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Gayle Tufts: "Broadway bedeutet für mich ”quality entertainment” – Unterhaltung mit Herz und Hirn"

Am 18. Februar findet im Berliner Admiralspalast die Welt-Premiere der neuen, großen Gayle Tufts-Show „Everybody’s Showgirl“ statt. Cornelia Thomas sprach mit der Amerikanerin und Erfinderin des "Denglisch" in einer Probenpause über ihre neue Show, Glamour und die künstlerische Wurzeln am Broadway.

Cornelia Thomas:
Du versprichst mit Deiner neuen Show, dass du damit den Broadway zurückbringen wirst. Wie kann man sich das vorstellen?
Gayle Tufts:
Mit Glamour! Mit toller Musik, hübschen Tänzern und jeder Menge Humor – aber auch mit einer großen Portion Realität dazu. Broadway ist eigentlich eine Strasse mitten in Manhattan, voller Großstadtenergie und sprudelnder Kreativität, aber auch mit Dreck, Lärm und einer etwas schmutzigen Vergangenheit. Diese Reibung zwischen Perfektion und Realität fasziniert mich. Wenn es in Berlin eine Straße gibt, die man – gerade auch aufgrund ihrer Geschichte – mit dem New Yorker Broadway vergleichen kann, dann ist das die Friedrichstraße.

Cornelia Thomas:
Siehst Du in den großen, aufwändig produzierten hauptsächlich auf Unterhaltung zielenden Shows des Broadway Deine künstlerische Heimat?
Gayle Tufts:
Broadway bedeutet für mich ”quality entertainment” – Unterhaltung mit Herz und Hirn.  Das kann ein aufwändiges Riesenevent sein, aber auch eine off-off-off-Broadway-one-woman-Performance. Meine künstlerische Heimat ist die Bühne. Ich komme aus Amerika, wo wir keine Unterscheidung in E & U Kunst (Ernsthaftes- und Unterhaltung) machen. Ich hatte eine strenge Ausbildung zum Entertainer an der New York University - wir mussten alle singen, tanzen, und sprechen (und auch das Lichtpult bedienen und eine Presseerklärung schreiben können...) In meiner Karriere habe ich in verschiedensten Genres auf unterschiedlichsten Bühnen weltweit gearbeitet – vom Tanztheater bis zur Stand-Up Comedy. Ich habe mich immer  als Entertainerin begriffen: die witzige, singende Darstellerin in einen ernsthaften Stück.

Cornelia Thomas:
Everybody’s Showgirl sein zu wollen, ist ein großes Versprechen. Wie löst Du dieses in Deiner neuen Show ein?
Gayle Tufts:
Der Titel kommt natürlich mit einem großen Augenzwinkern. Ich gebe zu: ich bin 49- Jahre alt, habe Kleidergröße 46 und trage in meinem Privatleben überhaupt keinen Kopfschmuck. Trotzdem, nach fast 20 Jahre in Deutschland, fast 30 Jahren auf der Bühne und 50 Jahren auf diesem Planeten würde ich „Showgirl“ als meinen Beruf bezeichnen – a Girl who does Shows. Ich finde „Everybody’s Showgirl” eine sehr demokratische Berufsbeschreibung – I’m here for you! Ich bin hier für Euch! How can I help?

Cornelia Thomas:
Wie würdest Du Deine neue Show: Everybody`s Showgirl beschreiben?
Gayle Tufts:
Es ist THE REALLY BIG SHOW – meine größte Produktion bis jetzt. Big Bühnenbild, viele Kostüme, lots and lots of Choreographie, nagelneue Lieder (inklusiv mein ganzes Leben als Mini-Musical -  komponiert von Thomas Zaufke), ein Paar alte Favoriten und eine Besetzung that is the  crème de la crème meiner bisherigen Programme. Alles unter der Regie der amerikanischen Choreographer/Director Melissa King.

Cornelia Thomas:
Du bist nicht nur mit Thomas Hermanns befreundet, sondern ihr arbeitet auch schon seit vielen Jahren zusammen. Welche Rolle spielt er bei Deiner neuen Show?
Gayle Tufts:
Ich schreibe das Buch mit Thomas zusammen. Viele Leute sind überrascht, dass es überhaupt ein Buch gibt. Sie denken, dass ich mir die Pointen jeden Abend spontan aus dem Ärmel schüttele – und genauso soll es auch aussehen – aber dahinter steckt sehr viel dramaturgische Arbeit. Ich schreibe meine Show, genau wie ein Theaterstück.

Cornelia Thomas:
Warum ist es für Dich wichtig, dass Thomas mit Dir auch bei dieser Show zusammenarbeitet?
Gayle Tufts:
Ich kenne Thomas zeit über 25 Jahren. Thomas ist einer der wenigen Menschen in dieser Welt, der meine Arbeit in New York und in Deutschland kennt – er hat sogar 1986 bei meiner ersten  New Yorker Soloshow Regie  geführt! Wir teilen einen großen Respekt für und ein enormes Wissen über Popkultur und Showbiz Traditionen – vom  großen Auftritt auf der Showtreppe über die persönliche Ballade am Klavier bis zum Gospelchor zum Finale. Wir haben  acht Shows zusammen gemacht und ich vertraue ihm total. Wir haben eine gemeinsame Sprache. Außerdem  braucht jedes Showgirl einen schwulen besten Freund.

Cornelia Thomas:
Wie kann man sich Eure Zusammenarbeit vorstellen?
Gayle Tufts:
Wir setzen uns in ein Zimmer - am allerliebsten ein schönes Hotelzimmer - weit weg von Handys, E-Mails oder anderen Menschen und lassen los. Wir kreieren einen Ablauf –  ein Skelett - und füllen es Schritt für Schritt auf. Wir lachen viel. Normalerweise schreibe ich etwas, lese es vor bis Thomas irgendwann kichert und anfängt Fragen zu stellen – stundenlang : Was meinst Du genau? Wie schmeckt es? Wie hießt er? Es ist wie Turbo-Autoren-Ping-Pong. Wir sind sehr schnell. Danach belohnen wir uns, gehen schön essen, trinken ein Glas Champagner und bereiten uns so vor auf den nächsten Arbeitstag.

Cornelia Thomas:
Als Musikalischen Leiter konntest  Du Professor Michael Dixon gewinnen, der schon für das Musical „Cats“ in Hamburg, Amsterdam und Paris die Leitung innehatte. Wie viel Musical steckt in Deiner neuen Show?
Gayle Tufts:
Nicht so viel Musical wie  in Cats, aber es wird trotzdem eine tolle Show. Wenn man in Deutschland von „Musicals“ spricht, hat es immer eine ganz andere Bedeutung als on Broadway oder im Londoner West End: Schwerer, tragischer oder zumindest operettenhafter – irgendwo zwischen „Les Miserables“ und „Elisabeth“. Oft märchenhaft und weit ab der Realität. Zumeist ist auch eine sterbende Prinzessin dabei. Ich bin keine Prinzessin und will nicht sterben! Ich bin begeistert von der Tradition der One-Woman-Shows on Broadway – ein große Revue um eine Persönlichkeit  - wie Bette Midler in „Divine Madness“ oder Liza Minnelli in „Liza With A Z”. Sie waren -und sind- meine Vorbilderinnen – The Big Showgirls: Barbra Streisand, Shirley MacLaine, Tina Turner, Madonna oder Beyoncé. Michael Dixon ist nicht nur mein musikalische Leiter und Dirigent, er ist auch mein Stimmlehrer und arbeitet sehr streng mit mir, weil er meinen Anspruch kennt.

Cornelia Thomas:
Du wirst 2010 50. Wird sich dieses Ereignis auch in Deiner Show widerspiegeln?
Gayle Tufts:
Natürlich! Ein Erst-mit-50-Showgirl-gewordenes-Showgirl ist eine super Comedy-Quelle. Ich habe in meinen Shows immer offen über mein wahres Alter gesprochen, jetzt ist es  zu spät zu lügen. Außerdem ist so eine große Produktion eine  praktische Überlebens-Strategie – ich muss topfit sein!  Und fünfzig zu werden ist wirklich ein wunderschöner Grund zum Feiern!

Cornelia Thomas:
Was bedeutet Dir mit „Everybody‘s Showgirl“ der Schritt auf die große Bühne?
Gayle Tufts:
It’s a dream come true!

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Veröffentlicht am: 17.02.2010

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