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Damals und heute

Rollenbilder im Wandel



Nostalgie pur: Die 50er Jahre liegen immer im Trend. Kaum eine andere Ära hat so nachhaltig ihre Spuren hinterlassen. Das fängt mit der Mode an. Bleistiftröcke und Capri-Hosen, flache Ballerinas und Stöckelabsätze werden regelmäßig von Designern wiederbelebt.

Stilikone schlechthin ist die knabenhafte Schauspielerin und Tänzerin Audrey Hepburn, deren Charme seit ihrem ersten großen Auftritt in „Ein Herz und eine Krone“ Generationen bezaubert hat. Auch die
Vespa, auf der sie an der Seite von Gregory Peck in dem modernen Märchen durch Rom flitzte, ist ein Kultklassiker. Obwohl die ersten Vespas 1946 auf den Markt kamen, wurde der schlanke Motorroller durch den Hollywoodfilm von 1953 zum Sinnbild für Freiheit, Spaß und italienische Eleganz.

Mittlerweile sind 18 Millionen Vespas weltweit verkauft worden, und die Modellreihen sind optisch noch immer unverkennbar an das Originalmodell angelehnt.

Auch die Musikwelt kam in den 50er Jahren in Aufruhr. Rock ’n’ Roll machte Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und Bill Haley and the Comets zu Helden der Nachkriegsjugend. Während unter den älteren Leuten vor allem Entsetzen über die wilde Musik vorherrschte, tanzten sich Backfische und Halbstarke den Frust über die engen gesellschaftlichen Zwänge vom Leibe.

Rock ’n’ Roll war mehr als nur Musik, er war ein Lebensgefühl. Überhaupt war fast alles, was aus Amerika kam, ein Hit, von den Filmen bis zum darin porträtierten Essen. Diner mit Neonbeleuchtung, Drehhockern an der gläsernen Theke und Hamburgern mit Milkshakes ließen gutbürgerliche Restaurants spießig erscheinen.

Nicht umsonst sind Burger-Restaurants aus der heutigen Kultur nicht wegzudenken, und Retroflair gehört zum Look dazu. Auch in der Spielewelt wird auf Nostalgie gesetzt. Fans der 50er Jahre können in von 0er Jahre inspirierten Online Casinos sogar eine Zeitreise antreten, was die Spielautomaten, das Dekor, die Musik und das Spielgefühl anbelangten.

Was sich allerdings bei aller Rückbesinnung auf die 50er Jahre geändert hat, ist das Rollenbild der Geschlechter. So rebellisch sich der Rock’n’Roll-Jugend auch gefühlt hatte, die Aufgaben waren klar definiert. Männer waren die Brotverdiener, und die Frauen blieben am heimischen Herd und zogen die Kinder groß. Dazu hatte auch das „Doppelverdienergesetz“ beigetragen, nach dem Frauen ihre Erwerbstätigkeit aufgeben mussten, sobald der Mann die Familie auch ohne ihren Lohn ernähren konnte.

Die Rückkehr zur kriegsbedingt unterbrochenen alten Weltordnung im eigenen Heim wurde durch das bürgerliche Gesetzbuch unterstützt. Zwar war die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Grundgesetz von 1949 verankert, aber nach dem deutlich älteren bürgerlichen Recht hatte der Ehemann weiterhin das Sagen. Sobald eine Frau vom Standesamt kam, brauchte sie seine Zustimmung, um außerhalb des Zuhauses arbeiten zu dürfen. Das Wirtschaftswunder trug seinen Teil dazu bei, Frauen am Herd zu halten, weil ein Einkommen zumindest für die alltägliche Grundsicherung durchaus ausreichend war.

Das traditionelle Rollenbild wurde durch Zeitschriften und Filme kräftig gefördert. Schönheitstipps und Ratschläge, wie Frau sich einen Mann angelt in Magazinen, Komödien wie „Wie angelt man sich einen Millionär“ und „Bettgeflüster“ machten den Frauen klar, dass der Ring am Finger das erstrebenswerteste Ziel war.

Heutzutage ist zwar die Ehe nicht überflüssig geworden – im Jahr 2017 gab es in der Bundesrepublik mehr als 17,5 Millionen Ehepaare, davon 9,695 Millionen ohne Kinder.

Aber die traditionelle Rollenteilung ist schon aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung längst überholt. Kaum eine Familie kommt heute noch mit einem einzigen Gehalt aus, und viele Frauen müssen sich zwischen Vollzeitjob und Kindern entscheiden. Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Mütter arbeitet Teilzeit. Das liegt auch dem Problem mit der Kinderbetreuung, von den Öffnungszeiten und Mangel an Hort- und Kitaplätzen bis zu den Kosten.

Deutsche Frauen arbeiten mehr als der Durchschnitt in den OECD-Ländern, aber werden dafür im Verhältnis schlechter entlohnt. Im Jahr 2013 verdienten Frauen in der Bundesrepublik in Vollzeitjobs rund 13,4 Prozent weniger als Männer, und je niedriger bezahlt die Jobs waren, desto größer war der Unterschied.

Die Entscheidung für Kinder ist zudem häufig gleichbedeutend mit einem Karriereknick. Wer sich fürs Mutter werden entscheidet, hat schlechtere Chancen für Beförderungen, und in Führungspositionen sind Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.

Für Männer bedeutet das weniger Optionen, sich gleich stark in den Familienalltag einzubringen, selbst wenn sie es wollen. Weil sie besser bezahlt werden und es vielfach noch immer als unmännlich gilt, die Partnerin Hauptverdienerin sein zu lassen und stattdessen in Teilzeit zu gehen, um die Kinder mitzubetreuen, neigt sich das Karrieregefälle weiterhin stark zu Ungunsten von Frauen.

Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte sind seit mehr als 20 Jahren vor allem in Verwaltung und Kommunen aktiv. Ihr Ziel ist es, Frauen auch gesellschaftspolitisch die ihnen zustehende Repräsentation und Gleichberechtigung zu verschaffen. Im deutschen Bundestag sind zurzeit 30,7 Prozent der Abgeordneten Frauen. Das sind zwar mehr als vier Mal so viele wie im ersten Bundestag, der 1949 vereidigt wurde – damals waren es 28 von 410 Abgeordneten oder umgerechnet 6,8 Prozent -, aber es ist weiterhin eine deutliche Minderheit.

Überdurchschnittlich hoch ist der Frauenanteil hingegen bei den Alleinerziehenden. Rund 20 Prozent der deutschen Kinder wachsen mit nur einem Elternteil auf, und in neun von zehn Fällen handelt es sich dabei um die Mutter. Das Problem, Vollzeitarbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen, hat auch langfristige Folgen. Für keine andere Bevölkerungsgruppe ist die Gefahr von Altersarmut so groß. Vielleicht trägt auch das dazu bei, die 50er Jahre in nostalgischer Verklärtheit zu betrachten. Klar definierte Rollen und ein Auskommen mit dem Einkommen machten das Leben zumindest auf den ersten Blick einfacher. Selbst die von Aufrey Hepburn gespielte Prinzessin war schon mit einem Eis und einer Vespa-Fahrt glücklich.

Fotos: Shutterstock (2), Pixabay

 


Veröffentlicht am: 11.04.2019

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