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Fatbike, oder: „Was interessieren mich Trends!“

... ein Kommentar von Gunnar Fehlau

Vom Exoten über den Hype zur vitalen Nische – das Fatbike hat sich seit seiner Markteinführung sprunghaft entwickelt und ist mittlerweile eher etwas für Fahrradfreaks.

Doch nicht nur im Winter haben Räder mit den breiten Reifen ihre Daseinsberechtigung, findet pd‐f‐Gründer Gunnar Fehlau.

Kaum ein Fahrrad hat mir soviel neue Freude, Freunde und Wege gebracht wie mein Fatbike. Daran ändert sich auch nichts, nur weil es um diese Mountainbikes mit den extra breiten Reifen ruhiger geworden ist. Der Hype und sein schnelles Verschwinden offenbaren mehr über Funktionsweise und Denken einer Branche als über die Qualitäten einer Radgattung.

Schauen wir zurück: Nachdem die europäische MTB‐Szene den 29‐Zoll‐Trend verpennt hatte und viele Hersteller nur noch hinterher hechelten, wollte kein Produktmanager sich vorwerfen lassen, den nächsten Trend verschlafen zu haben. Aus den USA mehrten sich die Berichte von Snowbikes, die verstärkt auch an den Stränden Kaliforniens und den Wüsten nahe Mexiko gesichtet wurden. Pragmatisch wie der Ami ist, überwand er diesen Widerspruch, indem er das Snowbike kurzerhand in Fatbike umtaufte.

Europäische Medien griffen die Geschichten auf, suchten nach Test‐Bikes und fanden in Deutschland eigentlich nur das „Pugsley“ von Surly. Und weil das Rad eigentlich ständig ausverkauft war, verstärkte sich das Trendgefühl zusammen mit den ersten Ankündigungen großer Bike‐Marken und europäischer Hersteller, für die kommende Saison ebenfalls Fatbikes im Programm zu haben. Als Gary Fisher, einer der Erfinder des Mountainbikes, verlauten ließ, dass in Zukunft mindestens 20 Prozent aller neuen Mountainbikes Fatbikes seien, sprachen endgültig alle vom „nächsten großen Ding“.

Zwar kann das Fatbike meiner Ansicht nach alle Versprechen einhalten, die sich aus seinen Möglichkeiten ableiten, nicht jedoch die überhöhten Erwartungen der Radbranche. So dauerte es nicht lange, bis erste Hersteller und Händler Fatbikes verramschten. Mehr und mehr Hersteller reduzierten ihr Engagement beim Fatbike wieder und lenkten ihre Ressourcen ins aufstrebende E‐MTB.

Das Fatbike ist nun wieder fest in Händen der Marken, die es auch einst salonfähig machten (z. B. Surly, Salsa) und lebt in dieser Nische vital als „Omniterra‐Nutzspielzeug“, wie es Stefan Stiener von Velotraum einmal nannte. Mit dem Fatbike fahre ich auf Untergründen, die mit dem herkömmlichen Fahrrad oder Mountainbike quasi unfahrbar sind: Schnee, Sand, Matsch und Kies, hier fühlt sich das Fatbike zu Hause und nimmt mich mit. Ob frostiger Wald, Wattenmeer, verschneite Fjellstraße in Norwegen oder matschiger Pilgerweg in Portugal – das Fatbike rollt weiter. Und genau diese Vielseitigkeit macht das Fatbike einzigartig.

Nicht jeder braucht diese in seinem Leben, nicht jeder möchte diese in seinem Leben, nicht jeder verträgt diese in seinen Leben. Für mich ist das Fatbike das, was für viele Frauen ein Ballkleid ist: Die meiste Zeit im Jahr hängt es ungenutzt im Schrank und versprüht das gute, fast glamouröse Gefühl, auch spontan einer entsprechenden Einladung folgen zu können und kommt in Wahrheit gar nicht so oft zum Einsatz. Aber ist dies der Fall, dann hat es seinen großen Auftritt. Und so freue ich mich etwa auf den Winter. Der Schnee pudert die Trails und mein Fatbike rollt.

Mit meinem Fatbike mache ich bestimmt nicht die meisten Kilometer im Jahr, aber sicher mit die schönsten. Unbezahlbar!

Foto: www.ortlieb.com | Russ Roca | pd-f

 


Veröffentlicht am: 09.01.2019

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