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Diese Folie wird euch eine Lehre sein

... ein Kommentar von Dennis Gauert, Auto-Medienportal.Net

Der Lehrer ist ein Meister aus Deutschland, besonders, wenn es um den Straßenverkehr geht. Neuerdings tragen zahlreiche Kofferraumklappen einen Aufkleber mit dem Hinweis: „Bei Stau Rettungsgasse bilden“.

Ein hilfreicher Tipp, könnte man meinen. Aber geht um einen wohlbekannten, einzelnen Punkt der Fahrausbildung, der plötzlich ein Revival erlebt. Ist er doch ein guter Anlass, um das Umfeld täglich zu belehren. Der Anlass ist traurig genug: Zu häufig kam es vor, dass Rettungskräfte nicht zu Unfallopfern durchkamen.

Welche Fahrer sind das eigentlich, die solche Aufkleber offensichtlich als einzige Maßnahme zur Individualisierung des eigenen Fahrzeugs heranziehen? Und was sagt das über sie aus? Das ist bei genauerer Betrachtung mehr als man glaubt. Einen Hinweisaufkleber auf dem privaten Fahrzeug zu tragen und ihn täglich zur Schau zu stellen, ist mehr als nur ein wohlgemeinter Aufklärungsauftrag. Denn der bekommt nur Sinn, wenn man sein Umfeld für dumm hält.

Der Appell wird nur selten auf der eigenen Erfahrung beruhen, da nicht jeder jemanden kennt, der durch das Nichtbilden einer Rettungsgasse in ernsthafte Schwierigkeiten kam. Vielmehr scheint es sich hier um eine grundsätzliche theoretische Annahme zu handeln, dass andere Autofahrer ungebildet sind, obgleich sie eine identische Fahrausbildung wie der Appellierende absolviert haben. Umgekehrt bedeutet das Aufkleben eines solchen Hinweises auch Abgrenzung: „Ich habe es längst verstanden. Wann versteht ihr es endlich?“

Bei dieser Einstellung könnte der ursprünglich gut gemeinte Aufkleber Startschuss für eine neue Generation des Merchandisings sein. Aufkleber mit „Bei Grün losfahren“, „Beim Spurwechsel blinken – Schulterblick nicht vergessen“, „So fahren, wie es auf dem Schild steht“ oder „Während der Fahrt nicht dem Gesprächspartner in die Augen schauen“ könnten sinnvolle Ergänzungen zur deutschen Lehrstunde für Hintermänner werden. Doch auch Aufkleber wie diese würden bedeuten, dass ihr Besitzer andere für unfähig hält, die simpelsten Sachverhalte zu erkennen. Der Deutsche ist dem Deutschen eben ein Wolf, erst recht der Fahrer dem Hintermann.

Ironischerweise scheint es – ähnlich wie bei Mottoshirts – so zu sein, dass diejenigen, die gerade eben erst eine neue Wahrheit gefunden haben, sie nach außen tragen. So geht es offenbar auch unter Autofahrern zu. Gerade die, die nur wenige Autobahnkilometer machen, wissen am besten, wie es richtig geht. Auf den Mittelklasse-Dauerläufern sucht man die Lehrstunden-Folien jedenfalls vergeblich. Vielleicht weil die Wahrheit für Erfahrene nichts Neues ist. (ampnet/deg)

Foto: Auto-Medienportal.Net

 


Veröffentlicht am: 20.05.2019

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