Startseite  
 

 


Vorherigen Artikel lesen Nächsten Artikel lesen

 

Morgengruß von Helmut Harff: Nur ein Popanz

... die ach so gefürchtete Stasi

Sicherlich werden jetzt viele denken, ich hätte den Verstand verloren und alle, die unter dem Treiben der DDR-Staatssicherheit leiden mussten, werden mir den Teufel oder sonst was an den Hals wünschen.

Und doch, ich habe schon zu DDR-Zeiten nicht an die Allmacht der von so vielen gefürchteten Stasi geglaubt. Heute wie damals bin ich davon überzeugt, dass die Stasi vor allem damit beschäftigt war, sich selber zum Popanz aufzubauen.

Wie ich darauf komme? Ich habe gestern meine Stasi-Akte in der Post gehabt – übrigens schneller als erwartet. Es waren ungefähr 50 Seiten, 50 absolut nichtssagende Seiten, die mich aber erfreut haben. Die meisten Seiten enthalten Briefe, Briefe, die ich nicht mehr habe. Nun kann ich in Ruhe wieder lesen, was mein republikflüchtiger Schulfreund und ich uns gegenseitig geschrieben haben. Nur schade, dass die Stasi technisch so schlecht ausgestattet war, dass die Qualität der Kopien so schlecht ist.

Damit, dass mein Briefwechsel überwacht wurde, habe ich gerechnet. Wir hätten ja auch meine Fluchtpläne per Post diskutieren können. Für wie blöd haben die mich eigentlich gehalten? Die Schlapphüte waren sogar so unwissend, dass sie nicht einmal wussten, was mein Freund eigentlich beruflich macht. Komisch, aller anderer Briefwechsel – zum Beispiel mit einem aus heutiger Sicht linksradikalen Studenten aus Westberlin – interessierte die Stasi augenscheinlich nicht.

Noch verwunderlicher ist, dass ich nichts über meine beruflichen Aktivitäten gefunden habe. Es gibt auch nichts zu dem Fakt, dass man mich nicht mehr in den Kreisen der SED geduldet hat, dass ich den Rauswurf von Wolf Biermann öffentlich kritisiert habe. Auch darüber, dass mich die Stasi auf meine Zuverlässigkeit bezüglich beruflicher Reisen in den Westen überprüft hat, findet sich in meiner Stasi-Akte nichts. Selbst über einen Anwerbeversuch seitens der Stasi ist kein Wort zu lesen.

Ehrlich, irgendwie war ich darüber sogar enttäuscht. Ich wollte schon erfahren, wie mich die Stasi eingeschätzt hat und wer da Berichte geschrieben hat. Entweder ich war so unwichtig – was durchaus möglich ist – oder die Stasi hatte einfach besseres zu tun, als mich bespitzeln zu lassen. Zumindest hatte sie kein Interesse an einem, der in seinem Heimatbezirk 1989 das Neue Forum mit gegründet hat.

Doch an wem hatte dann die Stasi wirklich Interesse? An spektakulären Fällen, die ihren Niederschlag auch in den Westmedien fand? Waren diese Menschen für die Stasi so wichtig, weil es mit ihnen gelang, sich ein ganz besonderes Image zuzulegen? Hat man so sein Image aufgebaut, überall und allgegenwärtig zu sein? Hat man es so geschafft, dass sich die Menschen in der DDR gegenseitig der Spitzeldienste für die Stasi beschuldigten?

Ich weiß es nicht, ich bin mir nur sicher, dass die Mielke-Truppe wohl nicht so gewaltig war, wie sie selber von sich glaubte. Das scheint die Stasi mit ihren Kollegen im anderen deutschen Staat gemeinsam zu haben. Wieso? Haben Sie schon mal irgendwo davon gehört, dass irgend ein Deutscher Geheimdienst auch nur eine blasse Ahnung davon hatte, was da am 9. November 1989 passierte? Hatte je ein deutscher Geheimdienstler  auch nur einen Hauch von Ahnung, dass die Mauer aufgehen würde und die DDR Geschichte sein würde? Wäre das aber nicht vor allem die Aufgabe der Stasi – die sich gern selber als Schild und Speer der Partei (SED) bezeichnete – gewesen? Satt dessen öffnete sie lieber meine Post. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich sogar darüber lachen.

Da kommt mir das Frühstück gerade recht. Frische Brötchen, die gönne ich auch allen Schlapphüten. Die haben ja sonst nicht viel.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Sonntagsfrühstück.

Foto: Pixabay

 


Veröffentlicht am: 16.09.2018

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

NewsletterNewsletter bestellen und abbestellen

TwitterFolge uns auf Twitter

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Hoch: Hoch zum Seitenanfang

Nächsten Artikel: lesen

Vorherigen Artikel: lesen

 

 


Werbung

 



Neu auf genussmaenner.de


 

 
         
             
     
     
     

 

Service
Impressum
Kontakt
Mediadaten
Newsletter
Datenschutzhinweis
Nutzungshinweise
Presse
Redaktion
RSS 
Sitemap
Suchen

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk
| Börsen-Lexikon - erklärt die Börse
| fotomensch berlin - der Fotograf von genussmaenner.de
| Frauenfinanzseite - alles für die Businessfrau
| Geld & Genuss - Lifestyle, Finanzen und Vorsorge für alle
| geniesserinnen.de - Genuss auch für die Damen
| gentleman today - Edel geht die Welt zu Grunde
| instock der Börseninformationsdienst
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet - unser Partner für WebDesign, CMS, SEO, ...
| Unter der Lupe bewertet Gutes

 

Rechtliches
© 2007 - 2018 by genussmaenner.de, Berlin. Alle Rechte vorbehalten.

Lesezeichen:
 Del.icio.us Google Bookmark Reddit