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22.02.2019

 

 


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Morgengruß von Helmut Harff: Es grünt so grün

Die Sprache macht es

Die beste Frau der Welt und ich begangen den ersten Tag des neuen Jahres im Staatstheater Cottbus. Dort stand das Musical „My Fair Lady“ auf dem Spielplan. Ich erwartete einen volkstümlichen Klamauk a la Volkstheater und wurde enttäuscht.

Nein, ich wurde nicht wirklich enttäuscht, sondern sehr positiv überrascht. Was Regisseur Michael Wallner da im für das Stück nicht typischen Bühnenbild von Till Kuhnert auf die Bühne des wunderschönen Jugendstiltheaters in der Lausitz brachte, überraschte (auch musikalisch), überzeugte, machte Spaß und nachdenklich zugleich. Das vollbesetzte Haus spendete minutenlangen Schlussapplaus – und das mehr als zurecht.

Im Stück geht es ja darum, dass der Phonetikforscher Higgins aus dem Blumenmädchen Eliza eine Dame machen will. Eliza ist das, was man heute abgehangen und bildungsfern bezeichnen würde. Ihre Sprache ist ein völlig unschicklicher Gossenjargon, wie ihn einst Cindy aus Marzahn hinbekam. Sie berlinert wie der sprichwörtliche Berliner Droschkenkutscher, der heute eher mit türkisch-berliner Dialekt daher kommt.

Meine Frage war, wie wichtig ist heute die Sprache? Was macht es mit Menschen, wenn sie eher wie Eliza daher kommen? Man sieht es an Cindy aus Marzahn, der Stand-up-Komikerin im pinkfarbigen Unterklassen-Hausanzug. Sie ist für mich die moderne Eliza, ein (kreiertes) Gossenmädchen, aus dem irgendwann wieder die Frau Ilka Bessin wurde, die eben ohne ihre Herkunft zu verbergen ganz anderes mit der Sprache, mit dem gesprochenen Wort umgeht.

Umgehen mit der Sprache, das müssen wir lernen, doch wer lehrt uns das? Sind das Typen wie Cindy aus Marzahn oder ihre Kollegen? Vielleicht sind sie es viel mehr, als sonstige Menschen, die wir häufiger hören. Sind es die Politiker? Wohl eher nicht, wenn man denen zuhört. Die meinen, wenn sie dem Volk, also Eliza oder Cindy aus Marzahn, aufs Maul schauen, dann wird man sie schon wählen. Stimmt das? Wenn man sich Politiker wie den Bundespräsidenten, den Bundestagspräsidenten oder die Kanzlerin ansieht und vor allem anhört, so scheint das nicht der Fall zu sein. Die drei sind drei gute Beispiele dafür, dass man mit einer klaren Sprache, an der sicherlich auch Professor Higgins seine Freude hätte, Menschen für sich einnehmen kann.

Was sagt uns das? Mir sagt es, dass nicht Kleider, sondern seine Sprache einen Menschen ausmachen. Wie oft denkt man, die oder der sehen toll aus, aber hoffentlich macht er nicht den Mund auf. Die Bühnenfigur Eliza Doolittle aus der Feder von Georg Bernhard Shaw und Robert Gilbert, zeigt aber auch, dass der, der an seiner Sprache arbeitet nahezu zwangsläufig auch an seinem gesamten Erscheinungsbild arbeitet. Wer seinen Wortschatz erweitern will, muss auch seinen Horizont erweitern, muss viel für seine Bildung tun. Das wiederum  sorgt für deutlich mehr Selbstsicherheit.

Für mich war ein Ergebnis des gestrige Theaterabends die Erkenntnis, dass wir viel mehr für unsere Sprache, für unsere Sprachkompetenz tun müssen. Dass das nie zu spät ist, zeigt eben das Blumenmädchen Eliza, aus der eine selbstbewusste Frau wurde, die sowohl ihren versoffenen Vater als auch ihren „Macher“ Professor Higgins nicht mehr braucht. Sprache ist demnach ein wichtiger Baustein dafür, selbstsicher, selbstbewusst und auch erfolgreich durchs Leben gehen zu können.

Also Alter, ick mache mir jetzt erstmal eenen Topp Kaffee und kieck denn mal, ob noch een Brötchen innen Kühlschrank is.

Ihnen wünsche ich einen genussvolles Frühstück. Gehen Sie doch auch mal wieder ins Theater.

Foto: Klaus Gigga, Staatstheater Cottbus

 


Veröffentlicht am: 02.01.2019

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