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Wasserfall, Feuersturm und 12 Töne

Carlus Padrissa inszeniert im Münchner Nationaltheater Ernst Kreneks "Karl V."

(Von Joseph Scheppach) Im Reich von Kaiser Karl V. (1520 bis 1556)  ging die Sonne nicht unter, so groß war es. Und doch spürte der Herrscher Ohnmacht. Eigenwillige Kurfürsten, ein launischer Papst, Geldnot und Krankheit hielten den Habsburger in Atem, dazu drei Gegner: Frankreich, die Osmanen und Martin Luther.

Dass Karl V. eine historisch besondere Figur ist, erkannte auch der Komponist Ernst Krenek - und schuf eine historisch besondere Oper. Er nannte sie ein "Bühnenwerk mit Musik". Es war die erste abendfüllende Oper, die nach Schönbergs Zwölftontechnik komponiert ist, die Uraufführung fand 1938 in Prag statt. Krenek, von den Nazis verachtet, emigrierte im gleichen Jahr in die USA.

Die Bayerische Staatsoper bringt dieses selten gespielte Werk (in München zuletzt 1965) nun wieder auf die Bühne. Carlus Padrissa führt die Regie gemeinsam mit der Theatergruppe "La Fura dels Baus", bekannt für ihre großen Event-Inszenierungen.

Mit deutlichen Akzenten zeigt die Regie, worin die brennende Aktualität von Karl V. besteht – in der zentralen Frage:  Wie können unterschiedliche lokale Interessen in einem gemeinsamen Europa beachtet werden? "Wir aber wollen Deutsche sein, nicht Weltbürger!" So brüllen die Landsknechte in Ernst Kreneks Geschichtspanorama "Karl V.".  Könnte eine Oper aktueller sein? Wie Karls Weltreich zerbröselt die Europäische Union, überall erstarkt der totgeglaubte Nationalismus.

Die Handlung der Oper setzt zu einem Zeitpunkt ein, in derKarl abgedankt hat und sich in die Nähe eines Klosters in Spanien zurückzieht. Gegenüber seinem Beichtvater erinnert er sich an wichtige Stationen in seinem Leben.
Kreneks hochexpressive Musik kommentiert die Handlung. Die Musik ist mit Saxophon oder Mandoline raffiniert instrumentiert, ist voll rhythmischer Verve und Lyrik.

Die Bühne bietet eine enorme Wasserfläche, das Feuer wird zum Signal, artistisch an variablen Seilen hängende Menschen-Skulpturen segeln, schweben, fliegen durch die Lüfte – vor vielfach verschiebbaren Spiegelflächen, die zusammen mit den kosmischen Video-Projektionen magische Raumeffekte zaubern.

Zwischen Wasserfall und Feuersturm agiert das riesige, exzellent besetzte Personal – hervorragend einstudiert von Stellario Fagone: angefangen vom dänischen Tenor Bo Skovhus als Karl V. und Gun-Brit Barkmin als Karls Schwester über Wolfgang Ablinger-Sperrhacke, der den französischen Widersacher Franz den Ersten gibt, bis hin zu Scott MacAllister, der als Jesuit Borgia die Dogmen der Kirche vertritt. Die spanische Malerin Lita Cabellut hat das Ensemble in symbolträchtige Fantasie-Kostüme gesteckt.

Umsichtig, klar und differenziert leitet der Dirigent Erik Nielsen das Bayerische Staatsorchester durch Kreneks hochanspruchsvolle Partitur. Quintessenz der historischen Revue ist die Einsicht, dass die reichssprengenden Kräfte übermächtig und anscheinend gottgewollt waren. „Der Weise lässt die Gewalt den Weg gehen und greift nicht ein. Das ist der Sinn der Herrschaft“. Dieser Anruf Karl V. konnte damals nicht gehört werden – schon gar nicht in dem neuen, auf Nationalismus gegründeten Großdeutschen Reich.

Viel Hochaktuelles findet sich in den Texten und das Kaleidoskop auf der Bühne ist atemberaubend. Zwei höchst anstrengende, aber absolut packende Stunden. Nichts wie hin!

Die nächste Vorstellung findet am Sonntag, 14. Juli statt.
Mehr darüber und das Programm finden Sie hier.

Foto: Wilfried Hösl

 


Veröffentlicht am: 27.02.2019

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