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Wie wenig Plastik ist möglich?

Tchibo und das neue Verpackungsgesetz

(Sandra Coy/Chefredakteurin Blog & Sprecherin Unternehmensverantwortung bei Tchibo) Im Handel kommen wir nicht ohne Verpackung aus. Schließlich müssen die Produkte auf ihrem langen Weg vom Produktionsort zum (hoffentlich) glücklichen Kunden ausreichend geschützt werden.

Klar ist: beschädigte Artikel sind betriebswirtschaftlich und ökologisch betrachtet nicht sinnvoll. Dennoch bewegen wir uns beim Thema Verpackung auf einem schmalen Grad: wie viel ist nötig, wie wenig ist möglich? Bietet die Verpackung genug Platz, um alle rechtlichen Pflichtangaben gut lesbar aufzudrucken? Muss es Plastik sein? Gibt es ökologisch sinnvolle Alternativen? Sind die Stoffe recycelbar?

Neue Verpackung: so wenig Plastik wie möglich

Der Gesetzgeber nimmt seit 1. Januar 2019 Unternehmen mit dem neuen Verpackungsgesetz nun stärker in die Pflicht. Jedes Unternehmen, das Verpackungen in den Umlauf bringt, muss auch dafür sorgen, dass sie zurückgenommen und recycelt werden. Damit das weit mehr Firmen als bisher tun, wurde die alte Verpackungsverordnung durch das neue Verpackungsgesetz ersetzt.

Was heißt das genau? Alle Unternehmen, die Verpackungen in Umlauf bringen, müssen sich bei der mit der Koordination beauftragten Zentralen Stelle Verpackungsregister registrieren. Wie bisher müssen sie ihre Verpackungen von einem der Dualen Systeme lizensieren lassen. Damit sich in Zukunft aber keiner mehr vor seiner Verantwortung drücken kann, werden die Daten von der Zentralen Stelle und den Dualen Systemen jetzt zentral abgeglichen. So erreicht der Gesetzgeber eine höhere Transparenz und eine gerechtere Kostenverteilung als vorher.

Außerdem steigen die gesetzlich vorgegebenen Recyclingquoten, insbesondere für Kunststoff-Verpackungen. Im Jahr 2022 sollen effektiv 63% dieser Verpackungen stofflich recycelt werden, aktuell sind dies 36%. Wir sprechen also fast über eine Verdopplung innerhalb von wenigen Jahren. Tchibo hat bereits seit 2015 eine Verpackungsstrategie, mit einem Prinzip von vier V’s: Wir wollen Verpackungen vermeiden, vermindern, verwerten und verbessern.

Mein Kollege Stefan Dierks, Umwelt-Experte im Bereich Unternehmensverantwortung, weiß mehr.

Stefan, was macht Tchibo, um die Umverpackung recyclingfähiger zu gestalten?
Stefan Dierks:
Generell überprüfen wir fortlaufend, ob sich unsere bestehenden Verpackungslösungen optimieren lassen. Um Umverpackungen nachhaltiger zu gestalten, gibt es vor allem zwei Ansatzpunkte: Der erste ist die Größe, der zweite ist die Wahl des Materials. Konkret: Wie groß muss die Verpackung wirklich sein? Reicht eine Banderole oder muss das Produkt ganz eingepackt, sprich geschützt werden. Beim Material stellen sich Fragen, wie: Ist Pappe (auch ökologisch) sinnvoll, oder muss es Plastik sein? So haben wir etwa angefangen, den Polybeutel aus Plastik durch eine Banderole aus Pappe zu ersetzen – immer da, wo das für Transport und Kundeninformation ausreicht. Dabei prüfen wir auch, ob grundsätzlich nur ein einziges Verpackungsmaterial ausreicht – was leichter zu recyceln ist – oder ob es ein Verbundmaterial sein muss. Und wir klären, ob die Verpackung aus wiederverwertetem Material bestehen kann oder z.B. auch aus nachwachsenden Rohstoffen mit Öko-Siegel wie Pappe mit FSC® Zertifizierung.

Gibt es Experten, die sich nur mit Verpackungen beschäftigen?
Stefan Dierks:
Ja, wir haben in allen Geschäftsbereichen eigene Teams von Verpackungsentwicklern, die entsprechende Lösungen suchen. Sie arbeiten eng mit externen und internen Partnern zusammen: Mit Rohstofflieferanten, Maschinenbauern und Verpackungsherstellern – sowie unseren Produktdesigern. Das alles ist Teil unserer Verpackungsstrategie, mit der wir seit über vier Jahren intensiv beschäftigen.

Wo stoßen wir (noch) an Grenzen?
Stefan Dierks:
Bei einem empfindlichen Produkt wie Vakuum verpacktem Kaffee. Hier können wir noch nicht darauf verzichten, unterschiedliche Materialien zu verwenden, um für unsere Kundinnen und Kunden das Aroma und die Produktqualität sicherzustellen.

Oft werden wir – vielleicht zu recht – für zu viel Plastik bei den Verpackungen kritisiert…
Stefan Dierks:
Für die Umwelt kann Kunststoff manchmal das bestgeeignete Verpackungsmaterial sein, da er bei vielen Verpackungsformen hinsichtlich Ressourcen- und Energieverbrauch sowie Recycelbarkeit besser abschneidet als andere Materialien. In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern gibt es bereits gemäß EU-Recht entsprechende Sammel-  und Entsorgungssysteme, die verhindern, dass die Kunststoffe im Boden oder Gewässern entsorgt werden.

Sind unsere Versandkartons zu groß?
Stefan Dierks:
Wir haben die Zahl der unterschiedlichen Versandkartongrößen deutlich erhöht, um mit jeder Sendung möglichst wenig Luft zu transportieren. Auch kann statt des Kartons eine recycelbare Kunststofftasche die bessere Lösung sein. Darüber hinaus prüfen wir momentan ein Projekt mit mehreren Partnern zum Thema Mehrweg bei Versandverpackungen.

Thema Einwegbecher und Plastiktüten, hier gibt es ja große Erfolgsmeldungen?
Stefan Dierks:
Ja, seitdem wir die Kostenpflicht für Plastiktüten vor zwei Jahren eingeführt haben, ist der Verbrauch um 90 (!) Prozent zurückgegangen. Parallel bieten wir zum günstigen Preis hochwertige Mehrwegtragetaschen an. Auch unser Angebot, 10 Cent Rabatt pro Heißgetränk für die Nutzung eines mitgebrachten Mehrwegbechers (auch wir bieten Becher zum günstigen Kaufpreis an) zu bekommen, wird gut angenommen. Dies ist aber ehrlicherweise noch steigerungsfähig. Hier wollen wir unsere „To Go“ Kunden noch weiter inspirieren und animieren.

Was ändert sich für Tchibo nun durch das neue Verpackungsgesetz?
Stefan Dierks:
Auf unserem Weg zu einer 100% nachhaltigen Geschäftstätigkeit sind nachhaltige Verpackungen natürlich nicht erst seit den aktuellen Gesetzesvorhaben ein Thema. Wir setzen generell so wenig Verpackung wie nötig ein, vermeiden Verpackungsabfälle und sorgen dafür, dass unsere Verpackungen nach Gebrauch in den Rohstoffkreislauf, z.B. über das Duale System oder die Papiertonne zurückgeführt werden. Aber auch für uns ist das Thema nachhaltige Verpackung und Recyclingfähigkeit kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir werden dauerhaft weiter daran arbeiten müssen, gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern in den Lieferketten sowie mit anderen Handelsunternehmen noch besser zu werden.

Wie schätzt du die Situation generell ein: Wird sich durch das neue Verpackungsgesetz etwas verändern, wird Müll reduziert?
Stefan Dierks:
Ich glaube fest daran. Durch die Verschärfung des Gesetzes und vor allem durch die strengeren Kontrollen werden sich mehr Unternehmen beteiligen als bisher, da sonst Geldbußen und Verkaufsverbote drohen. Darüber hinaus fördert das Gesetz Anreize, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und den Einsatz von Recyclaten und nachwachsenden Rohstoffen zu steigern. Dies führt bereits seit vergangenem Jahr zu vermehrten Investitionen in Sortier- und Recyclingtechniken. Dadurch wird sich die Recyclingquote allgemein sicher erhöhen – und letztendlich werden auch weit mehr Unternehmen als bisher auf nachhaltige Verpackungslösungen setzen.

 


Veröffentlicht am: 10.01.2019

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