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Feinstaub gefährlicher als Stickoxide

... so die Akademie der Wissenschaft

Die nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang März gebeten, sich mit den von der EU beschlossenen Grenzwerten zur Luftverschmutzung zu befassen, die durch Dieselabgase verursacht wird.

Jetzt liegt das Gutachten vor und es setzt andere Schwerpunkte als die Politik in Deutschland und der EU. Die Wissenschaftler halten Feinstaub für wesentlich gefährlicher als Stickstoffdioxid.

Die Leopoldina hatte ihre Stellungnahme am Dienstag in Berlin vorgelegt. Dort heißt es, die Verengung der Diskussion auf Stickstoffdioxid sei nicht zielführend. Für die Gesundheit sei Feinstaub deutlich bedrohlicher: „In den vergangenen Jahrzehnten ist die Schadstoffbelastung der Luft deutlich zurückgegangen. Das gilt auch für Stickstoffdioxid und Feinstaub. Dennoch sind bei Stickstoffdioxid immer wieder und bei Feinstaub sehr selten Überschreitungen der geltenden Grenzwerte zu beobachten. Feinstaub entsteht nicht nur aus direkten Emissionen, sondern zu einem wesentlichen Teil auch aus Gasen wie Stickstoffdioxid und Ammoniak; dieser Anteil wird bisher nicht systematisch erfasst.“

Feinstaub gefährde die Gesundheit weitaus stärker als Stickstoffdioxid, so die Leopoldina. „Angesichts dieser vergleichsweise geringeren Gesundheitsbelastung durch Stickstoffdioxid erscheint eine Verschärfung des geltenden Grenzwerts aus wissenschaftlicher Sicht nicht vordringlich.“ Dagegen sollte eine weitere Reduktion der Feinstaubbelastung angestrebt werden – auch wenn die weniger strengen EU-Grenzwerte für Feinstaub hierzulande eingehalten und zum Teil deutlich unterschritten werden.

Zu Fahrverboten haben die Wissenschaftler offenbar auch eine Meinung. Danach sind lokale Maßnahmen und kurzfristiger Aktionismus wenig hilfreich. Die Wissenschaftler empfehlen, neben dem Straßenverkehr weitere relevante Schadstoffquellen in den Blick zu nehmen. Dabei weisen sie darauf hin, dass Feinstaub nicht nur beim Verbrennungsvorgang, sondern auch als Abrieb von Reifen, Bremsen, Straße und auch von Schienen des Bahnverkehrs stamme. Zur Belastung tragen demnach außerdem Verbrennungsprozesse im Haushalt, Landwirtschaft und Industrie bei. Die Vielfalt teils auch kleiner Emittenten lasse eine bundesweite, ressortübergreifende Strategie zur Luftreinhaltung nötig werden, die neben Stickstoffoxiden und Feinstaub auch andere Schadstoffe und Treibhausgase aus allen Quellen berücksichtige.

In ihrer Stellungnahme verweisen die Wissenschaftler auch darauf, dass die Aufstellung von Messstationen zwar gesetzlich geregelt sei, in der Praxis aber schon kleine Abweichung bei der Einrichtung der Stationen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, auch dann, wenn die Aufstellung im Rahmen der Vorschriften erfolgt. Die Ergebnisse könnten daher nicht mit einander verglichen werden. In ihrer Stellungnahme empfehlen die Wissenschaftler deshalb weitere Harmonisierungen der Messtechniken und der Aufstellungsbedingungen.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften sieht Forschungsbedarf zu Luftschadstoffen „hinsichtlich ihrer Erfassung, der Modellierung ihrer Ausbreitung und Wirkungen, zu Gesundheitsbelastungen, vor allem durch ultrafeine Stäube“ sowie zu Strategien ihrer Vermeidung und zu wünschenswerten Maßnahmen – in Abwägung von gesellschaftlichem Nutzen und den Kosten.

Die Wissenschaftler sehen die Entwicklung emissionsarmer Formen der Mobilität nicht nur zur Verminderung von verkehrsbedingten Belastungen. Sie können auch für die Wirtschaft von hoher Bedeutung sein.  (ampnet/Sm)

Foto: Auto-Medienportal.Net/Mobil in Deutschland

 


Veröffentlicht am: 10.04.2019

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