarten knapp 240.000 theaterinteressierte Besucher kommen.

Nichts los in der Provinz? Stimmt! In der ganzen Lausitz gibt es in einer Woche nicht so viele Events welcher Art auch immer, wie an einem Abend in Berlin. Doch wer besucht schon jeden Abend in Berlin oder einer anderen Großstadt ein Event? Und mal ehrlich, was soll einen abhalten, mal kurz nach Berlin, nach Dresden oder Leipzig zu fahren. Alles ist aus der Lausitz in gut anderthalb Autostunden zu erreichen. So lange bin ich manchmal schon in Berlin unterwegs.

Und dann sind da noch die Jobs, die Kindergärten und die Mieten, sprich Wohnungen. Die sind in Berlin und anderen Großstädten knapp und damit teuer. In der Provinz sieht das ganz anders aus. Da werden Mieter sogar noch offiert. Und Kita-Plätze? Die gibt es im Vergleich zu Großstädten auch hier zahlreicher. Bleibt die Frage nach Jobs. Da alles in die Großstädte strebt, finden die Firmen immer weniger Mitarbeiter. Also auch das ist nicht das Problem.

Ja, wer sich traut, die Großstadt zu verlassen, muss sich genau umsehen wo er hinzieht. So gibt es hier eine tolle Internetverbindung und nur wenige 100 Meter entfernt passiert fast nichts. Es ist auch so, dass man ohne Auto vielfach aufgeschmissen ist. Es ist eben auch in der Provinz nicht alles Gold was glänzt. Eines ist aber sicher: Meckern kann man auch da über sehr vieles.

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 30.08.2018

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