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Schenkung von Georg Baselitz

... an das Musée Unterlinden in Colmar

Angeregt vom Engagement des Musée Unterlinden, das dem jüngsten Werk des Künstlers die Ausstellung Corpus Baselitz (– 4. November 2018) widmet, und beeindruckt von der ausschließlich positiven Rezeption der Schau wird Georg Baselitz’ großformatiges Ölgemälde Di nuovo arrivato (180 x 300 cm) aus dem Jahr 2015 dem Museum in Colmar als Schenkung übergeben.

Die Sammlungen des Museums werden damit um ein Werk eines der größten zeitgenössischen deutschen Künstler bereichert.

Frédérique Goerig-Hergott, Chefkonservatorin am Musée Unterlinden und Kuratorin der Ausstellung Corpus Baselitz, erklärt zur Vorgeschichte dieser außergewöhnlichen Schenkung: „Georg Baselitz hat dem Musée Unterlinden bei der Realisierung der Ausstellung Corpus Baselitz und des Begleitkatalogs absolutes Vertrauen entgegengebracht. Der Künstler hat uns darüber hinaus während der Vorbereitungen in sein Atelier und zu einem längeren Interview eingeladen und er war während der Pressekonferenz sowie der Vernissage mit seiner Familie, mit Freunden, Kunstsammlern und Galeristen anwesend. Während des Vernissage-Diners im Kreuzgang des Museums befragte er mich zum rechtlichen Status der in den französischen Museen aufbewahrten Kunstwerke. Dabei wies ich ihn auf die Unveräußerlichkeit von Kunstwerken im Eigentum des französischen Staates hin und erklärte ihm, dass im Falle einer Schenkung das Kunstwerk in das Inventar des Museums aufgenommen würde und unter keinen Umständen veräußert werden dürfte. Des Weiteren versicherte ich ihm, dass sein Werk zusammen mit den Exponaten der von ihm geschätzten Künstler (Dubuffet, Picasso…) in der Sammlung moderner Kunst präsentiert werden würde, parallel zur ehemaligen Kapelle mit dem Isenheimer Altar: „Sie wären hier für alle Zeiten in direkter Nähe zu Grünewald vertreten!“ Diese ebenso offene wie gewagte Antwort schien ihn zu amüsieren und er nickte zustimmend.“

Seit der Eröffnung im Juni 2018 hat Baselitz das Museum zwei Mal besucht, um seine Ausstellung zu sehen, zu genießen und sich über deren Verlauf zu informieren. Bei seinem letzten Besuch erklärte er gegenüber Frédérique Goerig-Hergott: „Das Museum Unterlinden hat großen Mut bewiesen mit der Entscheidung, in einer Ausstellung lediglich meine späten Bilder aus den vergangenen Jahren zu präsentieren. Und diese dem Isenheimer Altar gegenüberzustellen. So etwas sieht man normalerweise nur in Kunstmetropolen wie London oder Paris. Für diesen Mut und die wunderbare Zusammenarbeit möchte ich mich mit meinem Geschenk an das Museum bedanken.“

Am Ende der Ausstellung Corpus Baselitz, in der es derzeit zu sehen ist, wird Di nuovo arrivato in die Sammlungen des Musée Unterlinden übergehen. Das Kunstwerk wird künftig im Ackerhof zu sehen sein, dem vom Architekturbüro Herzog & de Meuron errichteten Neubau, der die Gestalt der einstigen Klosterkapelle mit dem Isenheimer Altar aufgreift. Dort befindet es sich in unmittelbarer Nähe zu zwei großen Meistern des 20. Jahrhunderts, Picasso und Dubuffet, die Baselitz wesentlich beeinflusst haben.

Das Gemälde Di nuovo arrivato

Di nuovo arrivato ist ein emblematisches und gleichzeitig das erste Werk einer neuen Reihe von überaus intimen und kompromisslosen Selbstporträts, die Baselitz Anfang 2015 schuf. In dieser neuen Wandlung, in der er Format und Bildausschnitt veränderte, entstanden zwischen April und Juni 2015 insgesamt 6 monochrome Bilder auf schwarzem Grund. Als Motiv ist einzig der vom Alter gezeichnete, vom Rumpf abgeschnittene, auf seine Fleischlichkeit reduzierte Körper des Künstlers zu erkennen. Das Querformat und das Motiv der im leeren Raum schwebenden Beine vermitteln ein beruhigendes Gefühl, das diese einsame Arbeit von Baselitz charakterisiert. Form, Farbpalette und das Sujet des verunstalteten Körpers bilden ein zeitgenössisches Echo auf die berühmten Gemälde und Predellen alter und moderner deutscher Meister (Grünewald in Colmar, Holbein in Basel, Dix in Dresden).

Der Gegensatz aus dem abstrakten – leeren und schwarzen – Raum und der großzügig mit kraftvoller Geste aufgetragenen Farbmaterie verleiht dem Bild eine Raffinesse, die mit dem Sujet kontrastiert und die sakrale Dimension unterstreicht. Der Titel Di nuovo arrivato widerspricht dem scheinbar tragischen Charakter des Sujets; es kündet von der Rückkehr des Künstlers auf die Bühne der Kunst. Die Affirmation von Baselitz’ Wiedergeburt in dem Gemälde hatte entscheidenden Anteil daran, dass dieses Werk in die Sammlungen des Musée Unterlinden eingehen wird.

Die Ausstellung Corpus Baselitz ist noch bis zum 4. November 2018 zu sehen

Anlässlich seines 80. Geburtstags widmet das Musée Unterlinden Georg Baselitz eine große Ausstellung, in der erstmals ein Korpus aus rund 70 Werken zu sehen ist – Malereien, Zeichnungen und Skulpturen –, die der Künstler in den vergangenen vier Jahren geschaffen hat und in denen er seinen eigenen Körper und seinen Platz in der Kunstgeschichte hinterfragt.

Unter dem Titel Corpus Baselitz werden diese meisterhaften Werke im Erweiterungsbau des Musée Unterlinden präsentiert, der 2015 vom Architekturbüro Herzog & de Meuron in Colmar errichtet wurde. Dasselbe Architekturbüro zeichnete vor zehn Jahren auch für den Neubau von Baselitz’ Haus und Atelier in Oberbayern verantwortlich. Die ebenso intime wie kraftvolle und berührende Ausstellung dieses großartigen Künstlers ist noch bis zum 4. November 2018 in Colmar zu sehen. Thema, Form, Monumentalität sowie Material und Farbigkeit von Baselitz’ Werken bilden ein zeitgenössisches Echo auf Grünewalds Tafeln des Isenheimer Altars, dem zentralen Meisterwerk des Musée Unterlinden. Als Introspektion, die einer regelrechten Entblößung gleichkommt, präsentiert sich sein jüngstes Œuvre gleichzeitig als Neubeginn, Wiedergeburt und Rückkehr zu den Anfängen.

Musée Unterlinden
mhsiberlin@musee-unterlinden.com 
www.musee-unterlinden.com

Foto: Jochen Littkemann

 


Veröffentlicht am: 15.10.2018

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