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Reisewarnung für Bayern? „Schluss mit Parteigeplänkel, hin zu Fakten!“

DRV fordert zeitnahe Entscheidung über differenzierte Reisehinweise für Urlaubsländer

„Ob Corona-Zahlen hoch oder niedrig sind, ist keine politische Entscheidung, sondern eine Frage der Fakten. Daher dürfen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes nicht zum Gegenstand von Parteigeplänkel werden“, fordert der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, die Bundesregierung zu einer Versachlichung der Diskussion um die Aufhebung der weltweiten Reisewarnung auf.

„Wer unbegründet vor Auslandsreisen warnt, nur um den Urlaub im eigenen Bundesland zu promoten, der macht das Geschäft der vielen Reisebüros und Reiseveranstalter kaputt“, sagt Fiebig. Das Bundeskabinett wollte Mittwoch dieser Woche beschließen, dass ab 15. Juni differenzierte Reisehinweise für Europa die generelle weltweite Reisewarnung ablösen. Doch auf Druck von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wurde die Entscheidung verschoben. Aus innenpolitischen Erwägungen heraus warnte er vor erhöhten Infektionszahlen durch Auslandsreisen.

Doch die Faktenlage ist eine andere: Die Zahl der aktuell Infizierten ist im Freistaat de facto höher als in den beliebten Urlaubsländern Griechenland, Kroatien und Österreich zusammengenommen. „Nach Logik von Herrn Söder müsste dann auch für Bayern eine Reisewarnung gelten“, so DRV-Präsident Fiebig.

„Warum sollte die Ansteckungsgefahr höher sein, wenn ich eine europäische Grenze überquere oder eine innerdeutsche? Oder wenn ich von Berlin nach Kopenhagen reise im Vergleich zu Berlin nach München. Dem Coronavirus sind Grenzen egal – innerdeutsche ebenso wie internationale“, macht Fiebig deutlich. Dementsprechend sollten innenpolitische Überlegungen bei der Bewertung von Reisehinweisen keine Rolle spielen – das Infektionsgeschehen vor Ort aber sehr wohl. Vor allem sollte auch nicht der Deutschlandtourismus gegen Auslandsreisen ausgespielt werden. Über 70 Prozent aller Reisen der Deutschen führen ins Ausland – dieses Geschäft sichert als Rückgrat der deutschen Reisewirtschaft rund 100.000 Arbeitsplätze bei Reisebüros und Reiseveranstaltern.

Die Infektionszahlen sinken fast überall – und wenn dem so ist, können auch die Grenzen schrittweise öffnen. Immer mehr Länder bereiten sich auf Touristen vor. Denn Touristen bringen Wirtschaftskraft in die Zielgebiete – und auch das ist wichtig.

Die deutsche Reisewirtschaft braucht endlich zeitnah eine Entscheidung, wann Tourismus unter Beachtung der notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln wieder in den beliebten Urlaubsländern starten kann. Auch die Verbraucher wissen nicht, woran sie sind. „Die Entscheidung über die Aufhebung der Reisewarnung darf nicht noch einmal verschoben werden – Urlauber und Reisebranche brauchen eine Perspektive und mehr Planungssicherheit. Aber natürlich ist Gesundheit oberstes Gebot“, so Fiebig. Wichtig seien objektive Kriterien, um Reisen in bestimmte Regionen wieder zuzulassen. Die differenzierte Beurteilung gibt den Reiseveranstaltern mehr Planungssicherheit, denn auch die Wiederaufnahme des Tourismus und der Flüge braucht Vorbereitungszeit.

 


Veröffentlicht am: 30.05.2020

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