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Wie E-Mountainbiken den Tourismus verändert

Nicht nur in alpinen Touristikregionen steigt die Nachfrage



[pd‑f/tg] Neben Wandern steht für eine wachsende Zahl an Erholungssuchenden bei einem Alpenurlaub auch das Mountainbiken auf dem Programm. Mit E‑Mountainbikes können selbst weniger Trainierte die Berge erklimmen und Gipfel erkunden.

„E‑Mountainbikes sprechen neben sportlich-ambitionierten Fahrer:innen vor allem auch Einsteiger:innen und Menschen an, deren Fokus auf Erholung und Kultur liegt. Das sorgt für Veränderungen und Anpassungen in den Tourismusregionen“
, erklärt Nico Graaff vom Mountainbike Tourismusforum Deutschland.

Infrastruktur schaffen und Ströme lenken


Die unterschiedlichen Zielgruppen und ihre Bedürfnisse zusammenzubringen und als Region weiterhin attraktiv zu bleiben, ist eine Herausforderung. Ein paar Ladesäulen aufzustellen, um die nötige Infrastruktur zu schaffen, ist da nur der Anfang – und sollte mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sein. „Für E‑Mountainbiker:innen braucht es darüber hinaus eine angepasste Form der Tourenkonzeption. Weiter entfernte Gipfel und Aussichtspunkte werden leichter erreicht. Das schafft Abwechslung und kann zudem stark frequentierte Hauptwege entzerren“, so Graaff. Zusätzlich sollte es unterschiedliche Startpunkte für die Touren geben: Manche E‑Mountainbiker:innen starten direkt am Hotel, andere lassen sich mit Bus oder Auto zu einem Startpunkt bringen. „E‑Mountainbikes haben ihren Lift quasi schon eingebaut. E‑Biker brauchen keine speziellen Liftanlagen, sondern gut ausgeschilderte Routen – gerne auch mit hohem Trail-Anteil bergauf und bergab“, sagt Andreas Krajewski vom Fahrradhersteller Cannondale. So profitieren auch Mittelgebirgsregionen oder alpine Destinationen vom Boom, die aktuell nicht über Liftanlagen und Bikeparks für Mountainbiker:innen verfügen. Der Vorteil: Die stark genutzten Hotspots werden entlastet und die Nutzer:innen besser kanalisiert. Ein entsprechendes Wegesystem trägt dazu bei, Nutzungskonflikte von vornherein zu vermeiden, ist allein jedoch kein Harmonie-Garant: „Das Wichtigste ist Respekt: gegenüber anderen Erholungsuchenden und der Natur“, sagt Graaff.

Einfach leihen und ausprobieren


Wie das funktionieren kann, zeigt beispielsweise die österreichische Region Schladming-Dachstein. Für E‑Mountainbiker:innen werden sogenannte Bike-&-Hike-Touren ausgeschildert. Anstatt mit dem Auto oder zu Fuß zu einer – auch abgeschiedenen – Sehenswürdigkeit zu gelangen, besteht die Möglichkeit, auf ausgewiesenen Touren die Strecke alternativ mit dem E‑Bike zu absolvieren. Neben sportlichem Vergnügen für die Bikenden bewirkt das Konzept eine Entlastung der Parkplatz- und Verkehrssituation an den Ausflugszielen, die durch Tagestourist:innen oft stark belastet werden. „Autolos im Urlaub wird in Zukunft ein wichtiger Bestandteil bei der Urlaubsplanung. Das E‑MTB bietet eine passende Möglichkeit, um auch in der alpinen Urlaubsregion flexibel zu sein und neue Möglichkeiten zu entdecken“, sagt Christian Witscher, Marketing-Manager bei der Winora Group und somit mitverantwortlich für den E‑Bike-Hersteller Haibike. Der E‑MTB-Pionier kooperiert mit dem Anbieter Ibike-Box, um in Urlaubsregionen in Österreich oder auf Mallorca einfach E‑MTBs zum Verleih anzubieten.

In einer Box, die einem Schaufenster ähnelt, stehen E‑MTBs und E‑Trekkingräder bereit. Diese können im Internet für einen oder mehrere Tage in der passenden Rahmengröße und Ausstattung gebucht werden. Das Angebot umfasst je nach Bedarf und Tourenplanung auch Helme, Fahrradschlösser oder Protektoren. Der Vorteil: Anders als bei Leihanbietern oder Fachhändler:innen können im Internet die Buchungen genau eingesehen werden – was die Planbarkeit erhöht. „So muss keine Extra-Ausrüstung im Vorfeld gekauft und mitgenommen werden und Interessierte können einmal alle Facetten des E‑Mountainbikes ausprobieren. Service und Übergabe regeln Partnerbetriebe vor Ort. Das können beispielsweise Hotels sein, deren Rezeption auch bereits in den Morgenstunden geöffnet hat, um die Tour möglichst früh zu beginnen“, erklärt Witscher. Zusätzlich wird mit dem Hotel Tauernhof in Österreich eine Kooperation als Testcenter unterhalten. Vor Ort steht Urlauber:innen zum Schnuppern das komplette Haibike-Sortiment mit geführten Biketouren und Techniktrainings zur Verfügung.

Mehr kulturelle Highlights anbieten

Das E‑Mountainbike bringt noch weitere Folgen für die Urlaubsregionen mit sich: E‑Biker:innen kommen schneller an ihr Ziel und haben eine Hütte oder einen Gipfel bereits erreicht, wenn die Masse an Wanderern, Tagestourist:innen und anderen Erlebnissuchenden erst im Anstieg ist. „Das entzerrt einerseits die Besucher:innenströme, ist aber auch ein Punkt, auf den sich z. B. Hüttenwirt:innen einstellen und gegebenenfalls ihre Öffnungszeiten anpassen müssen“, erklärt Graaff. Sonst könne es passieren, dass die E‑Mountainbiker:innen bereits wieder abfahren, bevor die Hütte zur Verpflegung und Pause überhaupt geöffnet hat. Eine weitere Chance für die Regionen ist es, kulturelle Anlaufpunkte wie Museen und Events, z. B. auch in Form einer Verkostung von lokalen Spezialitäten, mit Sport zu verbinden. „Für E‑Mountainbikende rückt neben dem sportlichen Aspekt auch der kulturelle in den Mittelpunkt. Anstatt einen vollen Tag für eine Bike-Tour einzuplanen, verkürzen E‑Mountainbiker:innen ihren sportlichen Urlaubstag gern und wollen die restliche Zeit mit Kultur oder anderen Sehenswürdigkeiten verbringen“, weiß Anja Knaus vom E‑Bike-Spezialisten Flyer.

Angebote nehmen weiter zu

Wo die Reise hinführen kann und wie Mountainbiken an sich stärker in die Tourismuskonzepte eingegliedert wird, zeigt sich in der Schweiz. Dort werben Regionen gezielt mit den Sportmöglichkeiten und rücken die neuen Zielgruppen in den Fokus. In der Jungfrau-Region gibt es beispielsweise den „Eiger-E-MTB-Loop“, der von Flyer gesponsert wird. Die dreitägige E‑Bike-Tour führt rund um das weltberühmte Dreigestirn aus Eiger, Mönch und Jungfrau. Beworben wird die Tour mit Beschreibungen wie „umwerfende Berg- und Gletscherblicke“, „spektakuläre Wasserfälle“ oder „pittoreske Weiler“. Die Tagesetappen sind zwischen 30 und 60 Kilometer lang und der Gepäcktransport wird übernommen, sodass noch genügend Zeit für Naturerlebnis und Kultur auf und nach der sportlichen Runde bleibt. „Es wird viel Abwechslung geboten und Zielgruppen angesprochen, die zwar fahrradaffin sind, aber auch gerne einmal etwas Neues ausprobieren wollen“, sagt Knaus und ergänzt abschließend: „Solche Angebote werden immer mehr – nicht nur in der Schweiz. Das E‑Mountainbike ist für Urlaubsregionen eine richtig gute Chance.“ Für viele Tourist:innen ist es zudem der Erstkontakt mit der Elektromobilität – und somit ein möglicher Einstieg, um auch zu Hause mehr aufs (E-)Rad zu steigen.

Quelle: www.stevensbikes.de | pd-f

 


Veröffentlicht am: 07.08.2021

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